Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783
Kapitel 30
Auch wieder lieber Bruder einige Worte nach dem A. B. C.
a) Die Kupfer die noch hier sind, wäre mir lieb wenn du sie dem Herzog
überliesest, er sammlet iezt und hat schöne Freude und Sinn dran. Für dich sind
unter der ganzen Menge höchstens ein halb Duzzend Lukas von Leyden
schäzbaar. Dagegen will ich dir die Albrecht Dürer was mir in die Hände kommt
ausantworten.
b) Gott seegne dich für deine Freude an meiner Künsteley. Ich kanns nicht
lassen ich muß immer bildeln.
c) Deine Waserische Geschichte gehört eben recht dir, weil sie so aus Noth
dem innersten entrissen ist.
d) Lies doch wo du Zeit findest das Diarium der Revolution in Neapel durch
Masaniello; wenn du es noch nicht kennst. Dir gewiß wie mir unschäzbar.
e) Das von Herdern kenn ich nicht.
f) Hast du denn selbst eine Iphigenie?
g) Laß mir wo möglich durch Bäben ein näher Wort sagen wie dir ist. L. Br.
laß uns immer näher zusammenrücken. Die Zeit kommt doch bald wo wir
zerstreut werden, in die Elemente zurückkehren aus denen wir genommen sind.
h) Täglich wächst der Herzog und ist mein bester Trost.
i) Was thust du für Gera? Du Treiber.
k) Ich sammle neuerdings zur Mineralogie, will mir dein Bruder Docktor
etwas von seinem Ueberfluß zukommen lassen, so macht mirs viel Vergnügen.
Kannst du mir sonst so was ohne viel Umstände verschaffen, so thus. Es müßte
wohl eingepackt nach Frankfurt an meine Mutter mit einem Fuhrmann geschickt
werden, daß das Porto nicht so hoch käme.
l) Dank für die Worte über die Silhouette. Es ist eine edle Seele und liebt dich
wie man lieben kann. Schick mir doch dein Bild für sie, ich hab ihr meins
geborgt.
m) Grüße Frau und Kinder und alles.
n) Schreib mir immer es sey was es wolle.
o) Gieb meine Sachen der Bäben, die weiß womit hin.
Adieu!
Goethe.
d. 3. Nov. 80.