Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte
Eilftes Kapitel. Die Stadt.
Eilftes Kapitel.
Die Stadt.
Hoffe Ruh im Mißgeschicke,
So das Daseyn dir vergällt.
Bald entwölkt sich deinem Blicke
Eine Flur, vom goldnen Glücke
Für den Dulder aufgehellt.
Fort rollte der Wagen die Strasse zur Stadt. Der lezte der Berge verbarg sie nur
noch. Itzt waren sie auf seinem Nacken, und ausgegossen lag in einer
unermeßlichen Ebene die unübersehbare Residenzstadt. Welch ein entzückender
Anblick für die Reisenden! In der Mitte stand die Residenz des germanischen
Kaisers, mit stark vergoldeten Dächern, mit Erkern und spiegelnden Fenstern
wie eine kleine Stadt. Im Kreise um sie herum die Paläste der Fürsten in schöner
Ordnung, jeder vom andern durch einen prächtigen Garten abgesöndert. Um die
Fürstenwohnungen in mäßiger Ferne die Gebäude der Edlen, und an diese
schloßen sich die simetrischen Häuser der Bürger, auch diese immer durch
Gärten getrennt, in welchen hochwipflichte Bäume über die blanken Dächer
grünten. Eine dreifache Schanze mit ungeheuren Wällen und Gräben umhügelte
in einem Ring die ganze Stadt, durchschnitten von breiten regelmäßig
angelegten Strassen und Gassen, mit unzähligen Plätzen, wo Alleen und
Denksäulen standen. Auf vier Seiten gleich an der Stadt ragten vier
unbezwingbare Kastelle auf Hügeln empor, ein majestätisch gleitender Strom
mit blauen Wasserspiegel, mit Schiffen und Kähnen besäet umarmte den einem
halben Kranz der Stadt. Wie blinkten die Thürme mit gelben Spitzen im
Sonnengolde! Wie mischte sich das Farbenspiel der Mauern, der Dächer, der
Bäume mit den bläulichen Wolken die aus Schorsteinen stiegen!
Die Reisenden kamen zum Thore. Ein Mann trat an die Kutsche, und fragte
ganz artig: Wer bist du? den Grafen.
„Graf Wallingau.“
Sogleich traten die wachthabenden Soldaten auf des Thorstehers Wink unter
Gewehr, schulterten, und Welly fuhr ungehalten weiter.
Das bunte Menschengewimmel, der itzt noch lebhaftere Anblick der Gebäude,
der schönsten Baukunst Meisterstücke, die mannigfältige Abwechslung
gewährte den Ankommenden ein süsses Schauspiel. Sie hielten auf dem Platze
der Gasthöfe, den eine lange Reihe der schönsten Einkehrhäuser formte. Die
vergoldeten Schilde glänzten. Hier hieß es: zur Treue, dort zur Liebe. Da: zur
Hoffnung. Hier: zur Menschlichkeit. Wieder dort: zum Vaterlande.
Im Vaterlande kehren wir ein! — sagte Welly; sie stiegen ab, und ein
halbdutzend windschnelle Diener bedienten die Gäste. —
Der Abend sank vom Himmel und zog seinen Purpurglanz von den
wiederspiegelnden Thurmspitzen.
Unsre Reisenden machten eine kleine Promenade, und ruhten von den
Beschwerlichkeiten der Reise auf sammtnen Kanapeen aus. „Morgen gehn wir in
die Residenz, den Vater des Landes zu sehn! Und dann soll uns die Abwechslung
der Stadtvergnügen ergötzen! — sagte Welly, ehe man zur Ruhe gieng.