Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte
Siebentes Kapitel. Das Abentheuer.
Siebentes Kapitel.
Das Abentheuer.
Da schäckert eben ein Kranz muthwilliger Mädchen mit dem Helden des Tages
und seinem Freunde.
Ist Wellmine nicht darunter? Nein! Sie plaudert an der Seite mit dem Kellner.
Ihr Plänchen ist geschmiedet, und dazu braucht sie den Kellner, die
Mundschenker und einige Diener, denen sie Goldberge verheißet für eine kleine
Gefälligkeit.
Den besten stärksten Wein — so spricht sie zu diesem — schenkt dem Einen
ein, der dort mit dem Ballhelden immer so vertraulich umgeht. Recht häufig und
recht stark! Hört! vergeßt nicht! Er ist ein außerordentlich lustiger Mensch, wenn
er ein klein Räuschchen im Kopfe hat. So stirbt er vor Leid!
Da wollen wir schon helfen, sagten die Diener, es soll der Himmel und die
Erde mit ihm tanzen!
Armer Salassin! Was hat Wellmine heute mit dir vor? Was wird dir noch
geschehen?
O wehe, da wirket der Geist des Trunkes schon. Unvorsichtiger, wehe dir —
es ist um dich geschehen!
Salassin ward ungemein munter — so witzig — so zum Scherzen und
Schäckern, zum Tändeln und Tanzen aufgelegt, als ihn noch niemand im Leben
gesehen. Tausend artige Gallantrien sagt er den Mädchen und Frauen, die den
Jüngling bewunderten und liebten.
Mit allen trank er Brüderschaft — sein Herz floß über seine Lippen — kurz
Salassin der lustige, galante, schöne Jüngling zog diesmal aller Aufmerksamkeit
ungetheilt auf sich.
Sebald merkt es dann bald, was ihn begeistere, und beschwor ihn bei Zeiten
sich des fernen Trunkes zu hüten, weil der überall geschätzte, leicht der überall
belachte hätte werden können.
Salassin folgte zwar lange dem Rathe des Freundes, als aber der letzte der
Reigen getanzt wurde, konnte Salassin dem Durste nicht länger widerstehen, und trank ein Gläschen um das andere leer.
Zum Glück war es spät nach Mitternacht, und das Ende des Balls da. Salassin
mächtig vom Weine betäubt irrte fort nach Hause zu.
Ja nun war die Wirthschaft sauber. Das Gebäude lag in einer ihm etwas
unbekannten Gegend der ungeheuern Stadt, die blos an Pallästen 4000 und an
gewöhnlichen Bürgerhäusern wohl der 20000 zählte. Wohin nun?
Allein war er fort, klug genug um keinem andern seine Lage zu verrathen.
Vor dem Hause stand ein Wagen, man zog Salassin hinein, er ohne vielen
Bedenken fuhr fort. Er stieg vor einem Pallaste ab — das ist meine Wohnung
meint er, und stieg die Treppe hinauf.
Er tappte im Dunkel eine lange Treppe fort, und schob unvermuthet eine
leichte Zimmerthüre auf, wo ein Lichtstrahl von einer Kristallsonne den Weg
erhellte. Er stand in dem Zimmer, es ward wieder dunkel, denn die Sonne war
plötzlich verschwunden.
Bin ich doch einmal zu Hause! — dachte er — und zog den Rock ab — und
indem er denselben auf eine Ottomanne werfen wollte, erhellte sich plözlich das
Gemach von der enthüllten Kristallsonne.
Salassin sah umher, und sah — welch ein Anblick! Auf einem Ruhebette lag
ein Mädchen halbverschleiert; Er wankte näher, das verstellt schlaffende
Mädchen ergriff wie im Schlummer seine Hand, und stammelte den Namen
Salassin! — Ha! rief Salassin zitternd und zurückfliehend — es ist Wellmine! Ha
verächtliche — deine Lockungen reizen mich nimmer! — Er ergriff den
hingeworfenen Rock, und floh, als loderte über ihm das Gemach zur Thüre und
zum Hause hinaus.
Rasend sprang nun Wellmine auf — rasend über den mißlungenen Plan. Sie
verfluchte ihren unseligen Einfall und zerraufte ihr schönes Rabenhaar, und
rannte weinend im Gemache herum.
So kann nichts, nichts die kalte Marmorseele locken? Das verlezte Gefühl der
schönsten weiblichen Tugend, Schamhaftigkeit — die unbelohnte dürstende
Liebe — Die Vorstellung sich Verachtung statt Achtung gesponnen zu haben,
verfolgte das unglückliche Mädchen wie Furien — sie kämpfte im
unaufhörlichen Kampf. — Vom Selbstgefühle so tief herabgesezt verwirrte sie
Wahnsinn nach langen unaussprechlich jammervollen Stunden — und das
blühende Rosenmädchen hatte sich bald zum Gespenste gehärmt.
Salassin war inzwischen durch Gassen und Strassen geeilt — und kam endlich
an die Residenz des Kaisers; von da er bald seine Wohnung traf. Er sank betäubt
in einen unruhigen Schlummer.