Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte

Erster Abschnitt.

Erstes Kapitel.

Blicke in die Zukunft.

 

An der unendlichen Uhr der Zeiten wird der Zeiger der Jahrhunderte, auf den

dreiundzwanzigsten Punkt deuten. Fünf Generationen des Menschengeschlechts

werden noch erstehn, wie im Frühling des Jahrs der Fluren Blumengewand

ersteht: wie im Herbste das bunte Laub von krafterschöpften Bäumen rieselt,

werden sie fallen.

Eine neue Mennschensaat wird keimen, sprossen und reifen, gesäet von den

Händen der Zeit.

Schwach und matt noch dämmert die allbelebende Sonne Wahrheit durch den

dichten Nebelflor der Vorurtheile und den dunkeln Wolkendampf des Dünkels;

aber sie werden erhellt werden, sinken werden die Nebel und Wolken, sich

zertheilen und nimmer seyn. Und eine Sonne tritt hervor aus der Schacht des

Wahnes, hell und glänzend wie der geläuterte Morgen nach der Sturmnacht, mild

wie der Thau in Perlen am Frühlingshalm, und labend wie Abendkühle den

schweißtriefenden Schnitter. Edle Thaten der Menschen verketten und

verdrängen sich vor meinem Blicke, wie lieblich in einander flirrende Träume.

Ein Odem durchweht die eine Seele der neuen deutschen Familien; geadelt

durch Geistes und Herzenkraft handlen sie edel und — menschlich.

Aus dem bunten Gewirr künftiger Begebenheiten drängt sich mir eine vor

allen auf — nicht der Schönsten, schönste, aber auch nicht der Edelsten lezte.

Nehmt sie erwartungsvolle Leser, gefällig aus meinen Händen. Schwebet mit

mir in dem Kahne der Fantasie auf, dem Meere der Zeiten 500 Jahre vorwärts.

Seht diese neue Welt um euch und hört. Aber erwartet nicht vollkommen

glükseelige Bewohner, vielleicht den Geistern der uns unbekannten andern Welt

gleich. Auch dann — laßt über unserm Staube noch tausend Generationen

wandeln, laßt Meere austroknen zu Ländern, und Gebirge in Meere sich

verändern — auch dann bleiben der Erde Bewohner unvollkommne Geschöpfe

— Menschen, gemischt aus guten und niedrigen Neigungen.

Und du, o Genius der Zukunft, der mit sonnigten Finger dem kühnen Späher den Flor der Nacht vom Sonnenhell der Zukunft hobst, belebe meinen Pinsel,

daß ich mahle, mit jenen Farben mahle, so die Natur zeichnet, die einst als der

alleinige Ring alle Seelen umringen wird. Daß vielleicht wenn ich Stäubchen

lang in Vergessenheit verwitterte, jene Vorwelt meiner Kühnheit lächelt, und

spricht: Dieser las im Buche der Zukunft.