Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte
Zweites Kapitel. Eine Eroberung.
Zweites Kapitel.
Eine Eroberung.
An einem Tage wurden die beiden Freunde zu einem Besuche geladen. Der
Kranz der versammelten Gäste war groß, und man unterhielt sich sehr lebhaft.
Salassin gewann vorzüglich die Neigung eines der reizendesten Mädchen, das
ihn mit ungemeiner Aufmerksamkeit auszeichnete.
Später am Tage zerstreute sich die Gesellschaft im Garten. Salassin stahl sich
in eine entlegene Laube. Er ruhte auf einer Rasenbank, eine Kaskade plätscherte,
ihr Murmeln melodirte so lieblich mit dem Gesang einer Nachtigall — er
horchte sinnig, und das Plätschern der Kaskade machte die Erinnerung an Lolly
rege.
Durch die schmalen sandbestreuten Gänge des Gebüsches rauschte es plözlich
— Er drückte sein Gesicht in die Hand, und träumte. Sie da! — das geschäftige
Mädchen, das sich seiner im Gastsaale so annahm — stand wie ein
Frühlingsengel am Eingang der Laube, und erblickte den holden Träumer in
seiner tiefsinnigen Lage.
So allein? — sprach sie lächelnd! und indem sie ihn sanft auf den Arm mit
dem Fächer schlug — du fliehst die Gesellschaft, und sinnest allein in einer
dunkeln Laube?
Salassin fuhr aus seinem Sinnen, und wand sich an das reizende Mädchen.
„Ich bin nicht so allein schönes Mädchen! wie du glaubst — mich umgaben —
Träume allenfalls — diese sind für die Nacht gut; aber bei Tage soll man —
„Vergieb, ich kenne die Lebensart der Stadt noch nicht so genau. Ich bin ein
Fremdling den Sitten der Städte — ich bin auch blöde und fühle mich zu unfähig
— mit lieblichen Mädchen —
Sage lieber — mir gefällt es nicht, mit Mädchen zu schäckern —
„Dann sagt ich eine Lüge — mir gefällst du recht sehr! —“
So? Du überraschest mich mit diesen Geständnisse und zeigst eine große
Anlage unsern Modisten an Schmeichelein bald gleichzukommen.
„Nicht doch! Ich denke wie ich spreche —“
Und schmeichelst wie du sprichst.
„Der Bescheidne nimmt Lob für Schmeichelei.
Das thust du!
„Ich? Du scherzest mit meiner Unerfahrenheit, und machtest mich schon bei
der Gesellschaft verlegen.“
Das ist mir recht leid — ich sah aber nichts weniger als Verlegenheit in deinen
Antworten. —
„Ich bin vom Lande —“
So? hat das Land nichts Liebenswürdiges?
„O ja! — mich entzückt eine blühende Rosenflur — ein Schattenwäldchen —
ein murmelnder Kieselbach —“
O wer spricht von dem?
„So verstehe ich dich nicht!“
Weil du nicht willst —
Salassin blickt sie forschend an — sie lächelt und wirft ihm einen
schmachtenden Blick zu —
„Vergieb — ich bin nicht fein —“
Das find ich eben nicht. —
„Und ungalant —“
Das gefällt mir.
„Und schüchtern gegen süsse Mädchen —“
Das läst sehr hübsch.
„Vergieb — wenn dich meine Gesellschaft nicht wohl ergötzen kann, wie —“
Soll ich mich entfernen?
„O das meint ich nicht!“
Du bist vielleicht lieber einsam?
„So wollen wir zur Gesellschaft —“
O warum willst du das?
„Du versäumst“
(sie kickert und schielt zärtlich durch den Fächer nach ihn)
Salassin verstummt — sie rükt näher an ihn — er wird verwirrt — sie
schmiegt sich liebvoll an ihn — er zittert und rieß sich gern los —
Salassin! ruft eine Stimme: beide fahren erschrocken auseinander — Sebald
tritt in die Laube.
Ach! ich wollte nicht stöhren — die Gesellschaft wartet im Tanzsaale — man
fragte —
„So müssen wir dahin! — sprach Salassin, und schöpfte freier Athem.
Wellmine gieng verstört an seinem Arme — Sie kamen in den Saal. Die Musik hallte entgegen, und die Tänzerreihen waren schon geordnet.
Sie doch — Wellmine kirrt den rüstigen Landjüngling schon wieder! — rief
eine Dame ihrem Tänzer zu.
Warum er nur mit Wellminen so vertraulich ist — dachte eine Andere.
Ich glaube, er fände würdigere Gesellschafterinnen! — sagte eine Dritte.
Er mag eben nicht besondern Geschmak haben — eine Vierte.
Wenn er doch mit mir auch tanzte! meinte ein genügsameres Mädchen —
Wellmine ist verblüft in den Fremdling! Eine sechste.
Mir gefällt sein Freund besser — flüsterte die Eine — er ist nicht so kalt —
Der müht sich mehr um mich! — Die 2te.
Wie herrlich er durch den Saal schwebt! — Eine 3te.
Wellmine hängt sich doch an jeden an — sagte wieder Eine.
Er ist so stolz — und lächelt uns höchstens ein bischen freundlich an! — Die
2te.
So flüsterten und wischperten die Mädchen unter einander, und hefteten die
Blicke unwillkührlich auf Salassin. Er wechselte mit Tänzerinnen — Ach! nun
nimmt er doch einmal eine Andere! — fieng Eine wieder an —
Nun wird mich die Reihe vielleicht doch auch treffen — Eine 2te.
Wie göttlich es sich mit ihm tanzt! — Eine 3te.
Sebald walzte mit Wellminen.
Hm! rümpfte die Eine ihr Näschen — um die zerrt sich doch Jeder!
Die nimmt uns die schönsten Tänzer! —
Muß denn die grade mit den Beiden zuerst walzen? —
Die Beiden sind vernarrt in Wellminen! —
Sie weiß sich zu drehn und zu wenden!
Sie muß sich doch auch einmal entschädigen, die Hungrige!
Und so gab jede ihr Schärflein von Mißgunst. Der Ball war aus, und die
Mädchen klagten nun nimmer über die neuen Tänzer, die so galant waren und
mit allen wechselten.
Salassin und Sebald empfahlen sich ihren Tänzerinnen — Wellmine drückte
Salassin feurig die Hand, und geleitete ihn an die Thüre.
Hm! seht sie — wie sie um ihn sich dreht!
Die hat sich vergaft!
Sie ist eine Klette, die überall hängen bleibt!
Hm! er soll das Wetterhänchen nur erst kennen! —
So wetteiferten die Züngelchen der andern Mädchen — die sich allmählig zur
Ruhe schliechen — ein Traum umschwebte Alle — die neuen Tänzer. —
Salassin und Sebald schliefen ruhig.