Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte

Sechstes Kapitel. Der Zurückzug der Sieger.

Sechstes Kapitel.

Der Zurückzug der Sieger.

 

Wir lassen sie hier indessen sich rüsten zur Abreise von Wallingau, und

kehren in das Lager der tapfern Kämpfer. Haben wir doch Salassin schon lange

nicht begleitet. Was macht er? Sind seine Wunden geheilt? Ist er wirklich fort

von dem Heere in ein andres Land, oder hat ihn die Bedenkzeit, so ihm der

Kaiser gab, zum bessern Entschlusse gestimmt?

Das sind zu viele Fragen auf einmal meine Leser! Ich will erst Athem

schöpfen und dann antworten.

Salassin ist noch im Lager. Seine körperlichen Wunden sind vernarbt, und

schmücken die hohe Stirne; aber — mit seinem Herzen ist er noch immer im

Kampf, wo er sich selber noch manche neue Wunde schlägt.

Seine unvertilgliche Liebe zu Lolly und seine nicht minder starke

Freundschaft für Sebald, den er mit seiner eignen Aufopferung mit Lolly

glücklich wissen will, trieben ihn durch die gefährlichsten Reihen Soldaten in

die Schlacht, wo der Tod alle seine Kraft verstürmte.

Anfangs der erwähnten großen Schlacht stritt er — das muß ich zu seinem

Anlobe gestehen — nicht sowohl aus Vaterlandsliebe so tapfer und entschlossen,

er suchte den Tod und Ruhe für den Sturm seines Innern zu finden; aber der

gefoderte Tod maß sich mit Salassin nicht. Als er aber von der Gefahr des

Kaisers benachrichtigt wurde, vergaß er seinen Wunsch, und das Wohl des

Vaterlands schwebte ihm hängend an einem Haare vor seiner Seele. Hier focht er

ein rasender Roland, für seine Pflicht, und ward durch den herrlichsten Sieg

durch den glänzendesten Ruhm belohnt, daß man nur ihm die Rettung des

Monarchen verdankte.

Kaum hatten die gänzlich geschwächten Feinde demüthig, und mit

unendlichem Verluste um Friede gebeten, kaum waren die Gesandten aus dem

Zelte des Kaisers zurück mit dem abgeschlossenem Friedenskontrakt in ihr

Land, als Salassin den Monarchen, mit der jenen unerwarteten Bitte um

Entlassung vom Heere sich meldete.

Warum? — fragte ihn verwundernd der erlauchte Monarch, und Salassin

konnte nur schwache Gründe entgegensetzen. Als die Stunden die ihm zur

Ueberlegung überlassen waren, verschwunden, und Salassin wieder im

kaiserlichen Zelte um seine Entlassung bat, begann der Kaiser:

„Wohlan! Da beharrest bei deinem Entschlusse?“

Salassin stand erschüttert, unentschlossen ob er gehen solle oder nicht. Der

Monarch fuhr fort:

Du bist entlassen.

Salassin fühlte die Bitterkeit dieser kurzen Rede, er wankte, aber bei der

Erinnerung an seine Freunde, stand Sebald und Lolly vor ihm, und — er

taumelte unwillkührlich aus dem Zelte.

„Verweile noch! — sprach der Kaiser: Salassin! Noch eins! Eh du das Lager

verläßt.

Mein Monarch! — rief Salassin niedergedonnert, und sank vor der Majestät

nieder —

Wenn es dich so viel kostet, in deinem Vaterlande auf den Lorbern des

belohnten Ruhms zu ruhen, wenn es vielleicht dein eigen Wohl gälte — dann

fodre ichs nicht. Aber nur einen Tag genüsse die Früchte des Friedens in der

Residenzstadt, dann geh du hin, wohin jenes Gewitter deines Innern dich jagt, so

du für gut findest mir zu verbergen.

Salassin begab sich verwirrt in sein Zelt.

Der zum Aufbruch bestimmte Tag dämmerte, und das Heer brach unter

wiederhallenden Musiken das Lager ab. In wenigen Tagen glänzten die

vergoldeten Thurmspitzen der Residenzstadt den Siegern in die Augen, auf viele

Meilen kam das Volk laut frohlockend entgegen, und begleitete sie in die

wimmelnde Stadt.