Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte

Fünfzehntes Kapitel. Trennung.

Fünfzehntes Kapitel.

Trennung.

 

Graf Welly entschloß sich endlich die Stadt zu verlassen, um bald zu seiner um

ihn bangenden Gattin nach Hause zu kommen.

Mein Sohn! — sprach er — Lebe nun wohl! Die Stunde der Trennung schlägt!

Wandle fort den graden Weg zum Ziele, laß dich nie auf Schleichwege leiten.

Mein Tellmann übernimmt nun Vaterstelle, und wird väterlich dich lieben. Du

wohnst bei ihm und bleibst mit Sebalden unzertrennlich. Werdet der Liebe der

Edlen werth! Wenn dein Bewustseyn dir sagen wird, du hast deine Pflicht

gethan, dann komm zurück in deines Vaters Arme, an deiner Mutter Herz, die

Freude unsers Alters, unser Trost wirst du seyn. Nun leb wohl!

Er sprachs und umarmte mit väterlicher Innigkeit seinen Sohn, gab ihm den

Abschiedskus, und wand sich an den Freund und Fürsten Tellmann.

„Freund! Hier geb ich dir meinen Sohn — ich gebe dir mein Alles. Sey ihm

Vater und Freund, leite ihn — bleibe mein Tellmann —“

Sie umarmten sich gerührt. Itzo wand sich Sebald zu dem Grafen, und sagte

mit bewegter Stimme: Du hast meine Mutter und mich so menschenfreundlich

gerettet, hast uns entrissen dem Elend und in einen Himmel uns versezt —

erlaube daß ich dir noch einmal mit dankdurchdrungenem Herzen danke — Ich

will dich verehren; Salassin als meinen Bruder lieben, uns trennt in Leiden und

Freuden nur der Augenblick, der die Sterblichen trennt. — Sie schlossen sich

bewegt in die Arme.

Sebalds Mutter konnte nichts sprechen, aber ihre Miene, die halben Worte, die

sie mühvoll dem hemmenden Gefühle abzwang, die nassen Wangen waren das

unverkennbare Gepräge des reinsten Dankes, der in schönen Worten nicht

glänzt.

Sie schieden von tiefer Rührung durchschauert — Der Vater vom Sohne, der

Freund vom Freunde — der Sohn vom Vater, und die Zurückgebliebenen sahen

mit gesenktem Blicke der fortrollenden Kutsche nach, und geleiteten ihn mit

ihren Wünschen. —

Wie in einem Traume stand Salassin, die Seele von einem

Empfindungsgemisch durchwallt. Er dachte — Mein Vater ist glücklicher als

ich! Er wird Lolly bald wieder sehen! —

Sebald und Salassin ketteten sich immer fester an sich, und machten den Plan

zum neuen Stadtleben.