Guirlanden um die Urnen der Zukunft, eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte

Zweites Kapitel. Graf von Wallingau.

Zweites Kapitel.

Graf von Wallingau.

 

Nicht Erbrecht, nicht Geburt, der Geist

macht groß und klein.

 

H a g e d o r n .

 

Edle Thaten, Verdienst um das Wohl der Nation, oder Erfindungen, welche den

Menschen nützen, und sie erhöhen, adeln den Bürger des Staats. Er sey der Sohn

eines Fürsten oder eines Ackermanns.

Der erfahrneste, weiseste Mann ist der Kaiser Germaniens; gleich verdient um

sein Vaterland durch mannigfaltige Kenntnisse, Geistes und Herzenstugenden,

als auch berühmt durch erhabne Handlungen um das Wohl des

Menschengeschlechtes. Ausgezeichnete Vorzüge, alle gemein erkannte

Ueberlegenheit an den trefflichsten Eigenschaften über alle, machen ihn des

Thrones würdig.

Der Bürger, der gleichfalls nur durch moralische Vorzüge, und ohne diesen

unedel war, und sollte er des Goldes vollauf haben, lebte froh und ungestört im

Genuße der Früchte seiner Thätigkeit; häuslich und voll der Liebe, voll der

innigen Verehrung seines Kaisers, der ein Vater aller war, lebte er begeistert vom

Gefühl des Friedens im Ueberfluß.

Unter so manchen Biedermännern gab es einen gewissen Grafen von

Wallingau, der Edelsten einer die Germaniens Boden trug.

Sein Vater war ein Landmann gewesen, stark und schlicht, wie sein Pflug, mit

dem er sein Brod baute; herzensgut und redlich. Sein ungemeiner Fleiß erwarb

ihm ein großes Vermögen, das ohngeachtet seiner Mildthätigkeit die oft sogar an

Verschwendung gränzte, immer grösser wuchs, und nach seinem Tode dem

einzigen Sohne Welly zufiel, der seinem kindlich betrauerten Vater nacheifernd

Herzensgüte mit Talent, Seelenstärke mit Eifer und Thätigkeit vereinte, um so

seinem Vaterlande Ehre und Vergnügen zu machen.

Anfangs blieb auch Welly bei dem Geschäfte, des Ackerbaus. Die Natur seine

stäte Führerinn, hatte den Drang zu Wissenschaften in sein Herz gelegt, der

immer stärker und endlich zum Bedürfnisse ward, das Befriedigung heischte.

Die Naturgeschichte war unter vielen andern Gegenständen, welche die

treffliche Einrichtung des Staats jeglichem Gliede zur Kenntniß ans Herz legte,

sein Lieblingsstudium. Das von seinem Vater ererbte Vermögen sezte ihn in den

Stand seine Wißbegierde auf Reisen zu sättigen. Er durchzog einige Jahre lang

im Vaterlande und den angränzenden Reichen die Fluren der Gelehrsamkeit, sog

überall den Honig aus den Blumen, und kam ein geschikter Physiker in seine

heimischen Auen zurük, wo er rastlos seinem Fache oblag und es darinn soweit

brachte, daß er in einem Raum von acht Jahren durch unermüdetes Forschen und

Streben verschiedene nützliche Maschienen erfand. Dies, und Wellys geschäzte

Eigenschaften überhaupt, vorzüglich seine Verdienste um die Armen, denen er

oft im größten Frost, Holz, Speise und Kleider und Geld trug, wurden denn auch

belohnt, da überall Gerechtigkeit in der Belohnung des Verdienstes und

Aufmunterungseifer die ganze Nation beseelte.

Eben war durch den Tod des Besitzers die Grafschaft Wallingau leer. Welly

ward als Kandidat vorgeschlagen, und da seine Verdienste grösser und edler als

jene aller andern Kandidaten waren, so entschied für Welly der Kaiser, und

Welly ward Graf von Wallingau.