Heinrich von Kleist's politische Schriften und andere Nachträge zu seinen Werken

3. Schreiben eines Burgemeisters in einer Festung an einen Unterbeamten.

Inzwischen wünscht Hr. v. Lefat, daß die Anstalten dazu, auf die meine gute

Mutter bereits in zärtlichen Augenblicken denkt, nicht eher auf entscheidende

Weise gemacht werden, als bis Sie die Güte gehabt haben ihm das Legat zu

überantworten, das mir aus der Erbschaft meines Großvaters bei dem Tode

desselben zufiel, und Sie, als mein Vormund bis heute gefälligst verwalteten. Da

ich großjährig bin, so wird diesem Wunsch nichts im Wege stehn, und indem ich

es mit meiner zärtlichsten Bitte unterstütze, und auf die schleunige Erfüllung

desselben antrage, indem sonst die unangenehmste Verzögerung davon die Folge

sein würde, nenne ich mich mit der innigsten Hochachtung und Liebe u. s. w.

 

3. Schreiben eines Burgemeisters in einer Festung an einen Unterbeamten.

 

Sr. Excellenz der Hr. Generallieutenant von F., Commendant der hiesigen

Garnison, haben sich auf die Nachricht, daß der Feind nur noch drey Meilen von

der Festung stehe, auf das Rathhaus verfügt, und daselbst, in Begleitung eines

starken Detaschements von Dragonern, 3000 Pechkränze verlangt, um die

Vorstädte, die das Glacis embarrassiren, danieder zu brennen.

Der Rath der Stadt, der unter solchen Umständen das Ruhmvolle dieses

Entschlusses einsah, hat, nach Abführung einiger renitirenden Mitglieder, die

Sache in pleno erwogen, und mit einer Majorität von 3 gegen 2 Stimmen, wobei

meine wie gewöhnlich für 2 galt, und Sr. Excellenz die 3 supplirten, die

verlangten Pechkränze ohne Bedenken bewilligt. Inzwischen ist nun die Frage,

und wir geben Euch auf Euch gutachtlich darüber auszulassen,

1. Wie viel an Pech und Schwefel, als den dazu gehörigen Materialien, zur

Fabrication von 3000 Pechkränzen erforderlich sind; und

2. ob die genannten Combustibeln in der berechneten Menge zur gehörigen

Zeit herbeizuschaffen sind?

Unseres Wissens liegt ein großer Vorrath von Pech und Schwefel bei dem

Kaufmann M. in der N..schen Vorstadt, P..sche Gasse Num. 139.

Inzwischen ist dies ein auf Bestellung der Dänischen Regierung aufgehäufter

Vorrath, und wir besitzen bereits, in Relation wie wir mit derselben stehen, den

Auftrag dem Kaufmann M. den Marktpreis davon mit 3000 fl. zuzufertigen.

Indem wir Euch nun, diesem Auftrage gemäß, die besagte Summe für den

Kaufmann M. in guten Landespapieren, demselben auch sechs Wägen oder mehr

und Pässe, und was immer zur ungesäumten Abführung der Ingredienzen an den

Hafen-Platz erforderlich sein mag,[42] bewilligen, beschließen wir zwar von

diesem Eigenthum der Dänischen Regierung Behufs einer Niederbrennung der

Vorstädte keine Notiz zu nehmen; indessen habt Ihr das gesammte Personale der untern Polizeibeamten zusammenzunehmen, und alle Gewölbe und Läden der