Heinrich von Kleist's politische Schriften und andere Nachträge zu seinen Werken
4. Der Griffel Gottes. (5. October.)
Ahnen mit heraus gebracht. Er ließ mit der Zeit den goldenen Griff
einschmelzen, und ward so reich davon, daß ihm der Brautvater seine Geliebte
ohne Bedenken antrauen ließ. Mit der ungeheuren Klinge aber wußten sie nichts
bessers anzufangen, als daß sie Wirthschafts- und andere Geräthschaften, so viel
sich thun ließ, daraus schmieden ließen.
M. F.
4. Der Griffel Gottes.
(5. October.)
In Polen war eine Gräfinn von P...., eine bejahrte Dame, die ein sehr bösartiges
Leben führte, und besonders ihre Untergebenen, durch ihren Geiz und ihre
Grausamkeit, bis auf das Blut quälte. Diese Dame, als sie starb, vermachte einem
Kloster, das ihr die Absolution ertheilt hatte, ihr Vermögen; wofür ihr das
Kloster, auf dem Gottesacker, einen kostbaren, aus Erz gegossenen, Leichenstein
setzen ließ, auf welchem dieses Umstandes, mit vielem Gepränge, Erwähnung
geschehen war. Tags darauf schlug der Blitz, das Erz schmelzend, über dem
Leichenstein ein, und ließ nichts, als eine Anzahl von Buchstaben stehen, die,
zusammen gelesen, also lauteten: sie ist gerichtet! — Der Vorfall (die
Schriftgelehrten mögen ihn erklären) ist gegründet; der Leichenstein existirt
noch, und es leben Männer in dieser Stadt, die ihn sammt der besagten Inschrift
gesehen.
5. Muthwille des Himmels.
Eine Anekdote.
(10. October.)
Der in Frankfurt an der Oder, wo er ein Infanterie-Regiment besaß, verstorbene
General Dieringshofen, ein Mann von strengem und rechtschaffenem Charakter,
aber dabei von manchen Eigenthümlichkeiten und Wunderlichkeiten, äußerte, als
er, in spätem Alter, an einer langwierigen Krankheit, auf den Tod darniederlag,
seinen Widerwillen, unter die Hände der Leichenwäscherinnen zu fallen. Er
befahl bestimmt, daß niemand, ohne Ausnahme, seinen Leib berühren solle; daß
er ganz und gar in dem Zustand, in welchem er sterben würde, mit Nachtmütze,
Hosen und Schlafrock, wie er sie trage, in den Sarg gelegt und begraben sein
wolle; und bat den damaligen Feldprediger seines Regiments, Herrn P..., welcher der Freund seines Hauses war, die Sorge für die Vollstreckung dieses seines