Heinrich von Kleist's politische Schriften und andere Nachträge zu seinen Werken

7. Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken. Eine Anekdote. (19. October.)

fragte: was er wolle? zog er sich die Hosen ab, und sprach: sie mögten ihn in den

... schießen, damit das F.. kein L... bekäme. — Wobei man noch die

Shakespearsche Eigenschaft bemerken muß, daß der Tambour mit seinem Witz,

aus seiner Sphäre als Trommelschläger nicht herausging.

 

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7. Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken.

Eine Anekdote.

(19. October.)

 

Ein Soldat vom ehemaligen Regiment Lignowski, ein heilloser und

unverbesserlicher Säufer, versprach nach unendlichen Schlägen, die er deshalb

bekam, daß er seine Aufführung bessern und sich des Brannteweins enthalten

wolle. Er hielt auch, in der That, Wort, während drei Tage: ward aber am Vierten

wieder besoffen in einem Rennstein gefunden, und, von einem Unterofficier, in

Arrest gebracht. Im Verhör befragte man ihn, warum er, seines Vorsatzes

uneingedenk sich von Neuem dem Laster des Trunks ergeben habe? „Herr

Hauptmann!“ antwortete er; „es ist nicht meine Schuld. Ich ging in Geschäften

eines Kaufmanns, mit einer Kiste Färbholz, über den Lustgarten; da läuteten

vom Dom herab die Glocken: Pommeranzen! Pommeranzen! Pommeranzen!“

Läut’, Teufel, läut, sprach ich, und gedachte meines Vorsatzes und trank nichts.

In der Königsstraße, wo ich die Kiste abgeben sollte, steh ich einen Augenblick,

um mich auszuruhen, vor dem Rathhaus still: da bimmelt es vom Thurm herab:

„Kümmel! Kümmel! Kümmel! — Kümmel! Kümmel! Kümmel!“ Ich sage zum

Thurm: bimmle du, daß die Wolken reißen — und gedenke, mein Seel, gedenke

meines Vorsatzes, ob ich gleich durstig war, und trinke nichts. Drauf führt mich

der Teufel, auf dem Rückweg, über den Spittelmarkt; und da ich eben vor einer

Kneipe, wo mehr denn dreißig Gäste beisammen waren, stehe, geht es, vom

Spittelthurm herab: „Anisette! Anisette! Anisette!“ Was kostet das Glas, frag’

ich? Der Wirth spricht: Sechs Pfennige. Geb’ er her, sag’ ich — und was weiter

aus mir geworden ist, das weiß ich nicht.

 

xyz.

 

8. Tages-Ereigniß.

(7. November.)