Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Alexej Remisow · Kapitel 20 von 42

PDF-Seiten

Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Affen

»Lieber Freund, führe mich fort von hier!« flehte sie mich an, und ihr gelber

Lackledergürtel knisterte.

Während sich ihr dunkelmattes Gesicht mit den riesengroßen grauen Augen

ohne Pupillen meinem Gesicht näherte, senkte sich von der Decke ein Netz so

fein wie Spinnweben langsam, aber sicher über mich: ich fühlte, wie ein

seidenes Vogelnetz über mich geworfen wurde. Und als die Augen meiner

Geliebten schon so nahe waren, daß sie zu einem einzigen grauen Auge

verschmolzen, berührte das Netz meinen Scheitel; im gleichen Augenblick drang

ein feiner, scharfgeschliffener Haken in mein lebendes Herz. Er hakte sich fest

und zog mich schon im nächsten Augenblick roh und blind über die Sascha und

den Tisch hinweg zur Decke empor.

 

Affen

 

Man hatte uns von allen Enden der Welt, aus Australien, Afrika und Südamerika,

zusammengetrieben, und ich, der Anführer der Schimpansen, mit dem aus

Eiderdaunen gewebten Gürtel um die Lenden, raufte mir die Haare und zerbrach

mir den Kopf, wie ich mich von den Ketten, mit denen man uns an Armen und

Beinen gefesselt hatte, befreien und in meine Heimat durchbrennen könnte; aber

es war schon zu spät. Man trieb uns über die neugepflügten Äcker auf das

Marsfeld, und nachdem wir wie Soldaten Aufstellung genommen hatten,

begannen Herolde in goldstrotzenden Uniformen mit Straußenfedern an den

Hüten, längs der Reihen hin- und herreitend, das Urteil zu verlesen.

Man beschuldigte uns Affen der maßlosen Unzucht, Bosheit, Faulheit,

Trunksucht und eines unausrottbaren Hanges zum Diebstahl; unter Anerkennung

unserer ungewöhnlichen angeborenen Anlagen zur Entwicklung und

Vervollkommnung verhängte man über uns die Anwendung der Geheimmittel

des Bologneser Universitätsprofessors Ritters Altenaar, des Nachkommen der

Wikinger von Grönland, Island und des Nördlichen Eismeeres.

Von blinder Mutterliebe und Empörung erfüllt, folgte ich der Exekution, die

nach all diesen närrischen Zeremonien begann: die gottlosen Menschen

durchbohrten uns zum Scherz mit Schusterahlen und bearbeiteten uns nachher

mit Eisenhämmern. Sie beschmierten einzelne von uns mit heißem flüssigem

Teer, befestigten das eine Ende eines in die Teermasse eingekneteten Strickes an

die Körper der Unglücklichen und das andere an das Kummet eines freien und

kräftigen Pferdes und ließen sie dann unter Schreien und Johlen der Menge so

lange über die Erde schleifen, bis die Opfer verendeten. Andern wiederum

steckten sie die Lippen sorgfältig mit Messingnadeln zusammen. Und noch viele andere Scherze wurden an uns zwecks Bändigung verübt.