Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Alexej Remisow · Kapitel 22 von 42

PDF-Seiten

Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Der Tatar

dem ich einen dicken Kleister kochen sollte.

 

Der Tatar

 

Ich stieg einen Turm auf einer steilen, ungewöhnlich schmalen Treppe hinauf.

Man hatte mir gesagt, daß ich nur die obere Plattform zu erreichen brauchte;

oben würde ich leicht den Eingang in den Himmel finden: dort würde eine

Wolke in Form einer Barke zu meinen Diensten bereitstehen, ich brauchte nur

einzusteigen und könnte dann fahren, wohin ich wollte.

Der Aufstieg dauerte unendlich lange, die Beine konnten mich kaum tragen,

und auch meine Geduld ging zu Ende; der Schädel schmerzte mir; ich nahm

mich aber doch zusammen und erreichte schließlich die Plattform. Und was

denken Sie? Es gab oben gar keine Wolke in Form einer Barke, dafür stand dort

ein Tatar, einer von denen, die mit alten Kleidern handeln; seine Arme reichten

aber bis zur Erde hinab. Ich wollte schon wieder hinuntersteigen — was sollte

ich denn oben? —, er packte mich aber am Kragen und hob mich mit seinen

langen Armen in die Höhe.

»Du ganz gemeiner Schmarotzer! Ebensowenig wie deine Ohren wirst du die

Wolke, die du wohl nur aus deinen Büchern kennst, zu Gesicht bekommen, noch

die Dinge, die jenseits der Wolke sind. Putz dir erst die Augen, die in allen

Dingen nur das Häßliche schauen, und dann bist du uns willkommen!«

Ehe ich ihm etwas entgegnen oder mich rechtfertigen konnte, begann der

Tatar mich langsam auf die Erde hinabzulassen. Und als bis zur Erde nichts mehr

übriggeblieben war, schlug ich mit der Nase hart am Boden auf und fiel in

warmen Kuhmist.

 

Der Traber

 

Petersburg stand in Flammen. An den Feuerwehrtürmen hing das Alarmsignal

für sämtliche Löschkommandos; sie konnten aber alle nichts ausrichten.

Petersburg brannte an allen Ecken und Enden.

Ich und noch ein Herr, der mich bei meinen nächtlichen Abenteuern zu

begleiten pflegte, verließen das Haus und fuhren ins Barackenlager. In den

Baracken bekamen wir ein riesengroßes Zimmer angewiesen, und hier stellte

sich heraus, daß wir gar nicht allein waren: in unserer Gesellschaft befand sich

unablässig ein bekannter russischer Dichter.