Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Alexej Remisow · Kapitel 26 von 42

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Prinzessin Mymra, Novellen und Träume

Die Tiere

mit mir mit, und so schaukelten wir über dem Abgründe.

Mein Herz verging und erstickte und stand endlich ganz still.

 

Die Tiere

 

Der stille Herbstregen, fein wie Staub, fällt im dichten Nebel. Ich weiß nicht,

wohin und wozu ich gehe und was mich treibt. Endlich bleibe ich vor dem

Stadttor stehen. Die Torhüter öffnen mir schweigend das Tor, und ich gerate in

eine schmale, von zwei hohen Mauern eingeschlossene Gasse. Männer und

Frauen, Körbe voll Brot auf den Köpfen, kommen mir entgegen. Wie ich mit

diesem seltsamen Zuge zusammentreffe, wende ich mich an einen der Männer

und sage:

»Gib mir eine Semmel.«

Er gab sie mir. Ich weiß aber nicht, ob ich die Semmel aufessen oder in die

Tasche stecken oder nach Hause tragen soll; ich weiß auch gar nicht, wohin ich

gehe.

»Die Tiere hat man herausgelassen! Die Tiere!« schrie irgendein Mann, an mir

vorbeilaufend, während die Fetzen eines zerrissenen roten Hemdes hinter seinen

Schultern wie zwei Flügel flatterten.

Und alle befiel eine furchtbare Angst, und diejenigen, die in meiner Nähe

waren, warfen ihre Brotkörbe hin und rannten davon.

Und dieser schreckliche Schrei! . . . Es wurde mir klar, daß es mein eigener

Schrei war.

Die Tiere, anfangs kaum wahrnehmbar, dann immer drohender, rückten heran.

Das Fell auf den schwarzen und rauchgrauen Rücken sträubte sich, die

grellgelben Flecken an den Bäuchen schimmerten in fettigem Glanz. Ich stand

allein, rings von den vielen roten offenen Rachen umgeben; die roten Zungen

bewegten sich in ihnen wie Uhrpendel.

»Tiere, da habt ihr die Semmel!«

Kaum hatte ich aber diese Worte: ›Tiere, da habt ihr die Semmel‹ gesprochen,

als alle Tiere, die großen und die kleinen, die grauen und die schwarzen, die

einohrigen und die einzahnigen, die stößigen und die bissigen, ihre Pfoten

einzogen und in Schlummer versanken.

 

Unter Nackten Ich war in eine Gesellschaft von Nackten geraten: sie laufen so ganz ohne jede