Prinzessin Mymra, Novellen und Träume
Die Tiere
mit mir mit, und so schaukelten wir über dem Abgründe.
Mein Herz verging und erstickte und stand endlich ganz still.
Die Tiere
Der stille Herbstregen, fein wie Staub, fällt im dichten Nebel. Ich weiß nicht,
wohin und wozu ich gehe und was mich treibt. Endlich bleibe ich vor dem
Stadttor stehen. Die Torhüter öffnen mir schweigend das Tor, und ich gerate in
eine schmale, von zwei hohen Mauern eingeschlossene Gasse. Männer und
Frauen, Körbe voll Brot auf den Köpfen, kommen mir entgegen. Wie ich mit
diesem seltsamen Zuge zusammentreffe, wende ich mich an einen der Männer
und sage:
»Gib mir eine Semmel.«
Er gab sie mir. Ich weiß aber nicht, ob ich die Semmel aufessen oder in die
Tasche stecken oder nach Hause tragen soll; ich weiß auch gar nicht, wohin ich
gehe.
»Die Tiere hat man herausgelassen! Die Tiere!« schrie irgendein Mann, an mir
vorbeilaufend, während die Fetzen eines zerrissenen roten Hemdes hinter seinen
Schultern wie zwei Flügel flatterten.
Und alle befiel eine furchtbare Angst, und diejenigen, die in meiner Nähe
waren, warfen ihre Brotkörbe hin und rannten davon.
Und dieser schreckliche Schrei! . . . Es wurde mir klar, daß es mein eigener
Schrei war.
Die Tiere, anfangs kaum wahrnehmbar, dann immer drohender, rückten heran.
Das Fell auf den schwarzen und rauchgrauen Rücken sträubte sich, die
grellgelben Flecken an den Bäuchen schimmerten in fettigem Glanz. Ich stand
allein, rings von den vielen roten offenen Rachen umgeben; die roten Zungen
bewegten sich in ihnen wie Uhrpendel.
»Tiere, da habt ihr die Semmel!«
Kaum hatte ich aber diese Worte: ›Tiere, da habt ihr die Semmel‹ gesprochen,
als alle Tiere, die großen und die kleinen, die grauen und die schwarzen, die
einohrigen und die einzahnigen, die stößigen und die bissigen, ihre Pfoten
einzogen und in Schlummer versanken.
Unter Nackten Ich war in eine Gesellschaft von Nackten geraten: sie laufen so ganz ohne jede