Prinzessin Mymra, Novellen und Träume
Unter dem Bett
Ich liege im leeren Zimmer und fühle, daß sich unter dem Bett etwas aufrichtet,
umwendet und wieder still wird. Ich spitze die Ohren und horche: die Pfoten
knacken, etwas Rauhes kriecht über den Boden, es stößt wohl an meine Stiefel,
wendet wieder um, es holt Atem und kriecht weiter.
Ich liege da, ich rühre mich nicht, und ich weiß, daß es schon ganz nahe ist:
gleich macht es einen Bogen um den Stuhl, nimmt mich aufs Korn und springt
mit einem Satz auf mich herauf.
Die Maus
Im Hause haben sich Mäuse eingenistet und trippeln umher. Ich lauerte einem
Mäuschen auf und packte es beim Schwanz. Es biß mich augenblicklich in den
Finger. An der Stelle, wo es mich gebissen hatte, wuchsen mir lange Haare. Ich
ließ die Maus los, sie fiel zu Boden, setzte sich und lief gar nicht fort.
»Wie kann man nur so!? Man muß es vorsichtig machen und sie durch
Liebkosungen zu gewinnen suchen!«
Ich ergriff sie vorsichtig am Pfötchen, streichelte ihr den Rücken, sie aber
sprang mir an den Hals, beschnupperte mich und bewegte ihren Schnurrbart.
Makkaroni
Wir standen am Rande des Kraters. Der Lange, der seit so vielen Monaten nicht
von mir weicht und mir fortwährend allerlei Dummheiten erzählt, sprang, ohne
sich die Lippen abzulecken, glatt hinüber, ich aber stürzte hinein. Mit
unendlicher Mühe, mich im Finstern an die Kleiderhaken festklammernd,
klettere ich an die Oberfläche. Der Lange ruft mir aber zu:
»Komm schneller heraus. Sonst werden die Makkaroni, die ich gekocht habe,
kalt. Gesalzen sind sie auch schon!«
Scher dich zum Teufel mit deinen Makkaroni! Die Finsternis ätzt mir die
Augen. Wenn ich doch nur herauskriechen könnte . . .
Der Sieger
Eine rote, glühende, mit dünner Asche bedeckte Steppe. Zwei rote, kräftige
Kämpfer haben sich in verzweifeltem Ringen umfaßt. Und der, der älter aussah und dessen Körper gebräunter war, blieb Sieger. Ich stürzte zu diesem Sieger