Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Thomas Mann · Kapitel 11 von 39

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Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Kapitel XIII

Stimme:

»Hast Du Herrn Friedemann um seine Gegenwart bei unserer kleinen

Zusammenkunft gebeten, meine Liebe? Wenn es Dir angenehm ist, so denke ich,

dass wir sie in acht Tagen veranstalten. Ich hoffe, dass das Wetter sich halten

wird, und dass wir uns auch im Garten aufhalten können.«

»Wie Du meinst,« antwortete Frau von Rinnlingen und blickte an ihm

vorbei.

Zwei Minuten später empfahl sich Herr Friedemann. Als er sich an der Thür

noch einmal verbeugte, begegnete er ihren Augen, die ohne Ausdruck auf ihm

ruhten.

 

XIII.

 

Er ging fort, er ging nicht zur Stadt zurück, sondern schlug, ohne es zu

wollen, einen Weg ein, der von der Allee abzweigte und zu dem ehemaligen

Festungswall am Flusse führte. Es gab dort wohlgepflegte Anlagen, schattige

Wege und Bänke.

Er ging schnell und besinnungslos, ohne aufzublicken. Es war ihm

unerträglich heiss, und er fühlte, wie die Flammen in ihm auf und nieder

schlugen, und wie es in seinem müden Kopfe unerbittlich pochte ...

Lag noch immer nicht ihr Blick auf ihm? Aber nicht wie zuletzt, leer und

ohne Ausdruck, sondern wie vorher, mit dieser zitternden Grausamkeit, nachdem

sie eben noch in jener seltsam stillen Art zu ihm gesprochen hatte? Ach, ergötzte

es sie, ihn hilflos zu machen und ausser sich zu bringen? Konnte sie, wenn sie

ihn durchschaute, nicht ein wenig Mitleid mit ihm haben?...

Er war unten am Flusse entlang gegangen, neben dem grün bewachsenen

Walle hin, und er setzte sich auf eine Bank, die von Jasmingebüsch im Halbkreis

umgeben war. Rings war alles voll süssen, schwülen Duftes. Vor ihm brütete die

Sonne auf dem zitternden Wasser.

Wie müde und abgehetzt er sich fühlte, und wie doch alles in ihm in

qualvollem Aufruhr war! War es nicht das beste, noch einmal um sich zu blicken

und dann hinunter in das stille Wasser zu gehen, um nach einem kurzen Leiden

befreit und hinübergerettet zu sein in die Ruhe? Ach, Ruhe, Ruhe war es ja, was

er wollte! Aber nicht die Ruhe im leeren und tauben Nichts, sondern ein

sanftbesonnter Friede, erfüllt von guten, stillen Gedanken.

Seine ganze zärtliche Liebe zum Leben durchzitterte ihn in diesem

Augenblick und die tiefe Sehnsucht nach seinem verlorenen Glück. Aber dann blickte er um sich in die schweigende, unendlich gleichgültige Ruhe der Natur,