Der kleine Herr Friedemann: Novellen
Kapitel XIII
Stimme:
»Hast Du Herrn Friedemann um seine Gegenwart bei unserer kleinen
Zusammenkunft gebeten, meine Liebe? Wenn es Dir angenehm ist, so denke ich,
dass wir sie in acht Tagen veranstalten. Ich hoffe, dass das Wetter sich halten
wird, und dass wir uns auch im Garten aufhalten können.«
»Wie Du meinst,« antwortete Frau von Rinnlingen und blickte an ihm
vorbei.
Zwei Minuten später empfahl sich Herr Friedemann. Als er sich an der Thür
noch einmal verbeugte, begegnete er ihren Augen, die ohne Ausdruck auf ihm
ruhten.
XIII.
Er ging fort, er ging nicht zur Stadt zurück, sondern schlug, ohne es zu
wollen, einen Weg ein, der von der Allee abzweigte und zu dem ehemaligen
Festungswall am Flusse führte. Es gab dort wohlgepflegte Anlagen, schattige
Wege und Bänke.
Er ging schnell und besinnungslos, ohne aufzublicken. Es war ihm
unerträglich heiss, und er fühlte, wie die Flammen in ihm auf und nieder
schlugen, und wie es in seinem müden Kopfe unerbittlich pochte ...
Lag noch immer nicht ihr Blick auf ihm? Aber nicht wie zuletzt, leer und
ohne Ausdruck, sondern wie vorher, mit dieser zitternden Grausamkeit, nachdem
sie eben noch in jener seltsam stillen Art zu ihm gesprochen hatte? Ach, ergötzte
es sie, ihn hilflos zu machen und ausser sich zu bringen? Konnte sie, wenn sie
ihn durchschaute, nicht ein wenig Mitleid mit ihm haben?...
Er war unten am Flusse entlang gegangen, neben dem grün bewachsenen
Walle hin, und er setzte sich auf eine Bank, die von Jasmingebüsch im Halbkreis
umgeben war. Rings war alles voll süssen, schwülen Duftes. Vor ihm brütete die
Sonne auf dem zitternden Wasser.
Wie müde und abgehetzt er sich fühlte, und wie doch alles in ihm in
qualvollem Aufruhr war! War es nicht das beste, noch einmal um sich zu blicken
und dann hinunter in das stille Wasser zu gehen, um nach einem kurzen Leiden
befreit und hinübergerettet zu sein in die Ruhe? Ach, Ruhe, Ruhe war es ja, was
er wollte! Aber nicht die Ruhe im leeren und tauben Nichts, sondern ein
sanftbesonnter Friede, erfüllt von guten, stillen Gedanken.
Seine ganze zärtliche Liebe zum Leben durchzitterte ihn in diesem
Augenblick und die tiefe Sehnsucht nach seinem verlorenen Glück. Aber dann blickte er um sich in die schweigende, unendlich gleichgültige Ruhe der Natur,