Der kleine Herr Friedemann: Novellen
Kapitel V
nicht schlecht, dünkt mich ...«
Mein Vater blies den Rauch von sich, setzte sich im Sessel zurecht und sagte
kurz:
– »Das alles ist Clownerie und Blague. Im übrigen kann man, wie billig, ihn
selbst ja nach seinen Wünschen fragen.«
Nun, was sollte wohl ich für Wünsche haben? Die Aussicht auf Veränderung
meines äusseren Lebens wirkte durchaus erheiternd auf mich, ich erklärte mich
ernsten Angesichtes bereit, die Schule zu verlassen, um Kaufmann zu werden,
und trat in das grosse Holzgeschäft des Herrn Schlievogt, unten am Fluss, als
Lehrling ein.
V.
Die Veränderung war ganz äusserlich, das versteht sich. Mein Interesse für
das grosse Holzgeschäft des Herrn Schlievogt war ungemein geringfügig, und
ich sass auf meinem Drehsessel unter der Gasflamme in dem engen und dunklen
Comptoir so fremd und abwesend wie ehemals auf der Schulbank. Ich hatte
weniger Sorgen nunmehr; darin bestand der Unterschied.
Herr Schlievogt, ein beleibter Mensch mit rotem Gesicht und grauem, hartem
Schifferbart, kümmerte sich wenig um mich, da er sich meistens in der
Sägemühle aufhielt, die ziemlich weit von Comptoir und Lagerplatz entfernt lag,
und die Angestellten des Geschäftes behandelten mich mit Respekt. In
freundschaftlichem Verkehr stand ich nur mit einem von ihnen, einem begabten
und vergnügten jungen Menschen aus guter Familie, den ich auf der Schule
bereits gekannt hatte, und der übrigens Schilling hiess. Er moquierte sich gleich
mir über alle Welt, legte jedoch nebenher ein eifriges Interesse für den
Holzhandel an den Tag und verfehlte an keinem Tage, den bestimmten Vorsatz
zu äussern, auf irgend eine Weise ein reicher Mann zu werden.
Ich meinesteils erledigte mechanisch meine notwendigen Angelegenheiten,
um im übrigen auf dem Lagerplatz zwischen den Bretterstapeln und den
Arbeitern umherzuschlendern, durch das hohe Holzgitter den Fluss zu
betrachten, an dem dann und wann ein Güterzug vorüber rollte, und dabei an
eine Theateraufführung oder an ein Konzert zu denken, dem ich beigewohnt,
oder an ein Buch, das ich gelesen.
Ich las viel, las alles, was mir erreichbar war, und meine Eindrucksfähigkeit
war gross. Jede dichterische Persönlichkeit verstand ich mit dem Gefühl, glaubte
in ihr mich selbst zu erkennen und dachte und empfand so lange in dem Stile eines Buches, bis ein neues seinen Einfluss auf mich ausgeübt hatte. In meinem