Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Thomas Mann · Kapitel 26 von 39

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Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Kapitel V

nicht schlecht, dünkt mich ...«

Mein Vater blies den Rauch von sich, setzte sich im Sessel zurecht und sagte

kurz:

– »Das alles ist Clownerie und Blague. Im übrigen kann man, wie billig, ihn

selbst ja nach seinen Wünschen fragen.«

Nun, was sollte wohl ich für Wünsche haben? Die Aussicht auf Veränderung

meines äusseren Lebens wirkte durchaus erheiternd auf mich, ich erklärte mich

ernsten Angesichtes bereit, die Schule zu verlassen, um Kaufmann zu werden,

und trat in das grosse Holzgeschäft des Herrn Schlievogt, unten am Fluss, als

Lehrling ein.

 

V.

 

Die Veränderung war ganz äusserlich, das versteht sich. Mein Interesse für

das grosse Holzgeschäft des Herrn Schlievogt war ungemein geringfügig, und

ich sass auf meinem Drehsessel unter der Gasflamme in dem engen und dunklen

Comptoir so fremd und abwesend wie ehemals auf der Schulbank. Ich hatte

weniger Sorgen nunmehr; darin bestand der Unterschied.

Herr Schlievogt, ein beleibter Mensch mit rotem Gesicht und grauem, hartem

Schifferbart, kümmerte sich wenig um mich, da er sich meistens in der

Sägemühle aufhielt, die ziemlich weit von Comptoir und Lagerplatz entfernt lag,

und die Angestellten des Geschäftes behandelten mich mit Respekt. In

freundschaftlichem Verkehr stand ich nur mit einem von ihnen, einem begabten

und vergnügten jungen Menschen aus guter Familie, den ich auf der Schule

bereits gekannt hatte, und der übrigens Schilling hiess. Er moquierte sich gleich

mir über alle Welt, legte jedoch nebenher ein eifriges Interesse für den

Holzhandel an den Tag und verfehlte an keinem Tage, den bestimmten Vorsatz

zu äussern, auf irgend eine Weise ein reicher Mann zu werden.

Ich meinesteils erledigte mechanisch meine notwendigen Angelegenheiten,

um im übrigen auf dem Lagerplatz zwischen den Bretterstapeln und den

Arbeitern umherzuschlendern, durch das hohe Holzgitter den Fluss zu

betrachten, an dem dann und wann ein Güterzug vorüber rollte, und dabei an

eine Theateraufführung oder an ein Konzert zu denken, dem ich beigewohnt,

oder an ein Buch, das ich gelesen.

Ich las viel, las alles, was mir erreichbar war, und meine Eindrucksfähigkeit

war gross. Jede dichterische Persönlichkeit verstand ich mit dem Gefühl, glaubte

in ihr mich selbst zu erkennen und dachte und empfand so lange in dem Stile eines Buches, bis ein neues seinen Einfluss auf mich ausgeübt hatte. In meinem