Der kleine Herr Friedemann: Novellen
Der Tod.
Den 10. September.
Nun ist der Herbst da, und der Sommer wird nicht zurückkehren; niemals
werde ich ihn wiedersehen ...
Das Meer ist grau und still, und ein feiner, trauriger Regen geht hernieder.
Als ich das heute Morgen sah, habe ich vom Sommer Abschied genommen und
den Herbst begrüsst, meinen vierzigsten Herbst, der nun wirklich unerbittlich
heraufgezogen ist. Und unerbittlich wird er jenen Tag bringen, dessen Datum ich
manchmal leise vor mich hin spreche, mit einem Gefühl von Andacht und
stillem Grauen ...
Den 12. September.
Ich bin mit der kleinen Asuncion ein wenig spazieren gegangen. Sie ist eine
gute Begleiterin, die schweigt und manchmal nur gross und liebevoll die Augen
zu mir emporschlägt.
Wir sind den Strandweg nach Kronshafen gegangen, aber wir sind recht
zeitig wieder umgekehrt, bevor wir noch mehr als einen oder zwei Menschen
getroffen hatten.
Während wir zurückschritten, freute ich mich über den Anblick meines
Hauses. Wie gut ich es mir gewählt habe! Schlicht und grau blickt es von dem
Hügel, dessen Gras nun welk und feucht und dessen Weg aufgeweicht ist, über
das graue Meer hinaus. Auf der Rückseite führt die Chaussee vorbei, und
dahinter sind Felder. Aber darauf achte ich nicht; ich achte nur auf das Meer.
Den 15. September.
Dieses einsame Haus auf dem Hügel am Meere unter dem grauen Himmel ist wie ein düsteres, geheimnisvolles Märchen; und so will ich es haben in meinem