Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Thomas Mann · Kapitel 14 von 39

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Der kleine Herr Friedemann: Novellen

Der Tod.

 

Den 10. September.

 

Nun ist der Herbst da, und der Sommer wird nicht zurückkehren; niemals

werde ich ihn wiedersehen ...

Das Meer ist grau und still, und ein feiner, trauriger Regen geht hernieder.

Als ich das heute Morgen sah, habe ich vom Sommer Abschied genommen und

den Herbst begrüsst, meinen vierzigsten Herbst, der nun wirklich unerbittlich

heraufgezogen ist. Und unerbittlich wird er jenen Tag bringen, dessen Datum ich

manchmal leise vor mich hin spreche, mit einem Gefühl von Andacht und

stillem Grauen ...

 

Den 12. September.

 

Ich bin mit der kleinen Asuncion ein wenig spazieren gegangen. Sie ist eine

gute Begleiterin, die schweigt und manchmal nur gross und liebevoll die Augen

zu mir emporschlägt.

Wir sind den Strandweg nach Kronshafen gegangen, aber wir sind recht

zeitig wieder umgekehrt, bevor wir noch mehr als einen oder zwei Menschen

getroffen hatten.

Während wir zurückschritten, freute ich mich über den Anblick meines

Hauses. Wie gut ich es mir gewählt habe! Schlicht und grau blickt es von dem

Hügel, dessen Gras nun welk und feucht und dessen Weg aufgeweicht ist, über

das graue Meer hinaus. Auf der Rückseite führt die Chaussee vorbei, und

dahinter sind Felder. Aber darauf achte ich nicht; ich achte nur auf das Meer.

 

Den 15. September.

 

Dieses einsame Haus auf dem Hügel am Meere unter dem grauen Himmel ist wie ein düsteres, geheimnisvolles Märchen; und so will ich es haben in meinem