Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Anna K. · Kapitel 10 von 35

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Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Nachricht aus Alaska

 

Leandro

Als sie wieder in die Jugendherberge rauschte, sah sie schon besser aus als zwei Stunden zuvor. Andererseits- er hatte sich selber im Spiegel gesehen. Die vergangenen Tage hatten ihm einiges an Kräften abverlangt und die Schatten unter seinen Augen vermochte wahrscheinlich noch nicht einmal der beste Concealer zu verdecken. Wie erwartet kam Hanni mit Lena ins Haus. Die beiden steckten viel zusammen.

Er vermutete, das das daran lag, dass Lena sie bald verlassen würde aber vielleicht war der Altersunterschied zwischen Hanni und den anderen Mädchen auch einfach zu groß, als das gemeinsame Interessen hätten bestehen können.

Er war froh, Nanni und Lena bei sich zu haben. Er wunderte sich: Warum trug Nanni eine Schürze unter ihrem Arm? Er würde sie bei der nächstbesten Gelegenheit danach fragen.

In diesem Moment klingelte sein Handy. Er schaute auf den Display. Zuhause?

Er drückte auf die grüne Taste.

„Mum, hallo?“

„Leandro? Sie haben Mum mitgenommen!“, hörte ich die Stimme meines neunjährigen Bruders.

Das Blut gefror mir in den Adern und ich spürte wie ein Schwall Adrenalin durch meinen Körper schoss. Ängstlich umkrallte ich meine Bettkante.

„Sie haben WAAS getan?!“ Ich schrie ihn fast an. Innerlich kochte ich.

„Leandro, schrei doch bitte nicht so! Ich kann nichts dafür!!!“, wimmerte Pablo und ich hörte ihn aufschluchzen. Langsam atmete ich aus. Rein und raus, rein und raus.

Ich spürte wie mein Herz sich langsam wieder beruhigte. Zitternd ließ ich die Bettkante los

und ließ mich nach hinten sinken. „ Pablo, wo bist du?“ Mein kleiner Bruder zögerte mit der Antwort. „ Bei Tante Gwenny.“ Ich atmete aus.

„Gut so. Was haben die Männer gesagt, als sie Mum mitgenommen haben?“

„Sie..haben gesagt, dass sie uns vier Wochen lassen. Wenn das Geld bis dahin nicht hier ist... Finito! Aus, Ende, Schluss.“, sagte Pablo tapfer.

Ich grummelte. Vier Wochen waren keine lange Zeit, um zweitausend Euro aufzutreiben und nach Alaska zu fliegen. Ich hatte Angst. Ich hatte das erste Mal im Leben wirklich Angst. „Leandro, ich vermiss dich so!“, flüsterte mein Bruder am Ende der Leitung. Seine Worte taten mir in der Seele weh, aber ich konnte nichts ändern.

Wie gerne ich ihn jetzt einfach in den Arm genommen und gedrückt und getröstet und gemurmelt: Es wird alles wieder gut. Wie gerne ich ihm diese beruhigenden trügerischen Worte jetzt zugeflüstert hätte.

Aber ich wollte ihm keine falschen Hoffnungen machen. „ Pablo, hör zu. Du musst jetzt stark sein. Bleib bei Tante Gwenny. Trau niemandem und vor allen Dingen...“ ... „Pablo?“ „Mh?“, ertönte seine leise Stimme aus dem Handy. „Pass auf dich auf!“, flüsterte ich . Dann legte ich auf.

Ich saß nun schon eine dreiviertel Stunde im Gemeinschaftsraum, in der vergeblichen Hoffnung, Bella würde endlich auftauchen. Ich stützte meinen Kopf in die Hände und knetete nervös mit den Fingern.

Wo blieb die Hilfe, wenn man sie wirklich dringend brauchte? Ich stand auf und schaute aus dem regennassem Fenster. Immer noch kein Zeichen von Bellas rotem Mercedes Menz auf dem Parkplatz.

Ich verfluchte Bella und die Tatsache, dass sie gerade jetzt nicht da war.

Ich verfluchte auch das Wetter. Wahrscheinlich hatte der Dauerregen auf den Straßen mal wieder für katastrophale Fahrverhältnisse gesorgt und unsere Haushälterin stand im Stau.