Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen
Mittel gegen Liebeskummer
Hallo Jakob!
Begann ich meinen Brief.
Ich hoffe bei dir ist alles in Ordnung, weil du nun schon so lange nicht mehr geantwortet hast.
Nun ist es kaum mehr eine Woche in bis Lena uns verlassen muss. Wir unternehmen viel und versuchen unsere letzte Zeit gemeinsam zu verbringen.
In meinem letzten Brief habe ich dir von Leandro geschrieben, dem Neuen aus Alaska.
Ich glaub, ich habe mich verliebt.
Aber ich bin unsicher. Mein Gott, wir kennen uns erst eine Woche. Was kann man da schon über den Anderen wissen. Naja jedoch hat er mir heute im park eine Liebeserklärung gemacht. War es richtig nicht zu antworten?
Vielleicht ist es die falsche Idee, sein Herz an jemanden zu verschwenden, der binnen kürzester Zeit nach Alaska geht und mich hinter sich lässt.
Aber sagt man nicht immer man soll auf sein Herz hören. Ehrlich, ich weiß nicht mehr weiter!
Ich hoffe, dir geht es gut. Warum antwortest du nicht?
Nanni
Es war ein stürmiger Herbsttag und Lena und ich hatten den ganzen Tag nichts anderes gemacht als geredet und Käsekästchen gespielt. „Du solltest ihn vergessen!“, pries sie mir nachdem ich nun meine dritte Partie Käsekästchen verloren hatte. „Ich weiß!“, jammerte ich und vergrub meinen Kopf in meinen Händen. „Aber es geht nicht!“
Sie strich mir über die Haare. „Ich weiß Süße. Aber Liebe ist nie einfach.“
„Sie tut weh.“, jammerte ich erneut und ließ mich von Lena trösten. „Wenn du willst, lenken wir dich ab.“, schlug sie vor und hielt mir einen Flyer unter die Nase.
„Barkeeperin gesucht?“, schniefte ich .
„Jap! Wir suchen dir einen Nebenjob. Dafür bist du jetzt alt genug und ablenken tut es auch. Und es macht dir Geld.“, sagte sie. „Mit dem Geld könnte ich nach Alaska!“, schlug ich vor. Sie sah mich an als wär ich von allen guten Geistern verlassen. Scheinbar hatte mir mein Gejammer über Leandro ein wenig den Kopf verdorben.
„Na, komm!“ Meine Freundin zog mich hoch und drückte mir meinen Anorak in die Hand.
Eine halbe Stunde und drei Latte Machiatos später fühlte ich mich schon wieder halbwegs gewappnet diesen Tag zu überstehen und ließ mich endlich von Lena zu dem Café ziehen, indem angeblich eine Barkeeperin gesucht wurde.
Das Café war hell erleuchtet und sah auf den ersten Blick sehr freundlich aus, als wir eintraten. Der Duft von frischem Kaffee und Croissants erfüllte den Raum.
Die Frau an der Theke konnte nicht viel älter als ich sein. Vielleicht zwei Jahre älter. Sie trug ihr Haar zu einem Zopf gebunden und hatte blaue freundliche Augen. Sie trug eine weiße Schürze und hatte einen Stift und einen Block in der Hand. Als wir ihr erzählten, warum wir hier waren, nickte sie und verschwand im Hinterraum.
Kurze Zeit später lugte sie durch die Tür und winkte uns zu. „Komm!“, rief sie und deutete in den Raum. Lena schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. „Bis später!“, flüsterte ich und folgte dem Mädchen. Der Raum in den ich geführt wurde war stickig und schlecht beleuchtet. Altmodische orangefarbene Lampenschirme hingen von der Decke. Ein altmodischer Schreibtisch aus dunklem Holz stand in der Mitte des Raumes. Die Vorhänge vor den Fenstern waren zugezogen und aus bereits schlissigem grünen Samt. Ein Spiegel stand halb verdeckt von einigen Kartons in der rechten Zimmerecke, die linke Wand zierten Porträts aller Art und Farbe. Der Mann der vor mir am Schreibtisch saß schätzte ich auf fünfzig, höchstens sechzig. Er hatte eine Zigarre im Mund und atmete noch einmal tief ein, bevor er die Zigarre beiseite legte und zerdrückte. „Du bist die Neue?“, fragte er mit rauchiger Stimme.
Ein wenig eingeschüchtert nickte ich.
„Gut gut.“ Er betrachtete mich einmal von oben bis unten. „Du kannst anfangen. Direkt heute Abend. Stundenlohn von 6.50$. Keine offenen Haare.“ Er blickte zu dem blonden Mädchen das neben mir stand. „Bring ihr die Schürze.“
Das Mädchen verschwand.
Als ich den Raum verließ, wartete Lena bereits draußen. Ich grinste und hielt beide Daumen hoch. Sie grinste zurück. Leandro war fast vergessen.
Leandro