Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Anna K. · Kapitel 11 von 35

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Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Ohne Hoffnung

 

Nanni

Mein erster Abend im Café war definitiv eine Erfahrung besonderer Art.

Genau das erzählte ich auch Lena, während wir auf meinem Bett saßen, zugedeckt mit meiner liebsten rosa Kuscheldecke und hörten Weihnachtslieder.

„ ...und dann hatte ich keine Ahnung wie man einen Caipirinha mixt.“ Lena lachte. „Ist das nicht das Zeug mit Ginger Ale, Lemon, Rohrzucker und Alc.?“

Ich nickte zustimmend und lachte ebenfalls. „Eigentlich wusste ich fast gar nichts. Aber Betti, die andere Barkeeperin war echt nett

Und hat mir alles gezeigt, das ich wissen musste.“ Ich grinste. „Sie hat erzählt bei ihrem ersten Mal im Café hätte sie dem ersten Gast sein Getränk über die Bluse gekippt.“

Lenas Mundwinkel zuckten. „ Hört sich an, als hättest du eine Menge Spaß gehabt heute Abend.“

„Eine interessante Erfahrung!“, wiederholte ich. „Was wurde dir gezahlt?“, fragte sie.

Ich überlegte kurz. „ Ich bin mir nicht sicher, ich meine es waren vierzig.“

Meine Freundin sah eindeutig verdutzt aus. „Vierzig, ehrlich? Zeig mal her!“

Ich kramte in meiner Hosentasche und zog ein paar zerknitterte Scheine raus.

Lena griff danach und zählte nach. „ Ein Zwanziger und zwei Zehner. Stimmt genau.“

Sie schaute beeindruckt. „Wenn ich älter bin, geh ich auch in ner Bar arbeiten.“

„Gute Idee, und wenn du willst, dann weis ich dich ein.“ Ich fügte hinzu: „ Nicht das du noch Wodka zu Tomatensaft und Kokosflocken kippst.“, und lächelte dabei ironisch.

„Haha!“, antwortet meine dreizehnjährige Freundin. „ Wer war denn hier diejenige die nicht wusste wie man Caipirinha mixt?“ und boxte mir scherzhaft in die Seite.

Ich beschloss mein gespartes Geld an einem sicheren Ort aufzubewahren.

Unter dem Bett? Unterm Regal? Im Schreibtisch? Ich lächelte idiotisch. Vielleicht in meinen Lieblingssocken oder der Unterwäschenschublade?

Innerlich strafte ich mich selber für meine Witze. Ich würde mir ein eigenes Konto anlegen müssen.

Die Bankbeamtin mit der ich das Gespräch begonnen hatte schien mir

eine ehrliche Person zu sein. Sie hatte diesen Granny- Faktor, den ich an alten Frauen so liebte. „Es kostet nichts und du bekommst 3,5% Zinsen.“, pries sie mir.

Ich war einverstanden und unterschrieb den Vertrag. „Wenn du die Karte erhalten hast pass gut auf sie auf. Leg sie nicht mit metallischen Gegenständen zusammen; das könnte den magnetischen Code deaktivieren.

Achso, und wenn du die Karte verlieren solltest...melde dich sofort in der Sparkassenzentrale, damit wir deine Kontonummer sperren können und kein Anderer Geld abheben kann.“ Sie widmete sich meinen signierten Unterlagen. „Irgentwelche Fragen?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, vielen Dank.“, und verließ die Zentrale.

 

Leandro

„Bella?“, fragte ich, als die mollige Frau mit tropfenden Haaren ins Haus stolperte.

„Kann ich dich etwas fragen?“

Sie sah mich an als wäre ich von allen guten Geistern verlassen. „Nimm mir erst mal ein paar Tüten ab.“, hechelte sie und drückte mir ein dutzend Einkaufstüten in die Hand.

In gefährlicher Schieflage wuchtete ich die Fracht in der Küche auf die Arbeitsplatte ab.

Meine lang erhoffte Hilfe zog sich in aller Genüsslichkeit den Mantel aus. „ Kaffee?“, fragte sie.

„Nein, lieber nicht.“

Sie nahm eine Tasse aus dem Schrank und füllte sie mit Kaffepulver. „Hier.“ Ich reichte ihr den Wasserkocher, der mittlerweile ordentlich dampfte.

Als wir endlich am Tisch saßen begann ich mit meiner Idee. Bella schien nicht sonderlich überzeugt und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

„Ich weiß nicht Kindchen. Keine Frage, ich könnte dich anmelden, aber...“... „ Ich glaube nicht dass du die Prüfung mit deinem jetzigen Leistungsstand überstehen wirst.

Meine Antwort war ein trauriges Nicken. Ich hatte Ähnliches bereits geahnt.

Ich würde meinen Koffer packen und mich noch diese Woche auf den Weg nach Alaska machen. Selbst wenn ich das Geld nicht zusammenbekommen würde.., so würde ich doch versuchen Pablo beizustehen.

Ich konnte jetzt nicht einfach verschwinden, wenn es schwierig wurde. Ich war doch nicht feige. Und auch wenn es mir widerstrebte nach Alaska zurückzukehren, so hatte ich doch keine Wahl: Ich konnte meinen kleinen Bruder nicht alleine lassen. Besonders jetzt würde er mich brauchen. Und ich würde ebenfalls ihn brauchen. Ich schluckte. Ich würde Nanni vermissen. Vielleicht sollte ich mit ihr reden... Vielleicht war es einfacher einem Mädchen das Herz zu brechen, wenn es im Voraus angedeutet war. Andererseits? Hatte sie ihm jemals ihre Liebe gestanden? Nein. Also schien sich die Sache nur um sein Herz zu drehen.

 

Leandro------------------------------ Er kämpfte das erste Mal seit langer Zeit mit den Tränen. Er wollte hier nicht weg! Er wollte nicht wieder zurück in das kalte verlassene Leben in Alaska.

Er hatte Angst, vor den Dingen, die ihrer Mum geschehen konnten, wenn er versagen sollte.

Er hatte Angst um Nanni.

Eigentlich hatte er vor allem Angst.

Ein Beben schüttelte seine Schultern und er schluchzte leise. Er hatte keine Wahl. Er musste zurück.

Am besten brachte er es schnell hinter sich. Verstohlen wischte er sich die letzen Tränen von der Wange. Er würde stark sein. Für Nanni und für seine Mum und für Pablo.

Er nahm sein Handy und schrieb.

Nanni,

Ich muss mit dir reden.

Es ist wichtig. Komm heute Abend in den Park. L.