Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen
Werkzeug, Zahnpasta und Tabletten
Im Baumarkt hatte ich keine Ahnung, was wir für unsere Reise brauchen würden und was nicht.
„Brauchen wir ein Feuerzeug?“, fragte ich ihn. „Ja, auf jeden Fall.“ Er überlegte kurz. „Nimm auch ein Paar Päckchen Streichhölzer mit. Man weiß ja nie...“ Ich entknüllte die hellblaue Einkaufstüte, die ich mitgebracht hatte und verstaute ein Feuerzeug und vier Päckchen Streichhölzer. „Hier!“, er reichte mir einen Meißel, einen kleinen Hammer und eine Spitzhacke.
„Ein Seil?“, versuchte ich mich nützlich zu machen. „Pack ein.“, sagte er.
Und auf diese Weise liefen wir ca. eine Stunde durch den ganzen Baumarkt und hatten letztendlich eingepackt: Ein Feuerzeug, Streichhölzer, einen Hammer, eine Spitzhacke, einen Meißel, ein langes Seil, Paketband, vier Päckchen Nägel in verschiedenen Größen, ein Tepichmesser, zwei Taschenmesser, zwei Taschenlampen, eine Stirnleuchte, einen Notfall-Verbandskasten.
Unser anschließender Weg führte uns in einen Drogeriemarkt. „Shampoo?“, fragte ich und warf zwei Flaschen in unsere Einkauftüte.
Er nahm sie wieder raus. „Iwo, brauchen wir nicht.“ „Was?! Ich soll mir nicht die Haare waschen?!, rief ich empört aus. Er zuckte mit den Schultern. „Ist ja dein Gepäck, das du 3 Wochen durch die halbe Welt schleppen darfst.“
Okay, da hatte er auch wieder Recht. Ich seufze theatralisch und griff nach der kleinsten Shampooflasche im Sortiment. Und nach der kleinsten Haarbürste.
Und der kleinsten Zahnpasta..
Und der kleinsten .... okay, ich gab mir ergeben: Zahnbürsten gab er nur in Einheitsgröße.
Leandro packte uns ebenfalls eine Pinzette und Vitamintabletten ein. „Vitamintabletten?“ Ich schaute nicht sonderlich begeistert. „Lass mich raten, Obst ist zu schwer?“, erwiderte ich. „Genau, oder du bekommst Skorbut:“
„Ihh!“, schrie ich und griff mir gleich noch eine Packung Tabletten. Ich hatte nicht vor mit verfaulten Zähnen in Alaska anzukommen um mich Leandros Familie als seine Freundin vorzustellen. Außerdem bestand ich auf Desinfektionsmittel, ein paar Päckchen Verband, Voltaren Schmerz-Gel und Protein-Riegeln. An der Kasse bezahlten wir und lagen mit diesen 33 Euro zusammen mit dem Zeug aus dem Baumarkt bei 96 Euro. Hui! Und wir waren noch nicht fertig.
„Wir teilen uns auf.“, schlug Leandro vor, als wir wieder draußen standen.
„Du gehst in die Apotheke und ich in den Supermarkt.“ Ich nickte. „In einer halben Stunde genau wieder hier.“ Er gab mir zwanzig Euro und verschwand auf der Shoppingmeile in entgegengesetzter Richtung.
Das rote Apothekenschild leuchtete mir sofort ins Auge. Was sollte ich von den zwanzig Euro kaufen? Der alte Apotheker, der hinter seinem Tisch stand schaute ungeduldig auf die Uhr. „Wir schließen in zehn Minuten.“
„Ähm.“, stammelte ich. „ Eine Packung Aspirin bitte.“ Er drehte sich um und nahm eine Packung aus dem Regal. „Noch etwas?“
Ich zögerte. Noch etwas? „Vielleicht noch.. Iod-Lösung, Fiebertabletten, Hustensaft, ein Fieberthermometer und Schlaftabletten.“
Er zog überrascht die Augenbrauen hoch. „ Da muss aber einer sehr krank sein.“
Ich lächelte unsicher und räusperte mich. „Eigentlich nicht.“ „Eine lange Reise?“
Ich nickte erleichtert und gab ihm das Geld. „Den Rest können sie behalten.“, sagte ich, schnappte die Tasche und flüchtete aus dem Laden.