Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen
Leandro & Nanni Neuanfang
Leandro
Für Betrachter mag es komisch ausgesehen haben als Nanni und Ich an diesem Abend noch einmal neu Freundschaft schlossen. „ Guten Tag. Ich bin Leandro Dentale!“ Brav hielt ich Nanni meine Hand hin.
„Schön dich kennenzulernen, Leandro.“, erwiderte sie und reichte mir ebenfalls die Hand.
Ich konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken. „ Ich heiße Nanni Rogers. Ich hoffe es geht dir gut? Wollen wir uns vielleicht niederlassen und an diesem schönen Abend ein wenig plaudern?“, kicherte sie und brach in Gelächter aus. Ich setzte mich neben sie, aber so weit entfernt, dass ich sie nicht ungewollt berührte.
Ich belugte ihre nackten Füße die vor ihr kleine Sandkreise in den Sand zeichneten.
„ Bist du zeichnerisch begabt?“, fragte ich und deutete auf ihre Kreise.
„Nein, ich finde nur das Gefühl von Sand an meinen Füßen schön.“, erwiderte sie .
Ich lugte unsicher auf meine eigenen Füße. „Solltest du auch einmal probieren.“ Sie zeigte auf meine Füße. „Na wenn du das sagst.“ Ergeben zog ich meine Sneaker aus. „Was sind das überhaupt für Schuhe?“ Sie hielt einen meiner Sneaker mit ausreichend Gesichtsabstand vor sich und rümpfte angewidert die Nase. Zugegebenermaßen- meine einmal rot gewesenen Mokassin-Sneaker waren wirklich mehr braun als rot. „Untersteh dich!“, rief ich und schnappte nach meinem Schuh. „Diese Sneaker sind mein ganzer Stolz. Sie sind original aus Wildleder aus Alaska!“
„ Aha so ist das also!“, neckte sie und ließ den Schuh baumeln. „ Na, kein Wunder, das die so aussehen!“
An diesem Abend erzählten wir uns noch viel und langsam aber merklich merkte ich wie Nanni auftaute.
„Warum bist du eigentlich hier im TPA?“, fragte sie mich und lehnte ihren Kopf gegen meine Schulter.
„ Nun ja..“, begann ich. „ Ich hab zuhause in Alaska ziemlich viel Ärger gemacht, verstehst du?“ Er zögerte. „Man könnte sagen ich habe zusammen mit einer Gang aus meiner Stadt die Straßen unsicher gemacht. Es fing alles so harmlos an. Ein paar Nachrichten übermitteln, ein paar Zettel überbringen, einfach nur um unser Familiengeld ein wenig zu unterstützen. Später wurden es mehr und gefährlichere Aufträge. Ich wurde gezwungen mit Drogen und ähnlichem Zeugs zu dealen.
„Du musstest mit Drogen dealen?“ Nanni schaute mich schräg an. „ Naja. Als ich beigetreten bin, wurde mir ein gewisser Geldbetrag gezahlt.
Das Geld unterstützte meine Familie finanziell und war sozusagen eine Art Hungerlohn-ein Lohn dafür das ich bei ihnen angefangen hatte. In Alaska ist es nicht so sicher wie hier, weißt du? Naja, auf jeden Fall gingen die Spiele so weit, dass meine Mum eingegriffen hat.
Sie hat zu mir gesagt, ich solle endlich erwachsen werden und einen ordentlichen Beruf erlernen. Und hat mich anschließend hierhin geschickt.“
Ich schüttelte den Kopf. „ Ich habe nicht mehr lange Zeit. Wenn ich nicht mehr für die Gang arbeite, erwarten sie den Hungerlohn zurück, den ich ihnen nicht zahlen kann. Sie werden Mum keine Wahl lassen. Sie wird ihnen das Geld nicht zahlen können und sie werden sagen, entweder das Haus oder mein jüngerer Bruder muss ran. Pablo ist erst neun.“
„Oh..das habe ich nicht gewusst.“ Mitleidig schaute sie mich an. „Tut mir leid.“
„Macht nichts. Dir brauch nichts Leid tun, das du nicht getan hast. Daran bin alleine ich schuld.“ Ich schluckte.
„ Eigentlich wollte ich keinem davon erzählen...“, er schien unverkennbar zu zögern.
„Ich bleibe hier nicht lange. Bella meinte sie würde mir die Prüfung vorziehen, damit ich schnellstmöglich meinen Schulabschluss habe und dann...“
Nanni nickte als würde sie mich verstehen. „ Und dann suchst du dir einen richtigen Job, um das nötige Geld zu verdienen. In Alaska natürlich.“
„Ja!“, überrascht schaute Ich auf. „Genau das hatte ich vor!“ Nanni lächelte. Aber es war ein trauriges Lächeln. „Wann wirst du aufbrechen?“
Ich überlegte. „Wahrscheinlich in zwei Wochen.“ Sie schloss die Augen. „ Genau wie Lena .“ Ich nickte und hielt ihre Hand fest umschlossen als sie anfing zu weinen.
Ihre Wimpentuschespuren auf meinem T-Shirt erinnerten mich am nächsten morgen erneut an das Geschehen der letzten Nacht. Ich verwarf das Shirt und zog mir ein Hellblaues an. Durch die Vorhänge in meinem Zimmer fielen schon zu dieser frühen Morgenstunde Sonnenstrahlen. Ja, es war ungewöhnlich dass es im Herbst schon so früh hell wurde.
Ich gähnte. Eigentlich war ich ein Frühaufsteher aber in der letzten Nacht hatte ich kaum ein Auge zugetan. Das mir ein Mädchen noch einmal so den Verstand rauben würde! Ich schüttelte den Kopf. Nanni war für mich Neuland. Und ich sehnte mich danach dieses Land endlich entdecken zu können, mit allen Gerüchen und Eigenheiten.
Oh man! Da hatte jemand wohl wirklich zu wenig Schlaf bekommen. Jetzt fing ich schon an philosophische Weisheiten von mir zu geben. Ein letzter Blick im Spiegel- und ich verlies mein Zimmer.