Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen
Pläne für Alaska
Ich breitete vorsichtig die Weltkarte auf meinem Bett aus. Mit einer roten Stecknadel markierte ich den Punkt, an dem ich mich jetzt gerade befand: TPA Jugendhaus, Boston. Dann suchte ich Willow. Meine Hände fuhren über den Bereich von Alaska.
An den Punkt, an dem meine Heimatstadt ungefähr liegen sollte, steckte ich die zweite Nadel fest: Willow, Alaska. Ich war mit dem Zug hergekommen; also würde ich auch mit dem Zug zurückkommen.
Ich dachte nach: Wahrscheinlich würde es taktisch wirklich am besten sein, ich würde mir von Boston aus eine Zugverbindung nach Washington suchen. Falls so eine überhaupt existierte; denn vom Zugfahren hatte ich ehrlich gesagt weniger Erfahrung als mir lieb gewesen wäre.
Von Washington würden wir uns eine Zugfahrt durch Kanada suchen müssen.
Am besten nach Dawson, Grenze zu Alaska. Ich runzelte besorgt die Stirn. Ab diesem Punkt würde es kompliziert werden, denn in Alaska gab es wirklich wenige Züge, die nach Willow fuhren.
Zur Not würden wir einige Tagesmärsche über den Fußweg benötigen. – Kostbare Zeit, die wir eigentlich nicht zur Verfügung hatten.
Ich hörte wie die Badezimmertür aufging und drehte mich um. Schon fertig angezogen tapste Nanni durch mein Zimmer. Ihre noch nassen Haare fielen ihr über sie Schultern und sahen in diesem Zustand fast braun aus. „Hast du ne Bürste?“, fragte sie mich. Ich schaute sie mit rätselhaftem Blick an. „Ne, sorry.“ Ungläubig riss sie beide Augen auf. „Du hast keine Bürste?“, schrie sie.
Ich schüttelte den Kopf. „Ehrlich nicht.“
Sie sah mich noch ein paar Sekunden an und setzte sich dann auf mein Bett.
„Scherz.“, lachte ich. „Die Bürste liegt da vorne in der Kommode.“ Ich hielt einen Moment inne. „Aber du siehst auch mit strubbeligen Haaren sehr süß aus.“
„Du bist so gemein!“, fauchte sie und sprang von meinem Bett auf.
„Du weißt, du liebst mich.“, antwortete ich ihr. „Ich dich?“ Sie lachte. „Nie im Leben.“
„Und ob.“ Vorsichtig zog ich zieh zu mir heran. Sie fühlte sich so...zerbrechlich an.
Ich schaute ihr tief in die Augen, meine Lippen umspielte ein leichtes Lächeln.
Dann beugte ich mich vorsichtig vor und küsste sie. Nur ganz sachte und zog mich wieder zurück. Ihre Augen glänzten. „Vielleicht überlege ich mir es ja doch noch anders.“, hauchte sie. Ich spielte mit einer ihrer nassen Haarstränen. „Ich dachte du liebst mich nicht?“, entgegnete ich leise.
Sie lächelte und schob mich von ihr. „Vielleicht ein ganz kleines bisschen.“
Mein Herz machte einen kleinen Freudensprung. Also empfand sie doch etwas für mich!
„Und du hast immer noch vor mich nach Alaska zu begleiten?“, hakte ich nach.
„Immer und überall hin.“
Ich deutete auf die Karten auf meinem Bett. „Dann würde ich sagen, beginnt unsere Reise genau an dieser Stelle.“
Wir waren den ganzen restlichen Nachmittag mit Pläne schmieden, Karten lesen, Atlanten durchblättern, Tabellen erstellen und Ausrüstung aufschreiben zugange.
„Und du bist dir sicher, wir bekommen alle Züge, die wir bis nach Alaska brauchen?“, fragte Nanni mich.
Nein, eigentlich war ich mir nicht sicher, aber ich nickte trotzdem. „Take me home, country raods..“, sang ich leise. Mit einem Lachen schob sie mich beiseite. „Lass mich mal sehen.“ Sie griff nach einem meiner schwarzen Stifte und zog unsere ungefähre Route nach.
„Was glaubst du, wie lange wir brauchen werden?“ „Ich würde schätzen, knappe eineinhalb Wochen.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Solange hab ich jedenfalls von Willow bis Boston gebraucht. Wenn wir den Fußweg von Dawson ab einplanen...länger als vier Wochen.“