Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Anna K. · Kapitel 21 von 35

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Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Elefanten

 

 

Nanni

Der Unterricht hatte schon längst begonnen und Leandro war immer noch nicht aufgekreuzt.

Ich kreuzte nervös meine Beine unterm Tisch. Das konnte einiges an Ärger bedeuten, wenn er jetzt noch aufkreuzen würde. Mr. Dents war heute ohnehin schon in schlechter Stimmung und Leandros Abwesenheit zu Beginn der Stunde hatte nicht gerade zu einer Verbesserung beigetragen.

Ich hatte angeboten, ihn suchen zu gehen, aber auf solche Ideen fiel unser Mathelehrer schon lange nicht mehr rein. „Wenn du den Unterricht schwänzen willst, brauchst du gar nicht erst kommen.“, schnauzte er mich an und ich wurde rot. Ich war es nicht gewohnt von Lehrern angeschrieen zu werden, weil ich regelmäßig gute Noten erbrachte, aber bei Mr. Dents schienen Ausnahmen, die Regel nicht zu bestätigen.

„Mach’s wie Leandro.“, flüsterte Luke mir zu; allerdings gerade noch laut genug, als dass unser Mathelehrer es nicht hätte hören können. Ich bereitete mich gerade innerlich auf das Ausrasten meines Lehrers bereit, als plötzlich die Tür aufflog und Leandro in den Raum stürzte.

Mit hochrotem Gesicht und verkreuzten Armen stand Mr. Dents vor seinem Pult:

„Ich höre, Mr. Dentales. Was ist ihnen heute Morgen wieder Unaufhaltsames passiert, das ihr Zuspätkommen in meinem Unterricht rechtfertigt?“

Leandro biss sich auf die Lippe: „Ehrlich gesagt, hab ich einfach nur verschlafen.“

Unser Lehrer kniff die Augen zusammen: „ Ehrlich gesagt, bin ich verdammt wütend!“

Er griff nach unserem Klassenbuch und vermerkte Leandro. „Herzlichen Glückwunsch, Mr. Dentales; das ist genau das 16 Mal, dass sie zuspätkommen.

Und das in nur fünf Wochen. Ich bin beeindruckt!“ „Sie zählen mit?“

„Nein, eigentlich nicht. Sie sind meine ganz persönliche Ausnahme.“ Mein Freund grinste.

„Das ist nicht zum Lachen!“, fauchte unser Lehrer. Leandro grinste weiter. „Nein, natürlich nicht.“, und setzte sich endlich auf seinen Platz.

„Wenn wir dann endlich wieder mit dem Unterricht beginnen könnten!“, schnaubte Mr. Dents, klaubte sich ein Stück Kreide und begann wieder einmal ohne Gnade die Tafel mit mathematischen Gleichungen zu beschreiben.

Mitten in der Stunde flog ein kleines Blatt Papier auf meinen Tisch.

Ich muss heute Nachmittag unsere Verpflegung, Werkzeug, etc. besorgen, wenn wir

morgen loswollen. Kommst du mit?

L.

Ich hob den Daumen zur Bestätigung. Er guckte zufrieden. Und mit den Plänen des Nachmittags verging die Mathestunde schneller als gedacht.

 

Leandro und Ich hatten uns für halb drei vorm TPA verabredet. „Hast du Geld?“, fragte ich ihn, als er genüsslich mit Rucksack zur Tür hinausgeschlendert kam.

„Genug, hoffe ich.“

„Gut.“ Diese Nachricht war beruhigend. „Wohin gehen wir als erstes? Zum Baumarkt?“

„Ja.“, sagte er und griff nach meiner Hand. Beide in unsere eigenen Gedanken versunken, liefen wir die Straße entlang.

Plötzlich fragte er: „Hörst du das?“

Ich horchte auf. Es war totenstill. Keine Vögel, kein Windhauch. „Was denn?“, fragte ich verwundert.

„Die Elefanten, hörst du sie nicht?“, entgegnete er. Ich horchte erneut auf. Nein, ich konnte definitiv keine Elefanten hören. Wollte er sich über mich lustig machen? „Leandro, hier sind nirgendwo Elefanten.“, stellte ich wissenschaftlich fest. „Ich fragte ja auch nicht ob hier Elefanten sind, sondern...“, er stoppte um dann mit geheimnisvoller Miene fortzufahren „...ob du welche hörst.“

Ich kam mir seltsam dumm vor, als ich nun zum dritten Mal aufhorchte. „Leandro, ich höre auch keine Elefanten!“ „Ehrlich nicht?“

„Ganz ehrlich nicht!“

„Puh!“, ein erleichtertes Lachen bereitete sich auf seinem Gesicht aus. „Ich dachte schon, ich hätte mir nur eingebildet, keine Elefanten zu hören.“

„Das sollte ein Scherz sein, oder?“

„Ja.“, grinste er. „Magst du Elefanten?“

„Ja.“, entgegnete ich. „Du auch?“

Er überlegte. „Ja, ich glaube, ich auch.“ „Kannst du mir eine Frage beantworten?“

Ich zuckte mit den Schultern: „Klar, warum nicht?“ „Sei ganz ehrlich. Hörst du Elefanten?“

Ich lachte und tat als würde ich aufhorchen. „Jaaa...jetzt wo du es sagst, da höre ich sie auch.“

Und diesmal war er derjenige, der verdutzt guckte.