Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Anna K. · Kapitel 8 von 35

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Leandro & Nanni, Bis zu den Sternen

Chuppine

 

Als ich an diesem Abend ins TPA zurückkehrte fand Lena einen kleinen karierten Zettel vor unser Tür, den wahrscheinlich jemand durch den Türspalt geschoben hatte.

Sie hob ihn auf und las. „Ich glaub das ist deiner.“, meinte sie und drückte mir das kleine Zettelchen in die Hand. Ich faltete es auseinander und las ebenfalls:

Hey, Nanni.

Treffpunkt morgen früh um halb sechs vorm TPA, wenn Du kommen kannst.

L.

Ps: Zieh dir warme Sachen an!

Nanu? Ein geheimer Treff mit Leandro vor Frühstückszeit? „Steh L. für Leandro?“

Ich zuckte zusammen und fuhr herum. „Mh, ja ich glaub schon.“ Sie lächelte allwissend. „Gehst du hin?“

„Ja.“, erwiderte ich.

Ich war gespannt, was Leonardo mir zu dieser frühen Uhrzeit zu zeigen hatte.

„Aber wenn ich bis sieben Uhr nicht wieder zurück bin, sagst du jemandem bescheid, ok?“, scherzte ich.

Lena nickte ernsthaft. „Mach ich.“

 

Als der schwarzhaarige Junge am nächsten Morgen mit einer Freundin auftauchte, war Tierwärter Jupp überrascht. „Morgen!“, grüßte der Junge ihn und das Mädchen schenkte ihm ein höfliches Nicken.

„Ich nehme an ihr wollt zu Chuppine?“, fragte er. Wieder ein Nicken von Beiden.

Er winkte die Beiden zu sich und schloss die Tür der Hundestation auf.

Nanni konnte sofort die Hunde hören. Ein leises Winseln von rechts, ein Scharren von links, aber abgesehen davon schienen die meisten Hunde hier noch zu schlafen.

Der Wärter führte die zwei Teenager einen langen spärlich beleuchteten Gang entlang und bog dann links ab. Leandro schauderte. Die grauen Betonwände wirkten kühl und auch so fand er kaum ansehnliches an diesem Heim. Er hatte Chuppine nicht abgeben wollen; aber sein Umzug in die Vereinigten Staaten von Amerika hatten ihm keine Wahl gelassen. „So hier wären wir.“ Ihr Wärter kratzte sich am Bart und zog einen rostigen Schlüssel aus der Hosentasche mit dem er am Schloss hantierte.

Mit einen leisem „Klick“ gab die Tür nach. „Halbe Stunde, dann hab ich Frühstückspause und ihr seit hier wieder raus!“, grummelte der Mann.

„Ist gebongt.“, erwiderte Leandro und zog das Mädchen an der Hand hinter sich in den Zwinger.

Nanni hörte ein Winseln; dann kam aus dem Käfig Chuppine gesprungen und viel Leandro um den Hals. Mit Beiden Pfoten auf Leandro’s Schultern leckte sie ihm einmal quer durchs Gesicht. Der Junge ging in die Knie. „Schön dich wiederzusehen, Chuppie:“, und kraulte der Husky-Dame hinter den Ohren. Ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen.

Nanni stand ein wenig abseits und betrachtete die Szene. „Komm her.“, rief Leandro. „Ich stell dich Chuppine vor!“, und zeigte auf den hechelnden Hund. Vorsichtig trat Nanni ein Stück näher. „Geh in die Hocke!“, wies sie Leandro an. Behutsam nahm er ihre rechte Hand und führte sie langsam zur Hundeschnauze. Sie zuckte nicht zurück, als der Hund an ihrer Hand schnüffelte.

„Gut so!“, nickte Leandro. „Wenn du willst kannst du sie jetzt hinter den Ohren kraulen. Das hat sie gern.“

Nanni

Es tat gut nach langen fünf Jahren das erste Mal wieder warmes Hundefell zu fühlen.

Vorsichtig griff sie nach Chuppie und kraulte sie. Der Hund legte seinen Kopf auf ihre Oberschenkel und schloss die Augen. „Sie ist zutraulich.“, sagte ich und guckte Leandro an. „Sie weiß, dass ich sie nie jemandem überlassen würde, der ihr weh tut.“

„Warum hast du mich ihr so komisch vorgestellt?“ Er runzelte die Stirn. „Chuppie ist blind. Schon seit ihrem dritten Lebensjahr. Sie erkennt und merkt sich Menschen indem sie sich Gerüche einprägt. Deshalb lasse ich sie bei neuen Menschen immer als erstes an der Hand schnüffeln.“

Jetzt verstand ich. In der Dunkelheit des Zwingers waren mir Chuppines trübe Augen gar nicht aufgefallen. „Wie alt ist sie?“, fragte ich ihn.

„Neun, glaube ich. Langsam wird sie eine richtige Oma.“ „Den Eindruck habe ich aber nicht!“, sagte ich und grinste als die Hundedame verspielt in Leandro’s Schuh biss. Er lachte. „Naja, vielleicht noch nicht jetzt, aber bald bestimmt.“ Nachdem der Gefängniswärter uns um kurz vor sechs raus geworfen hatte, verblieb uns noch eine halbe Stunde. Ich schlug vor in den Park zu gehen und er bejahte.

Vorsichtig griff er nach meiner Hand und hielt sie in seiner fest. Ein wenig erschrocken, zuckte ich zurück. „Hey, entspann dich mal!“, lachte er amüsiert. Ich warf ihm einen bitterbösen Blick zu. „Ist ja nicht auszuhalten, wie eingebildet du bist!“

Er schaute verträumt in den Himmel, als hätte er meinen Kommentar von gerade eben einfach überhört.

Aber ich lies seine Hand nicht los. Es fühlte sich richtig an hier mit ihm Hand in Hand durch den Park zu laufen. Die Stille des Parks war beruhigend und lies meine Nerven das erste Mal der letzten Tage zur Ruhe kommen.

„Wenn ich hier raus bin, ziehe ich auch nach Alaska.“, murmelte ich. Er zögerte einen Moment bevor er etwas sagte. „Du könntest mit mir kommen.“, und lächelte sie aus seinen grünen Augen an. „Ja klar, ich schmeiß die Schule und hau ab, mit einem Idioten den ich gerade eine Woche lang kenne.“ Ich lachte.

„Nanni?“

„Ja?“ Ich horchte auf.

„Ich glaube ich habe mich in dich verliebt.“ Ich spürte die Hitze in meine Wangen steigen. „Wirst du rot?“, witzelte er.

Aber ich antwortete nicht. Ich hielt seine Hand nur fest umschlossen, als wir zusammen zurück ins TPA kehrten.