Dunkelkammer, ein Bronski Krimi
Achtzehn
SVENJA SPIELMANN & KONSTANTIN FREUND
– Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen.
– Immer gerne. Ein bisschen PR kann nie schaden. Prost. – PR ? Sind Sie sicher, dass Sie wissen, warum wir hier sind? – War nur ein Scherz. Ist natürlich nicht ganz einfach für mich, damit
umzugehen. Dass mich diese Geschichte nach so langer Zeit wieder
einholt. Vor allem nicht, wenn ich daran denke, was mit Zita passiert ist. – Sie haben es aus der Zeitung erfahren, richtig? – Woher sonst?
– Es könnte ja sein, dass Sie damals dabei gewesen sind, als es passiert ist. – Wenn Sie einen Mörder suchen, dann sind Sie hier an der falschen
Adresse.
– Ich sage es Ihnen nur ungern, aber im Moment spricht leider einiges
gegen Sie. Es wird nicht lange dauern, dann wird die Polizei hier
auftauchen. Für die sind Sie der Hauptverdächtige Nummer eins. Die
gehen davon aus, dass Sie damals vor Ort waren und Sex mit Frau
Laufenberg hatten. Die werden Ihnen unterstellen, dass es zum Streit
gekommen ist, und Sie Ihre Geliebte getötet und verstümmelt haben.
Dass die Leiche so lange nicht gefunden wurde, war Ihr Glück. – Das ist doch völliger Unsinn.
– Sie haben die Fotos vom Tatort gesehen, oder? – Ja. Waren ja groß genug abgedruckt in Ihrer Zeitung. – Und? Kam Ihnen das bekannt vor? Der Frühstückstisch. Das Bett, in dem
sie lag. Sie waren dort an diesem Tag, richtig? Es geht um den
27.01.1999.
– Keine Ahnung, wo ich da war. Ich war damals viel unterwegs, hatte ein
Restaurant zu führen. Wer führt schon akribisch Buch über das, was er
macht.
– Schade. Aber die Spurensicherung wird bestimmt ganze Arbeit leisten.
Ich bin mir sicher, die werden eine Menge Fingerabdrücke von Ihnen in
der Wohnung finden. Aus dieser Nummer kommen Sie so schnell nicht
heraus.
– Ich habe nichts damit zu tun, das schwöre ich. – Das wird Ihnen am Ende aber nicht weiterhelfen. Also besser, Sie reden
mit uns, bevor man Sie am Ende noch für den Mord an Frau Laufenberg
verantwortlich machen wird.
– Ich habe Zita nichts getan, das müssen Sie mir glauben. – Überzeugen Sie mich. Erzählen Sie mir von Ihrer Beziehung. Wie lange
ging das? Wo haben Sie sich kennengelernt?
– Sie war in meinem Restaurant. Das Essen hat ihr geschmeckt, wir haben
uns unterhalten, an der Bar ein Glas Wein miteinander getrunken. Das
eine hat das andere ergeben. Es ist einfach passiert. – Sie waren fünfzehn Jahre jünger als Zita Laufenberg. Stehen Sie auf ältere
Frauen? Waren Sie auf einen besonderen Kick aus? – Sie sind ganz schön frech.
– Ist das ein Problem?
– Nein. Ich bin ein sehr aufgeschlossener Mann, der Tourismus hat einen da
schon sehr geprägt. Deshalb kann ich Ihnen sagen, dass das Alter für
mich keine Rolle spielt. Zita war einfach eine faszinierende Frau. Sie
wusste, was sie will. Und hat sich genommen, was sie wollte. Sie hat
mich beeindruckt. Vom ersten Abend an.
– Wie lange ging das?
– Ein Jahr.
– Und Sie haben es erfolgreich vor Ihrer Frau verheimlicht? – Ich wollte das hier nie aufs Spiel setzen. Zita und ich waren sehr diskret.
Wir haben uns nur in ihrer Wohnung getroffen. Alle paar Wochen ist sie
nach Tirol gekommen, wir haben miteinander geschlafen, Zeit
miteinander verbracht, dann ist sie wieder zurück nach Leipzig gefahren.
Es war schön. Wir haben uns gut verstanden. Konflikte gab es keine.
– Ihre Frau hat nicht das Geringste geahnt?
– Nein. Ich habe es ihr erst gestern erzählt.
– Sie haben es ihr gesagt?
– Ich wollte nicht, dass sie es aus der Zeitung erfährt. – Wie hat sie reagiert?
– Sie ist traurig. Enttäuscht. Ich habe sie damit sehr verletzt. – Sie sind damals bei ihr geblieben, weil Sie auf all das hier nicht
verzichten wollten, richtig?
– Falsch. Ich habe meine Frau geliebt. Nur deshalb bin ich bei ihr
geblieben.
– Es ging also nicht ums Geld? Um das hübsche Hotel hier? Um mögliche
Ausbaupläne? Um eine rosige Zukunft, weil die Schwiegereltern den
Betrieb endlich übergeben wollten?
– Wenn es nur um Geld gegangen wäre, hätte ich mich längerfristig auf Zita
eingelassen. Das wäre für mich wesentlich lukrativer gewesen. – Wie meinen Sie das?
– Sie war verliebt in mich. Wollte, dass ich meine Frau verlasse. Sie hätte
alles getan, um mit mir zusammen zu sein. Sogar heiraten wollte sie
mich. Sie hat mir ein Leben im Reichtum versprochen. Wollte alles mit
mir teilen. Wenn ich das ausgenutzt hätte, wäre ich heute ein steinreicher
Mann.
– Sie wollen mir ernsthaft sagen, dass Zita Laufenberg Sie heiraten wollte? – Ja.
– Schwer zu glauben.
– War aber so.
– Klingt nach einer richtig schmierigen Soap.
– Ist Ihre Sache, was Sie davon halten. Ich sage Ihnen nur, wie es war.
Nachdem meine Frau über alles Bescheid weiß, gibt es für mich keinen
Grund mehr, Sie anzulügen.
– Haben Sie Kinder?
– Nein. Leider. Meine Frau wollte keine. Musste ich akzeptieren.
– Sie hätten sich welche gewünscht?
– Ja. Aber das hat nichts mit der Sache zu tun. Ich möchte nicht darüber
reden. Und ich möchte schon gar nicht, dass Sie darüber schreiben. – Werde ich nicht. Trotzdem interessiert es mich. – Unsere Beziehung wäre fast daran zerbrochen. War eine schwierige Zeit.
Dass ich Zita damals getroffen habe, war ein Geschenk. Ich habe damals
nicht groß darüber nachgedacht, brauchte einfach eine Atempause von
den ehelichen Problemen.
– Sie haben nicht damit gerechnet, dass sie das alles so ernst nimmt? – Stimmt. Deshalb habe ich irgendwann auch einen Schlussstrich gezogen.
Mich von ihr getrennt. Ich habe ihr gesagt, dass ich zurückgehe zu
meiner Frau. Dass ich sie nicht wiedersehen will. – Sie waren in ihrer Wohnung, um ihr das zu sagen? – Ja. Aber ich bin gegangen und nicht mehr zurückgekommen. – Sie hat also noch gelebt, als Sie das letzte Mal ihre Wohnung verlassen
haben?
– Ja, das hat sie.
– Leider kann das aber niemand bezeugen.
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