Dunkelkammer, ein Bronski Krimi

Aichner, Bernhard · Kapitel 37 von 52

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Dunkelkammer, ein Bronski Krimi

Sechsunddreissig

MONA BRONSKI & DAVID BRONSKI

– Every step I take, every move I make / I’ll Be Missing You. – Das ist Puff Daddy, oder? Gemeinsam mit Faith Evans. Nummer eins der

Hitparade.

– Nicht quatschen. Singen, Bronski.

– Keine gute Idee. Du machst das wesentlich besser als ich. – Komm schon, Geliebter.

– Ich kann das nicht, Mona.

– Wenn du nicht mit mir singst, werde ich nie wieder mit dir schlafen. – Ernsthaft?

– Schaue ich so aus, als würde ich scherzen?

– Du schaust atemberaubend aus.

– Aber?

– Dieses Lied. Es ist wunderschön, aber es macht mich traurig. – Warum?

– Hast du mal auf den Text gehört? Einer stirbt, und der andere vermisst

ihn. Bei jeder Bewegung, bei jedem Schritt. Das muss verdammt wehtun.

Ich will dich nicht vermissen, Mona.

– Verstehe.

– Ich würde durchdrehen, wenn dir etwas passieren würde. Das würde ich

nicht überleben, Mona.

– Doch, das würdest du.

– Da bin ich mir nicht so sicher, du bist alles, was ich habe. – Das stimmt so nicht. Ab jetzt sind wir nämlich zu dritt. – Wie meinst du das?

– So, wie ich es sage. Ab sofort musst du dich nicht nur um mich kümmern,

sondern auch um dieses kleine Wesen in meinem Bauch. – Nein.

– Doch, Bronski. Das wilde Leben ist jetzt vorbei, in ein paar Monaten

heißt es Windeln wechseln und Kinderwagen schieben. – Du bist schwanger?

– Schaut so aus, mein Lieber.

– Wahnsinn.

– Du strahlst. Freust dich also?

– Ja, verdammt noch mal, ich freu mich. Sehr sogar. Ein Baby. Wir beide.

Komm her, Mona. Lass dich umarmen.

– Kann es selbst noch nicht glauben. Hab eben den Test gemacht. – Kann man sich auf den verlassen?

– Ich habe drei gemacht. Ist nämlich ziemlich krass, das Ganze. Mutter

werden. Das hatte ich eigentlich noch nicht auf dem Schirm. – Wir schaffen das, Mona.

– Ich weiß nicht, ob ich die Kraft dazu habe. Ob ich das kann. – Natürlich kannst du das. Gemeinsam bekommen wir das hin. – Ein Kind großziehen. Wie soll das gehen? Verantwortung übernehmen,

ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt will, David. – Was redest du denn da? Natürlich willst du das. Still und heimlich haben

wir uns das doch immer gewünscht.

– Aber ich dachte nicht, dass es so schnell gehen wird. Ich dachte, ich kann

mich noch ein bisschen darauf vorbereiten.

– Du hast neun Monate Zeit dafür.

– Nur noch sieben, du Schlauberger. Außerdem habe ich das nicht so

gemeint. Ich habe von Jahren gesprochen, nicht von Monaten. – Verzeih.

– Ich weiß nicht, ob ich schon so weit bin.

– Ich verstehe dich, Mona.

– Tust du das?

– Ja. Ist auch für mich schwer vorstellbar, wie sich unser Leben verändern

wird. Trotzdem freue ich mich.

– Ich habe Angst davor, David.

– Ich auch. Aber ich wünsche mir nichts mehr als eine Familie mit dir.

Dafür würde ich sogar noch mit dem Singen anfangen. Wobei das für

unser kleines Mädchen bestimmt nicht gut wäre. – Unser kleines Mädchen?

– Ja. Sieht man doch an deinem entzückenden Bäuchlein, dass da kein

ungezogener Junge wie ich drin sein kann.

– Da ist was dran. Ich bin auch für ein Mädchen. Aber nur, wenn ich den

Namen aussuchen kann.

– Wie soll die Süße denn heißen?

– Judith.

– Das ist ein schöner Name.

– Findest du?

– Ist bereits beschlossene Sache. Von mir aus können wir gleich in den

Laden laufen und ein paar hübsche Kleidchen kaufen. Außerdem müssen

wir uns um einen Kindergartenplatz kümmern und einen Termin für den

Geburtsvorbereitungskurs machen.

– Optimal. Kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. – Stimmt. Bleibt nur noch die Sache mit dem Singen. – Du sagst es, Bronski.

– Ich kann es ja mal versuchen.

– Braver Junge. Dafür lieb ich dich.

– Ich dich auch, Mona.

– Na dann, vermiss mich mal.

– I try.

– Every step I take, every move I make …

– I’ll be missing you.

– What a life to take, what a bond to break …

– I’ll be missing you.

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