Dunkelkammer, ein Bronski Krimi

Aichner, Bernhard · Kapitel 47 von 52

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Dunkelkammer, ein Bronski Krimi

Sechsundvierzig

DAVID BRONSKI & ALBERT LAUFENBERG

– Schönes Schwimmbad, Arschloch.

– Was zur Hölle macht ihr hier?

– Wir müssen dringend miteinander reden, Albert. – Raus hier, oder ich rufe die Polizei.

– Kannst du gerne machen. Aber Tatsache ist, dass die sich nicht für mich

interessieren. Ich habe einen Mord gestanden, aber sie haben mir nicht

geglaubt. Die haben mich wieder nach Hause geschickt. Unfassbar, oder?

Dein Plan hat trotz meiner Mitwirkung nicht funktioniert. – Geh mir aus dem Weg.

– Nein.

– Gib mir ein Handtuch, verdammt noch mal.

– Träum weiter.

– Raus hier, habe ich gesagt.

– Ganz ruhig, Albert. Bevor wir hier beginnen, uns anzuschreien, möchte

ich ein paar Dinge klarstellen. Also hör gut zu. Und vor allem, schau

genau hin. Wie du siehst, hat Anna eine Waffe in der Hand. Solltest du

jetzt also eine falsche Bewegung machen, wird sie abdrücken. Sie wird

dich nicht töten, aber sie wird dir in dein Bein schießen oder in deine

Schulter vielleicht. Du wirst zu Boden gehen und Blut verlieren. Viel

Blut. Anna hat sich nämlich schon den ganzen Tag darauf gefreut, dir

wehzutun. Ich rate dir also, dich nicht vom Fleck zu rühren. Keinen

Zentimeter, hast du verstanden?

– Was wollt ihr von mir?

– Diese Frage ist eine Provokation, aber weil ich nicht möchte, dass das

Ganze hier unnötigerweise eskaliert, erkläre ich es dir gerne noch mal.

Nach unserem letzten Gespräch ging ich davon aus, dass wir eine

Vereinbarung hatten. So wie es aussieht, hast du dich aber nicht an diese

Vereinbarung gehalten. Und wie du dir vorstellen kannst, macht mich das

sehr wütend. Um ganz ehrlich zu sein, wärst du bereits tot, wenn es nach

mir gehen würde. Nur Anna hast du es zu verdanken, dass du immer

noch unverletzt hier herumstehst. Ich musste ihr versprechen, mich

zurückzuhalten.

– Aber es läuft doch alles nach Plan. Ich weiß nicht, was das hier soll. Als

ich den Artikel gelesen habe, habe ich deinem Freund doch sofort gesagt,

dass er sie freilassen soll.

– Hast du nicht.

– Aber wenn ich es dir doch sage.

– Du lügst, Albert. Weil du Angst hast. Hör auf, uns Märchen zu erzählen,

so viel Zeit haben wir leider nicht. Es geht jetzt nur darum, dass du uns

eine einzige Frage beantwortest. Und zwar schnell. Wo ist Judith? – Darf ich mir etwas anziehen?

– Nein. Du sollst mir einfach nur sagen, wo sie ist. – Das kann ich leider nicht tun.

– Ich sehe, dass Annas Arm zuckt. Besser, du redest jetzt. Sie wird sonst

schießen. Auf deine Kniescheibe vielleicht. Du wirst nie wieder richtig

laufen können, wenn die Kugel den Knochen zerschmettert. Du wirst es

ein Leben lang bereuen, dass du so stur warst. Also, gib mir die Adresse

und es ist gut. Anna wird bei dir bleiben, bis wir sicher sind, dass Judith

wohlauf ist. Wenn du die Wahrheit sagst, wird dir also nichts passieren. – So habt ihr euch das ausgedacht? Ihr kommt hier an und bedroht einen

nackten Mann? Ihr glaubt tatsächlich, dass ihr damit etwas erreicht? – Du hast noch zehn Sekunden, Albert.

– Die Drohungen kannst du dir sparen. Deine Schwester wird nämlich nicht

schießen. Dafür ist sie zu schlau. Sie weiß, dass ihr gar nichts mehr von

mir erfahren werdet, wenn ihr mich jetzt verletzt. Je länger sie auf mich

zielt, desto schlimmer wird die Situation für dein Mädchen. Nicht

auszudenken, was dein Freund Kurt mit ihr machen wird, wenn ich mich

nicht gesund und munter bei ihm melden werde.

– Sie ist also noch bei ihm?

– Wer weiß.

– Wer sagt mir, dass sie nicht schon längst tot ist? – Niemand. Du musst mir wohl oder übel vertrauen. Ich bin es nämlich, der

hier die Zügel in der Hand hält. Daran hat sich nichts geändert. Und auch

nicht daran, dass ich dir sagen werde, was passieren wird. Du hast zwei

Möglichkeiten, das hier zu beenden, David. Entweder du schlägst mir

jetzt den Schädel ein und verpasst damit die letzte Chance, dein Mädchen

wiederzusehen. Oder du hältst dich zurück und ich kümmere mich

darum, dass dein obdachloser Freund die Finger von ihr lässt. Ich werde

ihn anrufen und ihm sagen, dass er sie gehen lassen soll. – Warum solltest du das tun?

– Weil ich kein Unmensch bin. Ich habe sie großgezogen, ich würde es

niemals über das Herz bringen, ihr etwas anzutun. – Du hast sie entführen und betäuben lassen.

– Weil ich wollte, dass sie nichts von alldem mitbekommt. Sie soll

weiterhin ein unbeschwertes Leben führen, oder? Deshalb werdet ihr

beide jetzt auch von hier verschwinden. Noch habt ihr die Gelegenheit

dazu. Wenn ihr sofort mit diesem Unfug aufhört, werde ich euch auch

nicht anzeigen, wir werden einfach so tun, als wäre nichts passiert. – Du schätzt die Situation völlig falsch ein, Albert. Du hast keine

Vorstellung davon, was gleich mit dir passieren wird, wenn du nicht

kooperierst.

– Klingt sehr dramatisch. Berührt mich irgendwie, was du sagst. Ich kann

mir durchaus vorstellen, wie verzweifelt du bist und wie sehr du mich

verachtest. Es muss wirklich ärgerlich für dich sein, dass du dich jetzt

zurückhalten musst.

– Ich werde mich nicht zurückhalten.

– Was denn dann?

– Ich werde dir mit meiner Faust ins Gesicht schlagen. – Ahhhhh. Bist du wahnsinnig? Meine Nase.

– Wo ist meine Tochter?

– Das hättest du nicht tun sollen.

– Ich mache es gleich noch mal, wenn du nicht redest. – Das war ein Fehler, Bronski. Ein schwerer Fehler. – Du sollst mir sagen, wo mein Kind ist.

– Darf ich mich hinsetzen?

– Von mir aus. Wird die Sache nicht besser machen. – Ahhhhh.

– Ich höre erst auf, wenn ich weiß, was du mit ihr gemacht hast. – Das ist jämmerlich. Auf einen wehrlosen Mann einzutreten, der mit einer

Waffe bedroht wird. Das ist das Letzte.

– Mag sein. Aber am Ende ist es so, dass du für das alles hier

verantwortlich bist. Du mieser Drecksack willst es nicht anders. – Kurzzeitig dachte ich tatsächlich, du wärest ein kultivierter Mensch. Aber

nein. Du bist ein Prolet, ein Schläger, genauso strohdumm und einfältig,

wie ich ursprünglich angenommen hatte.

– Ach, Laufenberg.

– Ahhhhh. Verdammt. Wenn du so weitermachst, hat die Polizei endlich

einen Grund, dich zu verhaften. Schwere Körperverletzung, das reicht für

ein oder zwei Jahre.

– Bei Körperverletzung wird es nicht bleiben. Ich bring dich um, wenn du

nicht sofort dein arrogantes Maul aufmachst. Du sagst mir jetzt, wo

meine Tochter ist, oder ich werde so lange zuschlagen, bis du nur noch

winselst.

– Du willst also, dass ich dir die Wahrheit sage? Kann ich gerne machen.

Bin mir aber nicht sicher, ob du damit umgehen kannst. – Rede.

– Einverstanden. Da ich annehme, dass das Ganze hier nicht gut für mich

ausgehen wird, werde ich die Gelegenheit nützen und ehrlich zu dir sein.

Mit großem Vergnügen werde ich ein bisschen Licht in deine traurige

Welt bringen.

– Du solltest jetzt zum Punkt kommen.

– Na gut. Wir beginnen mit Kurt. Du hast ja mitbekommen, dass er für ein

paar Scheine seine Freundschaft zu dir verraten hat. Ich würde sagen,

einen besseren Kandidaten hätte ich nicht finden können, um dich

vorzuführen. Er war so folgsam, er hat sogar meine Frau für mich

umgebracht.

– Was hat er?

– Klingt verrückt, oder? Dass jemand bereit ist, für ein bisschen Geld ein

Menschenleben auszulöschen. Hätte nicht gedacht, dass es so einfach

sein würde, sie loszuwerden. Meine Margit. Sie hat leider die Nerven

verloren. Kann natürlich passieren in solchen Extremsituationen, aber gut

ist das natürlich nicht. Wäre doch fatal gewesen, wenn sie alles

verdorben hätte. Nur wegen dieses fürchterlichen Kindes. Nur weil sie es

sich damals unbedingt eingebildet hat. Kauf dir doch lieber ein paar

Schuhe , habe ich zu ihr gesagt. Aber nein, sie wollte dieses Baby.

Unglaublich, oder? Beinahe hätte mir diese Göre alles versaut. Dieses

Dreckskind. Wenn ich an diese Augen denke, wird mir schlecht. Ich habe

sie gezwungen, Kontaktlinsen zu tragen, ansonsten hätte ich diesen

Anblick nicht ertragen all die Jahre.

– Sei still.

– Mir ist klar, dass du das nicht hören willst. Aber deine missratene Tochter

hat uns allen das Leben schwergemacht. Obwohl wir alles für sie getan

haben, hat sie mein Vertrauen missbraucht. Anstatt dankbar für das zu

sein, was wir ihr ermöglicht haben, hat sie alles in Frage gestellt. Sie hat

unsere Familie auseinandergerissen und kaputt gemacht. – Du willst es nicht anders.

– Aaaaahhhhhh.

– Sag mir einfach, wo sie ist, dann hast du es hinter dir. – Ist schon in Ordnung. Ein paar Tritte in den Magen verkrafte ich noch.

Kurz halte ich noch durch, versprochen. Es ist mir nämlich wichtig, dass

du noch über eine Sache Bescheid weißt, bevor hier der Vorhang fällt. Es

wäre wirklich zu schade, wenn du es von jemand anderem erfahren

würdest.

– Du spielst mit deinem Leben, Laufenberg.

– Ist mir klar. Aber ich kann nicht anders. Ich bin so gespannt auf dein

Gesicht. Ich möchte unbedingt wissen, ob du es auch so toll findest wie

ich.

– Wovon redest du, du verdammter Irrer?

– Es geht um deine Frau.

– Was ist mit ihr?

– Du sollst wissen, was ich mit ihr gemacht habe. – Was zur Hölle soll das?

– Ich habe sie gefickt.

– Hast du nicht.

– Doch, Bronski. Ich habe euch beide gefickt.

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