Dunkelkammer, ein Bronski Krimi
Siebenundvierzig
Ich wollte, dass er sein dreckiges Maul hielt.
Kein schlechtes Wort mehr über die Frau, die ich geliebt habe. Keine Sekunde länger wollte ich es ertragen, trotzdem hielt ich mich zurück. Ich wollte wissen, was ihm so wichtig war, dass er bereit war, noch weitere Schläge und Tritte zu ertragen.
Auch wenn ich mir sicher war, dass er mich wieder täuschen wollte, hörte ich ihm zu. Ich wollte erfahren, was er über Mona wusste. Der Gedanke war zwar absurd, aber ich musste herausfinden, ob er sie getroffen hatte. Ob etwas zwischen den beiden passiert war.
Ich verstand nicht, warum er sie ins Spiel gebracht hatte. Irgendetwas stimmte hier nicht.
Laufenberg erzählte es mir.
Seelenruhig und mit einem Grinsen im Gesicht sagte er mir, dass Judith ihm damals von der Frau berichtet hatte, von der sie in Berlin angesprochen worden war. Laufenberg hatte mitbekommen, dass Mona wie durch ein Wunder einen Volltreffer gelandet hatte, dass sie nach Leipzig gefahren war und vor seinem Anwesen nach Judith Ausschau hielt. Sofort sorgte er dafür, dass sie von der Bildfläche verschwand. Judith hatte begonnen, Fragen zu stellen, sie hatte sich emotional in die Sache verstrickt. Es war notwendig geworden, dass er sich um die Sache kümmerte. Er suchte eine Lösung für sein Problem. Laufenberg ließ Mona und mich überwachen.
Er musste verhindern, dass sich seine Welt mit unserer vermischte. Was ihm all die Jahre gelungen war, sollte auch für die folgenden gelten. Sein Verbrechen sollte unentdeckt bleiben.
Laufenberg machte es möglich.
Unter Schmerzen, aber trotzdem mit großem Vergnügen beichtete er, was er getan hatte. Er sprach über die Ungeheuerlichkeit, die er sich ausgedacht hatte, darüber, dass er eine Vereinbarung mit Mona getroffen hatte. Er war beeindruckt davon, wie Mona auf seinen Vorschlag reagiert hatte, er schwärmte davon, wie selbstlos sie ihren Beitrag dazu geleistet hatte, damit Rebecca weiterhin ein unbeschwertes Leben führen konnte. Mona war wirklich brav, sagte er. Eine richtig gute Mutter.
Ein bisschen dumm vielleicht, dafür aber umso folgsamer. Laufenberg warf mir seine dreckigen Sätze ins Gesicht. Es waren Demütigungen.
Was noch gut war, zerbarst.
Deine Frau hat keine Sekunde lang an sich selbst gedacht. Die gute Mona hat es einfach durchgezogen.
Wir haben uns prächtig verstanden.
Begeistert erzählte er mir, dass er zu der Zeit damals einen Krimi gesehen hatte, der ihn nachhaltig beeinflusst hätte. Der Täter in dem Film hatte eine grandiose Idee gehabt, er war Visionär und seine Methode äußerst effektiv. Das könne er auch, hatte Laufenberg damals zu sich selbst gesagt und die fiktive Handlung eines engagierten Drehbuchautors Wirklichkeit werden lassen. Ein grausamer Plan war es.
Perfekt umgesetzt.
Laufenberg war stolz auf das, was er getan hatte. Er offenbarte mir jedes Detail.
Lass dir das auf der Zunge zergehen, sagte er. Ich war wie gelähmt.
Malte mir aus, was er skizzierte.
Ich sah vor mir, wie sie dieses Telefon in die Hand nahm. Schulte hatte es kurz vorher unbemerkt in ihre Handtasche gelegt. Ein billiges Klapphandy mit Wertkarte.
Mona hatte keine Ahnung, wie es in ihren Besitz gekommen war. Warum es klingelte. Und was der Mann von ihr wollte, dessen Stimme sie plötzlich hörte.
Ein völlig Fremder drohte ihr.
Machte ihr klar, dass sie in ein Wespennest gestochen hatte. Sie werden sterben, sagte er.
Und Mona starb.
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