Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem
2. Die modernen Versuche. W. Brandt, Fr. Spitta, A. Eichhorn.
einen Befehl Jesu umgesetzt, was schon eine Milderung bedeute. Das
eschatologische Schlusswort lässt er unbeachtet und schneidet sich so den Weg
ab, der STRAUSS aus den Schwierigkeiten, welche die einseitige Betonung des
Genussmomentes nach sich zieht, herausführte.
Nach E. RENAN[10] hat Jesus am letzten Abend die gewöhnliche gemeinsame
Mahlzeit mit dem Brotbrechen im Kreise seiner Jünger gefeiert. „Dans ce repas,
ainsi que dans beaucoup d'autres, Jésus pratique son rite mystérieux de la
fraction du pain.“ Das eschatologische Schlusswort ist für RENAN zweifelhaft
und ohne Bedeutung. Die synoptischen Abendmahlsberichte erklären sich nur
aus der Entwicklung der späteren Anschauungen, für welche das letzte Mahl ein
Passahmahl war; dadurch drangen der Leidensgedanke, die Beziehung der
Elemente auf den Leib Jesu und die Anordnung der Wiederholung in die
Darstellung des letzten Mahles ein.
2. Die modernen Versuche. W. Brandt, Fr. Spitta, A. Eichhorn.
Vergleiche zum Folgenden den verhängnisvollen Vortrag von E. GRAFE (Die
neuesten Forschungen über die ursprüngliche Abendmahlsfeier. Zeitschrift
für Theologie und Kirche 1895) und die klare Zusammenfassung von RUD.
SCHÄFER (Das Herrenmahl nach Ursprung und Bedeutung 1897).
Erst das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bietet eine Abhandlung, in der die
bei STRAUSS, BAUER und RENAN angedeuteten Gedanken sich in voller Schärfe
und Konsequenz zu einem einheitlichen Bilde entwickeln. Es ist die
epochemachende Arbeit SPITTA's. Die Werke von AD. HARNACK und W. BRANDT
gehen ihr zeitlich in der Hervorhebung des ausschliesslichen
Mahlzeitscharakters der historischen Feier voraus. Da jedoch HARNACK schon
mehr zu den doppelseitigen Darstellungen mit Zugrundelegung des
Genussmoments überleitet, ist es rätlich, ihn erst dort zu behandeln. Zudem hat
er in der 3. Auflage seiner Dogmengeschichte (Bd. I S. 64) zu dem
Lösungsversuch SPITTA's Stellung genommen und seine eigene Ansicht daraufhin
neu formuliert.
3. W. Brandt.
Die evangelische Geschichte und der Ursprung des Christentums. Leipzig
1893 S. 283 ff.