Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem
3. Der paulinische Bericht (I Kor 11 23-26).
muss ja notwendig erwähnt werden, dass sie alle davon getrunken haben. Bei der
Aufforderung aber ist das πάντες selbstverständlich, oder — wenn es die Weihe
der Aufforderung nachdrücklich hervorheben soll — wie kann es dann beim
Brot fehlen? Hier wäre es wirklich gefordert, da Jesus nicht ohne weiteres
annehmen kann, dass alle das Stückchen Brot, das er ihnen darbietet, auch
wirklich essen, während er dem Herumgehen des Kelches mit dem Auge folgt.
Bei Paulus, Lukas und Justin ist dann das πάντες, als nicht mehr von Belang,
auch wirklich ausgefallen.
Die Verbindung des eschatologischen Schlussworts mit dem Kelchwort nach
rückwärts, dem Aufbruch zum Leidensweg nach vorwärts ist bei Matthäus noch
gewahrt. Jedoch ist es mit dem Kelchwort nicht mehr durch das gewaltige ἀμήν
in Steigerung verbunden, so dass es, wie bei Markus, den Höhepunkt der
ganzen Feier bildet, sondern es ist nur mehr eine mit δέ beigeordnete
Schlussbemerkung (Markus ἀμήν λέγω ὑμῖν, Matthäus λέγω δέ ὑμῖν).
So befindet sich die Gleichbildung bei Matthäus noch im Fluss. Bei Paulus ist
sie schon viel weiter fortgeschritten.
3. Der paulinische Bericht (I Kor 11 23-26).
Hinter jedem Akt ist abschliessend angefügt: τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν
ἀνάμνησιν. Durch Uebernahme eines auf die Bedeutung des Todes hinweisenden
Worts (τὸ ὑπὲρ ὑμῶν) gleicht sich der erste Akt dem zweiten an. Nur das
ἔκλασεν hat keine Parallele.
Bei Markus und Matthäus beschloss das Wort von der Wiedervereinigung beim
Mahl im zukünftigen Reich den Spruch über dem Becher. Nur scheinbar ist es
bei Paulus ausgefallen. Er setzt es vielmehr als Abschluss bei beiden Akten
voraus: ὁσάκις γὰρ ἐὰν ἐσθίητε τόν ἄρτον τοῦτον καὶ τὸ ποτήριον πίνητε, τὸν
θάνατον τοῦ κυρίου καταγγέλλετε, ἄχρι οὗ ἔλθῃ (V. 26).
Bis dass er kommt — darin liegt die Erwartung des Kommens des Herrn und
des Anbruchs des Reiches. Dies darf man für die Erklärung des τοῦτο ποιεῖτε εἰς
τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν nicht ausser Acht lassen. Danach ist die ἀνάμνησις
doppelseitig: nach rückwärts eine Erinnerung an den Tod Jesu, nach vorwärts ein
Gedenken an seine Parusie. Die Feier gilt dem Gekreuzigten, der als Messias bei
seiner Ankunft offenbart werden wird, als welcher er schon jetzt durch die
Auferstehung zur Rechten Gottes erhöht ist.