Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem
Zwölftes Kapitel.
Der Vergleich der Berichte.
1. Das Prinzip der Gleichbildung.
Aeusserlich betrachtet zeigt sich die Eigenart des Markusberichts darin, dass die
beiden Akte an Umfang und Gesichtspunkten verschieden sind. Der erste ist
ganz kurz; er beschränkt sich auf das Gebetswort, das Brechen zum Austeilen
und die Gleichnisrede; der zweite enthält das Gebetswort, die Austeilung, die
Erwähnung des Genusses, die Gleichnisrede, den Hinweis auf die
Heilsbedeutung des Todes und das eschatologische Schlusswort. Der Vergleich
zeigt, dass bei den andern Berichten die beiden Akte in steigendem Masse
einander gleichgebildet werden, sowohl dem Umfang nach, als auch
hinsichtlich der Gesichtspunkte, die sie enthalten. Wir erhalten zwei Parallelakte,
indem die Handlungen und Worte beim Wein genau denen beim Brot
entsprechen.
Diese Gleichbildung erfolgt entweder so, dass die Momente des zweiten Akts in
den ersten eingetragen werden (Matthäus, Paulus, Lukas), oder so, dass der
zweite Akt nach Analogie des ersten zusammengezogen wird (Justin).
2. Der matthäische Bericht (Mt 26 26-29).
Matthäus befindet sich auf dem Wege zur Gleichbildung. Durch das φάγετε ist
die ausdrückliche Erwähnung des Genussmoments in den ersten Akt
aufgenommen. Da im zweiten an Stelle der Konstatierung ebenfalls die
Aufforderung zum Genuss getreten ist, so entsprechen sich beide Akte in diesem
Punkte vollkommen. λάβετε, φάγετε· τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου. πίετε ἐξ αὐτοῦ
πάντες· τοῦτο γάρ ἐστιν τὸ αἷμά μου. Die Gleichbildung ist aber noch nicht
vollständig vollzogen. Dem ersten Akt fehlt ein dem Wort über die Bedeutung
des vergossenen Bluts entsprechender Hinweis (τὸ περὶ πολλῶν). Auch das
eschatologische Wort, welches das Gleichnis über dem Wein beschliesst, ist
beim Brot noch nicht vertreten.
Zudem zeigt das im zweiten Akt stehen gebliebene πάντες, dass hier eine Konstatierung in eine Aufforderung umgesetzt worden ist. Bei der Konstatierung