Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem

6. A. Eichhorn.

SPITTA's Eschatologie bezieht sich auf die Aufforderung zum Genuss des

Leibes und Blutes. Das synoptisch-eschatologische Wort steht damit in keinem

Zusammenhang, sondern folgt erst auf den Genuss.

 

SPITTA's Auffassung ist also ganz unabhängig vom synoptisch-eschatologischen

Schlusswort. Es figuriert auch nicht in seiner kürzesten Form der

Einsetzungsworte, sondern diese lauten einfach:

 

„Nehmet, esset, das ist mein Leib.“

 

„Trinket alle daraus. Das ist das Blut meines Bundes, das für viele vergossen

wird.“

 

Diese Worte konstituieren die Feier, denn „in der Gemeinde wurde immer daran

gedacht, wie er damals darauf hingewiesen, er sei jetzt und in alle Ewigkeit die

rechte Speise und Erquickung ihrer Seele“ (S. 289). So wird das synoptisch-

eschatologische Schlusswort zum wehmütigen Abschiedswort, welches von

dem Jubelklang der eschatologisch siegesgewissen Stimmung zum Todesgang

überleitet.

 

Christus die rechte Seelenspeise: dieser Gedanke ist modern. Die Eschatologie

SPITTA's zielt dahin, diesen Gedanken durch eine Zusammenstellung von

alttestamentlichen und apokryphischen Sprüchen in künstlich-antikem Licht

spielen zu lassen, damit er die Aufforderung Jesu zum Genuss seines Leibes und

Blutes für die historische Situation erkläre. Verzichtet man auf dieses künstliche

Licht, dann bleibt nur das skeptische Dunkel. Das ist bei EICHHORN der Fall.

 

6. A. Eichhorn.

 

Das Abendmahl im Neuen Testament. Hefte zur christlichen Welt No. 36.

1898.

 

„Wenn wir unseren Berichten trauen dürfen“, hat Jesus das erste Abendmahl mit

seinen Jüngern so gehalten, dass er ihnen Brot und Wein ausgeteilt und sie

seinen Leib und sein Blut gegessen und getrunken haben. Aller Nachdruck fällt

auf den Genuss. Eine auf Jesu Handeln sich gründende Symbolik kann bei der

Betonung des Genusses nicht bestehen. Man darf nicht sagen, dass das

Brechen des Brotes auf das Zerbrechen des Leibes und das Trinken des

Weins auf das Vergiessen des Bluts hindeutet. Die Handlung, die in

Wirklichkeit vorgenommen wird, ist einfach das Essen und Trinken.