Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem

3. Das Ergebnis der Textkritik.

wodurch die matthäische Konstruktion so besonders ungelenk wird.

 

Der paulinische und der justinische Bericht sind von dieser Schwierigkeit

befreit: sie vereinfachen die Situation, indem sie die Darreichung (ἔδωκεν) und

die Aufforderung zum Genuss (λάβετε) auslassen.

 

Das φάγετε in Mk 14 22[17] ist naive matthäische Nachbildung. Die alten Zeugen

bieten nur λάβετε.

 

Der Zusatz καινῆς, den einige Lesarten bei dem Wort über dem Becher in Mk 14

24[18] bieten, beruht auf naiver Nachbildung der paulinischen Version.

 

3. Das Ergebnis der Textkritik.

 

Die Verschiedenheit der Lesarten ist nicht darin begründet, dass die eine mit

ihren Wurzeln historisch höher hinaufreicht als die andere. Sie gehen zum Teil

aus der Schwierigkeit hervor, welche die betreffenden Auffassungen haben, sich

stilistisch darzustellen. Zum Teil entspringen sie der Tendenz, die Berichte

einander gleichzubilden. Dazu war es aber schon zu spät: die verschiedenen

Typen hatten schon eine zu scharfe historische Ausprägung erhalten, als dass es

den nachbessernden Versuchen hätte gelingen können, den Einheitstypus

herzustellen, an dem die vorhergehende geschichtliche Epoche sich vergebens

abgearbeitet hatte.

 

Den letzten Versuch dieser Gleichbildung bietet der textus receptus, sofern er

den ersten Akt bei Paulus nach Analogie mit dem matthäischen darstellt und

dadurch eine Aufforderung zum Genuss einträgt (nehmet, esset), die in I Kor 11

24 ursprünglich fehlt.

 

Die Aufgabe der Textkritik in der Abendmahlsfrage besteht darin, dass sie jeden

der Berichte in seiner charakteristischen Eigentümlichkeit darstellt, indem sie

ihn von den Spuren der versuchten litterarischen Gleichbildung mit andern

befreit. Diese Aufgabe, so bescheiden sie scheint, ist von eminenter Tragweite.

Hätte sich die Gleichbildung der Berichte wirklich durchgesetzt, so wäre

das Abendmahlsproblem unlösbar.

 

Fussnoten:

 

[12] D, a, ff². Die Ausgabe von WESTCOTT und HORT hat diese Lesart adoptiert.

 

[13] In derselben Absicht lässt syrcu Vers 20 aus und setzt dafür Vers 17 und 18 ein.