Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem
3. Erich Haupt.
nicht auf das Wesen der Elemente habe beziehen können, sondern dass die ganze
Bedeutung der historischen und der urchristlichen Feier auf der Mahlzeit als
solcher beruht habe.
Das Abendmahl muss eine wirkliche Mahlzeit gewesen sein; die in Frage
kommende Handlung ist das Essen und Trinken. Jesu Worte beziehen sich auf
den Genuss. „Die wichtigste Funktion des natürlichen Lebens hat der Herr
geheiligt, indem er die Nahrung als seinen Leib und sein Blut bezeichnet hat. So
hat er sich für die Seinen auf immer mitten hineingestellt in ihr natürliches
Leben und sie angewiesen, die Erhaltung und das Wachstum dieses natürlichen
Lebens zur Kraft des Wachstums des geistigen Lebens zu machen.“
Mit diesem Moment sucht nun HARNACK noch ein anderes in Beziehung zu
setzen und dadurch diese allgemeine religiöse Wertung des Genusses zu
spezifizieren. „Der Herr hat ein Gedächtnismahl seines Todes eingesetzt, oder
vielmehr, er hat die leibliche Nahrung als sein Fleisch und sein Blut, d. h. als die
Nahrung der Seele, bezeichnet (durch die Sündenvergebung), wenn sie mit
Danksagung in Erinnerung seines Todes genossen wird.“
Dieser Satz ist für HARNACK's Auffassung entscheidend. „Oder vielmehr“, „d. h.“
und „wenn“ sind die Rangiergeleise, auf denen man von dem allgemeinen,
wunderbar tiefen Gedanken herkommend, „dass der Herr die wichtigste
Funktion des natürlichen Lebens geheiligt habe“, umsetzt, um die Einfahrt zur
historischen Feier, mit dem dort ausgedrückten Leidensgedanken, zu gewinnen.
Der allgemeine Mahlzeitcharakter seiner Auffassung wird also näher bestimmt
durch folgende Sätze:
1. Es handelt sich um eine Stiftung.
2. Der Wiederholungsbefehl ist irgendwie in der historischen Situation
enthalten.
3. Die Feier hat eine Beziehung auf den Tod des Stifters.
3. Erich Haupt.
Ueber die ursprüngliche Form und Bedeutung der Abendmahlsworte. Halle,
Universitätsprogramm 1894.
Indem Jesus die zu Tische liegenden Jünger bei der Darreichung des Brotes und
des Weines auffordert, seinen Leib und sein Blut zu geniessen, will er sagen: „Meine Person ist Träger der Kräfte eines höheren Lebens, welches so