Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem

Achtes Kapitel.

 

Die Auffassungen mit einseitiger Geltendmachung des

Darstellungsmoments.

 

1. Das Gefechtsfeld.

 

Die Darstellungen mit ausschliesslicher Betonung des Genussmoments

bedeuteten einen kühnen Vorstoss gegen die allgemein verbreitete Auffassung,

welche durch die Namen RÜCKERT, HOLTZMANN und LOBSTEIN vertreten ist. Es

konnte einen Augenblick scheinen, als hätte die hergebrachte Ansicht durch

diesen unerwarteten, geschlossenen Angriff gegen die Deutung der Gleichnisse

aus dem Handeln Jesu alle ihre Positionen verloren. Jetzt aber, wo die Lage sich

langsam klärt, zeigt sich, dass dies nicht der Fall ist.

 

Wohl mussten einige exponierte Stellungen von dem angegriffenen Teil

aufgegeben werden. Dafür hat er sich aber in eine Position zurückgezogen, die

als unüberwindbar gelten darf. Die Sache steht so, dass der Angreifer darauf

verzichten muss, diese befestigte Stellung jemals zu erobern, der Angegriffene

aber auf absehbare Zeit nicht an eine Aktion im freien Felde denken kann.

 

Zu den aufgegebenen Positionen gehört vor allem die Stellung zur Frage des

Passahmahls. Während bis in die 70er und 80er Jahre das letzte Mahl den

Synoptikern entsprechend fast allgemein als Passahmahl aufgefasst wurde, sucht

man jetzt diese Frage aus dem Zusammenhang mit der Gesamtauffassung

herauszurücken. Man begnügt sich mit einer vorsichtigen chronologischen

Erwägung, ob das synoptische Datum wahrscheinlich sei oder nicht.

 

Aehnlich steht es mit dem Wiederholungsbefehl. Auch die Auffassungen mit

Zugrundelegung des Darstellungsmoments suchen sich von der Notwendigkeit

eines auf die Wiederholung hinweisenden Wortes frei zu machen.

 

Zugleich wird das Genussmoment im ganzen doch entschiedener hervorgehoben

als es bisher der Fall war. Es bleibt jedoch immer in Abhängigkeit vom

Darstellungsmoment und wird erst durch dasselbe verständlich.

 

Diese Verschiebungen in der Position kann man am besten in den successiven Kundgebungen LOBSTEIN's und HOLTZMANN's verfolgen, soweit sie die