Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu, Erstes Heft, Das Abendmahlsproblem
Sechstes Kapitel.
Die doppelseitigen Auffassungen mit Zugrundelegung des
Genussmoments und abgeleiteter Geltendmachung des
Darstellungsmoments.
AD. HARNACK, ERICH HAUPT, FR. SCHULTZEN, R. A. HOFFMANN.
1. Allgemeines.
Diese doppelseitige Reihe steht unter dem Einfluss der Auffassungen mit
einseitiger Herausarbeitung des Genussmoments. Während die Richtung, die
durch die Namen RÜCKERT, LOBSTEIN und HOLTZMANN gekennzeichnet wird, von
dem Handeln Jesu ausgehend den Genuss der Teilnehmer zu erklären versuchte,
verfahren die neuen doppelseitigen Auffassungen umgekehrt. Sie stellen den
Genuss in den Vordergrund und suchen dieses Moment nun so zu formulieren
und so zur Geltung zu bringen, dass auch das auf den Tod hinweisende Handeln
Jesu damit in irgend einer Weise vereinbar ist und daraus seine Erklärung
empfangt. Das Schwergewicht hat sich also von der einen auf die andere Seite
verschoben.
In letzter Linie sind es exegetische Bedenken, welche die betreffenden Verfasser
dazu führen, auch dem Leidensgedanken und dem Handeln Jesu Rechnung zu
tragen. „Die Worte sind mir zu mächtig“, sagt HARNACK bei der Würdigung der
Auffassung SPITTA's, deren Grundgedanke ihm zusagt, während die Exegese ihn
nicht befriedigt. Es ist das Motto auch der übrigen doppelseitigen Darstellungen.
2. Ad. Harnack.
Brot und Wasser: die eucharistischen Elemente bei JUSTIN (Texte und
Untersuchungen Bd. VII S. 117 ff. 1891). Theologische Litteraturzeitung
1892 S. 373-378. Dogmengeschichte (3. Aufl.) Bd. I S. 64.
Durch eine Untersuchung, ob Wasser oder ob Wein das eucharistische
Genusselement in der alten Kirche waren, kam HARNACK im Jahre 1891 dazu, in entschiedener Weise zu betonen, dass in jener älteren Zeit die Symbolik sich