Der vertauschte Sohn

Andrea Camilleri · Kapitel 21 von 75

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Der vertauschte Sohn

Eine Variante

 

Diese Geschichte von der Flucht mit dem Schiff vor dem Zorn des Vaters erzählte Luigi Pirandello in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, als er bereits Schriftsteller war, mit vielen Einzelheiten seinem Freund Pio Spezi. Dieser machte sie vierzig Jahre später, aus Anlaß der Verleihung des Nobelpreises an Pirandello, in einer römischen Tageszeitung bekannt. Pirandello reagierte ent-rüstet und dementierte die gesamte Grundhaltung dieser Geschichte. Spezi war darüber enttäuscht, denn diese Geschichte hatte ihm der junge Pirandello selbst erzählt. Tatsache ist, daß die Flucht zu Schiff nur eine phan-tastische Variante war: es ist absolut gesichert, daß der kleine Luigi sich nicht heimlich einschiffte, es ist absolut gesichert, daß er seinen Fuß nicht ins Gymnasium von Como setzte. Das beweisen die Klassenbücher des Gymnasiums von Girgenti.

Also, warum dann? Die Erzählung hat zahlreiche Brüche: unter anderem präsentiert sie uns einen leicht-gläubigen Kommandanten, der aber niemals den minder-jährigen Sohn eines Freundes heimlich eingeschifft hätte. Doch der offensichtlichste Bruch, der vor allem den phantastischen Charakter der Variante bloßlegt, tritt in der Nachgiebigkeit Don Stefanos angesichts der Flucht und der Entschlossenheit des kleinen Luigi zutage, seine schulische Weiterbildung in Como fortzuführen.

In der Erzählung biegt Luigino den Willen des Vaters für seine Bedürfnisse zurecht, der vertauschte Sohn beweist, daß er zu völliger Autonomie in der Lage ist, die den Beginn des Weges zu seiner Selbstentdeckung darstellt. Vierzig Jahre später ist die Beziehung zum Vater eine andere geworden, eine wesentlich andere, und Pirandello

 

-81- erkennt sich in der phantastischen Variante nicht mehr wieder.

 

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