Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 1 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 1 | Wo bin ich?

Annika Ha

 

Alea Reeves - vampire princess

lost

 

Für alle von euch, die Vampire genauso faszinierend finden :)

Tag 1 | Wo bin ich?

Pustend erhob ich mich vom eiskalten Boden. Mein Kopf brummte mir total. Ich musste gestürzt sein, als ich von meiner besten Freundin Julie nach Hause gesprintet bin. Wir zwei waren echt unverbesserlich… Es gab Momente, da wollte uns auf Teufel komm raus nicht einfallen, womit wir uns beschäftigen könnten. Und dann diese Momente… so wie eben gerade, wo wir einfach Mal die Zeit vergaßen. Eigentlich rechnete meine Mutter damit, dass ich um neun Uhr auf der Matte stand. Viel zu früh, wenn ihr mich fragt, immerhin bin ich inzwischen schon siebzehn Jahre alt. Aber jetzt stand der Zeiger meiner Armband Uhr schon auf halb elf. Verdammt, meine Mutter würde mich umbringen.

Während ich so in Gedanken durch die Gegend lief, wurde mir erst jetzt klar, dass ich eigentlich nicht die geringste Ahnung hatte wo ich überhaupt war. Nervös hielt ich in meiner Bewegung inne. Sowohl die Straße rechts als auch links runter war mir vollkommen fremd. Ich musste es mir eingestehen: Ich hatte mich total verlaufen.

Ich wollte nach meinem Handy greifen, doch ich musste feststellen, dass ich das auf Grund der Eile, bei Julie vergessen hatte. Verärgert haute ich mit meiner Faust gegen die Laterne… So ein Mist aber auch! Okay, ruhig, Jessy. Aufregen nutzt in diesem Fall auch nichts. Schau dich doch einfach ein wenig um. Vielleicht erkennst du eine Straße irgendwann wieder. Innerlich verfluchte ich wieder meinen total schlechten Orientierungssinn.

Ich bog wahllos in irgendwelche Gassen ab, je düsterer desto besser. Ja, ich war auch nicht stolz darauf in New York zu einer der aller untersten Schichten zu gehören. Meine Mum zog mich allein auf und hatte nun Mal kaum Geld in ihrer Tasche. Aber es gab wichtigere Dinge im Leben… und hey, ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt. Obwohl ich wirklich immer die dunkelsten aller dunklen Gassen genommen hatte, erreichte ich irgendwann eine kleine Hütte… leider immer noch nicht unsere. Sie schien komischer Weise ziemlich gut besucht. So neugierig wie ich immer war, wollte ich gerne erfahren, welche Veranstaltung dort stattfand, von der ich noch nichts wusste. Eigentlich war ich in Sachen Events sonst immer bestens informiert. Und … wer weiß. Vielleicht kannte ja irgendjemand von den Menschen da drinnen den Weg nach Hause.

Als ich das Lokal betrat, wurde es plötzlich ganz komisch. Alle Menschen in diesem Raum hielten in ihrer Unterhaltung inne und starrten mich entgeistert an. Der Mann hinter der Theke räusperte sich kurz und kreiste anschließend seinen Finger – auf ziemlich abgedrehte Art und Weise.

Doch im Nachhinein hätte ich mir diesen Teil auch nur eingebildet haben können, denn kurz darauf quasselten die Menschen hier weiter als wäre nichts gewesen. Unsicher und mit langsamen Schritten ging ich auf dem Mann hinter der Theke zu. Dieser lächelte mir ermutigend zu. Also… schön war diese Lokation für New York ja nicht gerade. Wäre hier weniger los gewesen, hätte ich es für eine herunterkommende Kneipe gehalten. Ich meine, in dem Balken entdeckte ich sogar … Was zur Hölle? … eine Fledermaus? Spinnen konnten hier echt nicht mehr weit entfernt sein.

»Was zu Trinken für die Lady?«, fragte mich der Mann. »Tut mir leid, aber ich bin noch keine einundzwanzig.« Ja, ich wusste bereits, dass mich jeder älter schätzte als ich eigentlich war. Das hatte Vorteile, wenn man gerne die Wahrheit verwieg. Aber ich gehörte nicht zu dieser Sorte Menschen.

»Ach was, das geht klar. Ich kenne deinen Vater Jason. Du bist Jennifer… habe ich nicht recht?« »Jenny«, verbesserte ich ihn und er lächelte mich an. Sein Lächeln sah wahnsinnig gut aus. Plötzlich fiel mir auf, dass keiner in dieser Hütte besonders alt war. Zweiundzwanzig höchstens. Den Mann an der Theke schätzte ich sogar erst auf neunzehn.

»Wenn man eine Bar so weit außerhalb eröffnet hat das den Vorteil, dass hier kaum mit der Polizei zu rechnen ist.« »Ah, so was wie eine illegale Kneipe ist das hier also?« »Das habe ich nie gesagt«, zwinkerte er mir zu. »Also… was sagst du zu meinem Angebot?« »Ich habe leider kein Geld bei mir. Himmel, ich habe ja nicht Mal mein Handy. Ich war so in Eile… ich habe einfach alles glatt vergessen.«

Der Mann versuchte anscheinend sein Lachen zu unterdrücken. »Na, dann geht der eben aufs Haus.« Ohne auf meine Antwort zu warten mixte er mir meinen Lieblingscocktail Swimmingpool. Woher wusste er das nur? Ich dachte nicht länger darüber nach, denn er wirkte einfach nur total charmant auf mich. Da kam mir mein Singledasein doch Ausnahmsweise mal echt gelegen.

»Wie heißt du eigentlich?«, wollte ich wissen und setzte einen Blick auf, den ich normaler Weise immer zum Flirten benutzte, allerdings war ich in letzter Zeit echt ein wenig aus der Übung. »Jared«, sagte dieser und kam nun um die Theke auf mich zu. »Wow, ich kenne niemand, der so schnell einen Cocktail trinkt.«

Verwirrt blickte ich in mein Glas. Mir war gar nicht klar gewesen, dass es schon fast leer war. Mein Gott, wie peinlich. Wenn ich nervös war, trank ich meistens viel zu schnell. Schnell suchte ich nach einer guten Ausrede: »Ich bin heute einfach in Partylaune… und von nichts kommt nichts.«

Man, musste ich nervös gewesen sein. Denn sonst hätte ich das sicher niemals gemacht. Ich wollte meine Worte einfach unterstreichen, indem ich wild tanzend auf ihm zu getorkelt kam. Ja, er sollte denken, dass das nicht mein erster Zwischenstopp war, was Alkohol betraf. Total doof von mir…

Aber naja, trotzdem… Im nächsten Moment schlang ich meine Arme um ihn und tanzte weiter an seiner Hüfte. Das wäre der Moment gewesen, an dem ich schon längst einen Stoppstrich ziehen sollte, aber ich hielt es anscheinend für passend auch noch meinen Mund auf seinen zu pressen. Jared drehte seinen Kopf sofort nach unten als er erkannte, was ich vorhatte. Natürlich… Es war total idiotisch von mir gewesen. »Du findest mich nicht hübsch, oder?« Er lachte wieder, dieses Mal jedoch trocken. »Glaub mir, das ist es ganz sicher nicht. Aber wir kennen uns doch gar nicht.«

»Na und? Das ist doch eine Art Party, oder nicht? Auf Partys brauch man das meiner Erkenntnis nach auch nicht.« »Nein, es tut mir leid. Es ist nur so… total unpassend. Entschuldige mich bitte«, murmelte Jared so leise, dass ich ihn kaum verstand. Und dann war er auch schon durch einer Tür verschwunden, die sich hinter der Theke befand.

Als ich mich zu dem Rest der Kundschaft umdrehte, versuchten diese anscheinend krampfhaft ihre Münder wieder zu schließen und ihre Gespräche fortzuführen. Einigen von ihnen gelang das auch, aber nicht allen. Mein Gott, vielleicht hatte ich mich ja etwas komisch verhalten, aber diese Leute in dieser Hütte waren sicherlich tausend Mal komischer als ich. Verärgert steuerte ich auf den Ausgang zu. Hier würde ich sicherlich kein zweites Mal Party machen.

Erst als ich schon wieder draußen war, fiel mir ein: Meine arme Mutter! Jetzt hatte ich keinen da drinnen nach dem Weg gefragt. Ach, egal. Mit diesem Ort war ich fertig… für immer. Deshalb musste ich mein Zuhause irgendwie anders wieder finden.

Als ich mich wieder auf der Teerstraße befand, drehte ich mich noch ein letztes Mal um und sah erneut eine Fledermaus, die auf einem Stein lungerte. Etwa die gleiche? Nein, das war nicht möglich. Die Fledermaus von drinnen war immerhin nicht nach draußen geflogen.

Ich wollte gerade weitergehen, da schlug die Fledermaus plötzlich wie verrückt mit ihren Flügeln, die anscheinend immer größer wurden. Wie erstarrt erkannte ich, dass sich die Flügel schließlich zu Fingern formten und das auch das Gesicht der Fledermaus immer menschlicher wurde… bis plötzlich statt der Fledermaus ein splitternackter Junge auf dem Stein lag.