Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 29 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 8 | Vollkommen allein?

 

Luft, eigentlich mein absolutes Lieblingselement. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ich als Fledermaus gerne in der Luft herumfliege. Auch schon, als ich noch glaubte Jenny zu sein, mochte ich das Fliegen. Allerdings eher in Flugzeugen, obwohl wir uns das nie leisten konnten. Träumen kann man schließlich. Doch jetzt schien sich die Luft eher als mein absolutes Hasselement zu entpuppen. Zwar war ich in der Luft, doch fliegen tat ich nicht. Dazu war ich auch noch mutterseelend allein. Irgendetwas sagte mir, dass das alles sogar noch halb so schlimm war. Die wahre Gefahr würde sicher noch auf mich warten. Das tat sie schließlich jedes Mal… bislang bei jedem Element.

Los, Alea! Beweg dich endlich! Desto schneller bist du von hier weg, sagte ich mir selbst und setzte mich in Bewegung. Ich ging eine ganze Weile über die Wolken (ich weiß, wie komisch das klingt), ohne dass irgendetwas passierte. Bis sich plötzlich ein Luftschloss vor meinen Augen auftat. Okay, da werde ich ganz sicher nicht rein gehen. Das riecht doch schon nach Gefahr.

Doch leider musste ich schnell feststellen, dass mir keine Wahl blieb. Wollte ich den Weg an der Seite des Schlosses entlang einschlagen, drückte mich der Wind dreist zurück. Ich hielt kurz inne, um aufzustöhnen. Dann eben nicht – und ich öffnete die Tür zum Eingang des Schlosses. Hm… eigenartig. Irgendwie hatte das Schloss große Ähnlichkeit mit unserem. Ob das wohl ein Zufall war?

»Natürlich ist das kein Zufall!«, ertönte plötzlich eine Stimme. Oh Gott, konnte die etwa meine Gedanken lesen? »So ein Quatsch! Ich weiß nur was du denkst, weil ich du bin. Dein zukünftiges Ich.« Mein zukünftiges Ich? Okay, das wurde mir jetzt langsam aber sicher zu viel.

»Du fragst dich jetzt sicher, was ich hier mache.« Richtig geraten. Man war ich schlau. Aus der Ecke trat jetzt langsam eine Gestalt hervor, die jedoch vollkommen in schwarzen Tüchern eingemummt war. Das wirkte irgendwie unheimlich.

»Ich wäre sicher nicht hier, wenn du deine Zukunft besser auf die Reihe bekommen hättest. Das hier ist das Element Luft. Angeblich dein Lieblingselement? Aber rate mal, Luft bedeutet auch Freiheit und loslassen. Es scheint mir, dass du zu sehr von der Luft träumst, es aber nie umsetzen wirst. Wie die gefakte Jenny, die immer fliegen wollte, es aber nie konnte.« Sie machte eine kurze Pause und fuhr schließlich fort: »Deshalb bist du jetzt alleine hier eingesperrt, weil du die einzige bist, die es nicht hinbekommt.«

»Was mache ich denn so falsch?«, fragte ich nun einfach mal. »Du sollst Vellance Freiheit bieten, doch es scheint mir, dass du diese Mission nicht mehr richtig hinbekommst. Selbst Ali könnte es inzwischen besser.« »Aber doch nur, weil ich meine Erinnerungen verloren habe. Wenn ich sie wieder bekomme-« »Guck, ich sag doch, du verbockst alles. Ich weiß, dass du weißt, dass ihr hier eingesperrt seid. Und ich weiß auch, dass ihr auf Daniels Falle reingefallen seid. Deine Erinnerungen wirst du niemals zurückerlangen. Der Grund, warum du niemals die Luft und ihre Freiheit erlangen wirst.«

»Nein, ich werde meine Erinnerungen irgendwann zurück bekommen!«, rief ich… leider etwas unsicher und kleinlaut. »Pah, das ich nicht lache. Ich bin dein zukünftiges Ich. Wenn es jemand wissen sollte, ob du es hin bekommen wirst, dann ich. Und es sieht nicht gut aus.«

»Und was soll jetzt passieren? Willst du mich für immer hier oben gefangen halten? Dann kann unsere Zukunft ja auch nicht rosig werden.« »Nein, ich möchte uns nur das Leiden ersparen. Ein Leben der Gefangenschaft ohne zu wissen, wer man wirklich ist, ist kein Leben.« »Was… was willst du mir damit sagen?«, stotterte ich nervös.

»Ich werde uns leider töten müssen. Ich schätze, nur so können wir endlich die Freiheit bekommen, die wir verdient hätten.« Nein, ich wollte jetzt noch nicht sterben! Schnell drehte ich mich von meinem schwarzen Ich weg und rannte was das Zeug hellte.

Meinem schwarzen Ich… warum um Himmels Willen hatte sich mein zukünftiges Ich in schwarze Tücher eingemümmelt? Schämte ich mich etwa für mein späteres Aussehen? Nein, das… Aber natürlich! Plötzlich kam mir ein Gedanke: Ich konnte ihr Gesicht nicht erkennen, weil die Zukunft immer ungewiss war. Man konnte sie immer ändern!

Verdammt, wie sollte ich nur aus diesem verdammten Schloss herauskommen? Es gab keinen Ausgang, nur den Eingang aus dem ich gekommen war. Doch der Wind ließ mich ja bekanntlich nicht außen herum… eine echte Zwickmühle.

Denk nach, Alea… du bist doch nicht dumm. Nein, das war ich nicht. Mir war die Lösung für mein Problem eigentlich auch schon lange klar gewesen… die einzige Lösung. Nur leider war die Aufstellung dieses Planes leichter als seine Durchführung. Vielleicht hatte ich ja zu viele Actionfilme geguckt, doch meines Erachtens war es die einzige Möglichkeit das Schloss in die Luft zu jagen. Bum, mit Feuer und Explosion!

Doch das ging nur mit Magie und nicht dieses bisschen Feences Magie, was ich hatte. Dazu brauchte ich natürlich Casses Magie…

Während ich weiterhin durchs Schloss stürmte, um vor meinem anderen Ich zu fliehen, überlegte ich mir, dass jetzt wohl der beste Moment wäre, wieder Casses Magie zu entwickeln. Komm schon, Alea! Du hast es einmal geschafft. Du schaffst es auch ein zweites Mal. Wenigstens ein bisschen… wie Ali.

Angestrengt dachte ich an meinen Besuch bei den Casses und daran, wie dieses Schloss nur so explodierte. Doch nichts rührte sich. Was mache ich anders als früher? Was nur? Vielleicht kenne ich die Casses einfach noch nicht lange genug. Ali war zwar auch nur einmal bei den Casses, aber zumindest wusste sie ihr ganzes Leben lang, dass sie existierten. Das konnte man von mir nicht behaupten.

Plötzlich schrie irgendwas in mir: Deine Träume, Alea! Das sind Erinnerungen. Ja, das wusste ich bereits. Danke für die Weisheit. Nein, du Dummchen. Du sollst sie benutzen! Aber natürlich. Ich hatte bereits zwei Träume gehabt, die mir eine Begegnung mit den Casses zeigten. Einmal den mit Jared und den Steinen und den mit Daniel im Schloss auf der Feier.

Ich stellte mir diese beiden Träume noch mal so gut wie möglich vor meinen Augen vor. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es mir wohl in dieser Situation ergangen ist und dachte an die Explosion des Schlosses. Ich spürte, wie das Schloss ein wenig zu wackeln begann, doch ich wusste schon gleich, dass es nicht reichte. Eigentlich wäre ich in dieser Situation jetzt verzweifelt und hätte aufgegeben. Allerdings merkte ich, wie mein Grusel-ich immer näher kam.

Und somit dachte ich einfach noch an eine weitere Sache. Keine Ahnung warum. Es kam einfach über mich. Ich dachte daran, wie Daniel uns verraten hatte. Wie er einen so netten und lieben Eindruck gemacht hatte, allerdings die ganze Zeit geschauspielert hatte… denn er kannte mich! Er kannte mich die ganze Zeit über!

Auch wenn mir klar war, dass Ali das Schloss sicher besser um Einsturz gebracht hätte, in diesem Moment schien es wirklich zu bröckeln… an den Wänden und am Boden. Ich glaube ich war noch nie so erleichtert gewesen, aus unzähligen Metern in die Tiefe zu stürzen.