Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 7 | Versteinert?
Keuchend hustete ich die letzten Reste Wasser wieder hervor. Was war nur passiert? Ich dachte ernsthaft, das war’s für mich. Immerhin war hier weit und breit nur Wasser, wie konnte ich dann an Land gelangt sein? Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich, dass ich mich geirrt hatte. Ich befand mich immer noch im Wasser – überall wo ich hinblickte war nur Wasser. Die anderen vier konnte ich auch nirgends entdecken. Wie konnte ich eigentlich überhaupt atmen, wenn ich unter Wasser war?
Als ich versuchte, meine Hand auszustrecken, wurde mir klar, dass ich mich in irgendeiner Art unsichtbarer Luftblase befinden musste. In der Ferne nahm ich langes hellbraunes Haar wahr, das nur von Ali stammen konnte. Erleichtert atmete ich aus. Ich war doch nicht vollkommen alleine.
Ali schwamm immer näher auf mich zu und wow, sie konnte echt gut schwimmen. Bei mir angekommen, drückte sie die unsichtbare Blase nach oben mit sich mit. Es war noch ein ganz schön großes Stück bis an die Oberfläche, doch Ali hielt trotz alldem super durch. Schließlich waren sowohl ich als auch sie an der Wasseroberfläche und Ali konnte erleichtert ausatmen.
»Alles okay?«, fragte Daniel Ali besorgt, da sie nach dem Auftauchen ziemlich stark am Husten war. Ich konnte das Augenverdrehen nur schwer unterdrücken. »Ja, ich habe doch gesagt, dass Wasser mein Element ist.«
Erst jetzt fiel mein Blick auf Jayden und Max, woraufhin ich aufschrie. Jayden hielt Max mit einer Hand fest, da dieser sich nicht mehr bewegte. »Was ist mit Max passiert?« Jaydens Blick wich meinem aus, als er mir antwortete. »Das waren die Nebenwirkungen, Alea, weil er dich gerettet hat.«
Ich musste nur kurz überlegen, um zu begreifen, was das bedeutete: Max hatte diese Blase mit Hilfe von Feences Magie erschaffen, doch diese Magie hatte hier bekanntlich Nebenwirkungen. Obwohl ich wusste, dass es Max eigene Entscheidung gewesen war, bedachte ich Daniel jetzt mit einem wütenden Blick. »Was ist mit ihm passiert?!«
Daniel zuckte zusammen, während Ali entgegnete: »Hey, Alea! Du vergisst, dass das ja wohl kaum Daniels Schuld ist – nur weil er zu den Casses gehört.« Man, konnte der überzeugend wirken. Ich wusste nicht, wie er es schaffte, aber bei seinem Anblick murmelte ich: »Tut mir leid. Schätze, ich musste einfach irgendwo meine Wut rauslassen.« »Schon okay, aber was mit Max passiert ist, kann ich dir leider nicht sagen.«
»Ist er etwa-«, doch das nächste Wort wollte mir einfach nicht über die Lippen gleiten. Zum Glück unterbrach Jayden mich: »Nein. Es ist irgendwas Merkwürdiges. Eben noch lag er, so wie du, eine ganze Zeit leblos unter Wasser. Aber er scheint keinerlei Wasser geschluckt haben. Es ist fast so, als wäre er für den Moment versteinert.« »Was? Versteinert? Für wie lange?« »Keine Ahnung«, antwortete Jayden und auch die anderen beiden, blickten nur ahnungslos in der Gegend herum. »Wir sollten auf jeden Fall erstmal weg vom Element Wasser. Wir haben eben schon besprochen, dass Jayden Max mitnimmt und Ali dich«, erklärte mir Daniel.
Und so schwammen wir alle gemeinsam los. Das Wasser war scheinbar unendlich lang und uns wurde schon bald klar, dass die drei nicht so lange durchhalten konnten – auch Ali, die schwimmen über alles liebte. »Ali, wir beiden müssen mit der Casses Magie das Wasser teilen.« Ich lachte auf. »Das Wasser teilen? So wie Moses oder wer das auch war?«
Daniel ignorierte meine Bemerkung einfach. »Wenn das Wasser geteilt ist, bildet sich ein Weg, den wir dann benutzen können. Allerdings wird es schwierig, die Magie die ganze Zeit lang aufrecht zu halten. Wenn die Mauer aus Wasser zusammen bricht, heißt es Luft anhalten und schnellstmöglich wieder auftauchen.«
Ali und Daniel konnten die Magie ehrlichgesagt länger aufrechterhalten, als ich anfangs erwartet hätte. Auch die anderen waren verdutzt, wie lange sie auf Land gehen konnten.
»Tja, als Team ist man anscheinend wirklich stärker«, murmelte Ali, woraufhin Daniel ihr einen Blick zuwarf. Einen Blick, der Jayden anscheinend ziemlich skeptisch werden ließ. Ach, und ich dachte noch, dass die beiden das zwischen sich unbedingt geheim halten wollten. Hatten sie im Moment wohl irgendwie vergessen. Jayden warf mir einen Blick zu, der anscheinend so viel heißen sollte wie: Hab ich was verpasst? Ich hob nur abwehrend die Hand, was bedeuten sollte: Frag besser nicht.
Doch trotz all der Dali-Power, dachte ich schmunzelnd, brach die Mauer irgendwann doch und ich trieb irgendwo unter Wasser herum, bis Ali mich schließlich wieder fand und an die Oberfläche beförderte.
»Könnt ihr hier auch wieder stehen?«, fragte Jayden uns irgendwann, da das Wasser anscheinend nach und nach immer weniger wurde. Noch meine Blase löste sich wirklich erst dann auf, als auch das komplette Wasser verschwunden war. Wir befanden uns wieder in dieser brachen Umgebung, wo überhaupt nichts war.
Erleichternd stellte ich fest, dass nun auch Max starrer Körper erschlaffte. Sofort rannte ich zu ihm. »Max!«, rief ich und drückte ihn fest an mich. »Woah, Alea. Nicht so feste! Du erdrückst mich noch!« Ich löste mich von ihm und murmelte »Tut mir leid«, während ich ihm meine Hand anbot, um ihn wieder auf die Beine zu helfen. Während wir den Kreis der Elemente fortsetzten, begann ich eine Unterhaltung mit Max. »Du kannst doch nicht einfach Feences Magie benutzen, wenn du weißt, was die Risiken sein könnten. Dass du nur versteinert wurdest, war echt Glück. Du hättest tot sein können!« »Genauso wie du, Alea. Nur mit dem Unterschied, dass du es ganz sicher wärst, wenn ich nicht Feences Magie benutzt hätte. Ich habe einfach nur gehofft, dass das Schicksaal gnädig mit mir sein würde… hat ja geklappt.« »Es war trotzdem zu riskant. Hätte Ali oder Daniel nicht Casses Magie benutzen können?« »Mit Casses Magie kannst du keine Luftblase erschaffen, die einem das Leben retten soll. Das ist nicht gegen die Regeln. Ein Grund mehr, warum es gut war, dass du Jayden und mich darum gebeten hast, mitzukommen.«
Ich fand es war kein Grund mehr. Ich brachte alle mit dieser Reise in Lebensgefahr. Sie alle riskierten ihre Leben für mich… obwohl sie quasi immer noch Fremde für mich waren. »Außerdem konnte ich dich ja nicht einfach sterben lassen, wenn ich dir noch etwas Wichtiges sagen muss. Eigentlich habe ich es dir schon mal gesagt, doch dann hast du es ja wieder vergessen… und es ergab sich nie der richtige Zeitpunkt, um es dir mitzuteilen.«