Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 43 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 17 | Zu spät!

 

»Wieso kommt ihr jetzt erst?!«, rief Jared wütend, kaum hatten wir die Bar betreten. »Ernsthaft? Wieso hast du uns überhaupt erwartet? Ist ja nicht so als hättest du uns irgendwie Bescheid gesagt«, maulte ich zurück.

»Ja, ich dachte ja auch nicht, dass wir es plötzlich so eilig hätten. Aber jetzt könnte Lorena hier jeden Moment auftauchen.« »Lorena? Warum das?« »Na warum wohl? Deine sogenannte Freundin?«

»Was ist überhaupt passiert? Warum seid ihr nicht tot, obwohl der braune Stein zerstört ist?« »Nehm’s mir nicht übel, aber ich habe dir nichts erzählt, weil ich mir noch nicht sicher war, ob ich es wollte. Jetzt weiß ich es aber. Ich habe die zwei Steine aufbewahrt, die du für deinen Plan brauchtest. Wir müssen sie so schnell wie möglich zusammenbringen.«

Ich konnte nicht sagen, ob ich schon jemals in meinem Leben so erleichtert gewesen bin wie jetzt gerade. Jared hatte echt die Nacht gerettet… kaum zu glauben. Glücklich lief ich auf ihn zu und umarmte ihn. »Dann stimmt es also, was Ali mir erzählt hat. Du hast dich echt mit dem Feind verbündet.« Ich zuckte zusammen und drehte mich um, um eine enttäuschte und zugleich wütende Lorena vorzufinden. »Hättest du diese Entscheidung nicht auch schon vor siebzehn Tagen treffen können?«, flüsterte ich Jared zu und zu Lorena verwandt: »Ich kann das erklären, Lorena.«

Ihr liefen nun sogar Tränen über die Wangen. »Ich habe dir vertraut. Ich dachte, mit dir hätte ich eine würdige Nachfolgerin gefunden. Ich habe dir sogar diese unglaublich wichtige Aufgabe gegeben, die für dich bestimmt war.« »Ich möchte die Casses immer noch vernichten. Nur anders, wie du es dir vielleicht vorstellst. Ich möchte beide Clans vernichten, damit wir alle gleich sind und es keinen Krieg mehr gibt.«

»Indem ein Teil von uns wie die Casses wird und Regeln bricht?«, fragte sie entsetzt. »Aber es ist doch nur ein kleiner Teil…« »Alea! Dieser Teil wird für Grausamkeit und Schrecken in Vellance sorgen.« »Die Casses zu töten wäre grausam!«, schrie ich.

Lorenas Blick wurde nur noch trauriger. »Wie ich sehe haben sie dein Gehirn schon total vernebelt. Es gibt für dich wohl keine Hoffnung mehr.« »Ja, genauso wenig wie es anscheinend noch Hoffnung für dich gibt.« Lorena ignorierte diese Anmerkung einfach und drehte sich einmal in ihrem langen roten Kleid, welches eine gewisse Ähnlichkeit mit Alis Kleid aufwies, nur dass Lorenas Kleid Träger besaß. »So, wer von euch dreien wird mir nun freiwillig diese Steine aushändigen? Die andere Option könnte nämlich etwas unschön werden.«

Ich formte noch ein Nein mit meinen Lippen Richtung Jared. Auch wenn Lorena selber nicht in der Lage dazu wäre diese Steine zu zerstören, würde sie eine Möglichkeit finden… zum Beispiel Ali. Doch es war bereits zu spät. Jared hatte die beiden Steine aus seiner Hosentasche geholt. Jedoch überreichte er sie nicht Lorena, sondern warf sie zu mir und Daniel. »Alea, Daniel, fangt!«

Natürlich fing ich den gelben Stein, während Daniel jetzt den braunen Stein in seinen Händen hielt. Bevor wir die beiden Hälften aber zusammen bringen konnten, wurden wir in die Luft geschleudert. Fragend schaute ich zu Jared, der aber natürlich nicht Schuld an der Sache hatte. Auch wenn das ziemlich nach Casses Magie aussah.

»Wie machen Sie das denn jetzt bitte? Mit Feences Magie?«, fragte Jared das, was ich eben schon gedacht hatte. »Fliegen ist doch nicht gegen die Regeln!« »Personen in der Luft herumschleudern aber schon.« »Tja, dann ist es wohl alles eine Frage der Ansichtssache. Ich mache das ja auch nicht gerne, aber merkst du nicht was die Casses aus dir gemacht haben, Alea? Wegen denen stielst du sogar!«

Vielleicht etwas zu pampig antwortete ich: »Also ich finde jetzt nicht, dass das was du machst ethischer ist.« »Ich mache das doch nur, um schlimme Folgen zu verhindern.« »Eigentlich wollte ich das ja nicht, aber Sie lassen mir wohl keine andere Wahl«, sagte Jared, während er seinen rechten Zeigefinger hob.

Und ehe ich mich versah, stand Lorenas Kleid in Flammen. »Nein, Jared!«, schrie ich. Da Lorena nun in Flammen stand, war sie nicht mehr in der Lage ihre Magie aufrecht zu erhalten. Wie denn auch, immerhin brach sie in sich zusammen?

Und so landeten Daniel und ich wieder auf festen Untergrund. Doch anstatt mich um die Verbindung dieser beiden Steine zu kümmern, setzte ich meine Magie ein, um das Feuer mit einem Wasserstrahl zu löschen. »Jared, wie konntest du nur? Sie könnte tot sein!«

»Tut mir leid. Du weißt ja, dass ich nicht wie du bin. Ich treffe nicht immer die besten Entscheidungen.« Oh ja, das wusste ich nur zu gut. Daniel kannte mich inzwischen zu gut, um mir nicht seinen Stein entgegen zu strecken, sondern ging mit mir zu Lorena.

»Ich denke, sie hat nicht nur starke Verbrennungen. Die würden schnell wieder heilen. Der Rauch in ihrer Lunge macht mir größere Sorgen.« »Mit Casses Magie könnte man den Rauch von ihrer Lunge, in den Körper von jemand anderem lenken«, erinnerte sich Daniel. »Tja, toll. Dann würde aber derjenige sterben«, lachte Jared.

»Wenn wir den Rauch aufteilen?«, fragte Daniel jetzt. Ich nickte. Seine Idee war gar nicht mal so schlecht. »Aber wenn nur Daniel und ich den Rauch bekommen, könnte es immer noch ziemlich gefährlich für uns sein«, meinte ich und bedachte Jared mit einem Blick, der sagen sollte: Es liegt an dir.

Doch der schüttelte nur kräftig mit seinem Kopf. »Niemals. Ich setze doch nicht unser Leben aufs Spiel, nur um das dieser Feences Königin zu retten, die unseres auch nicht verschont hätte… Nein!« »Bitte, Dad! All deine Fehler die du begangen hast, das wäre sicher endlich mal etwas Richtiges.« »Ich glaube das ist nicht richtig. Das ist Selbstmord.«

»Nein, ich denke nicht. So viel Rauch dürfte dann auch nicht in ihrer Lunge sein. Es ist vielleicht nicht schön, aber durch vier geteilt, können wir alle überleben.« »Und was, wenn nicht?«, fragte Jared. »Keine Ahnung. Aber wenn du nicht mit machst, werden wir es trotzdem tun. Und wenn wir dann sterben, könntest du dir das dein Leben lang übel nehmen.«

Jared stöhnte. »Ich wusste schon, dass ich keine Wahl habe.« »Doch natürlich hast du die Wahl«, sagte ich und grinste. Aber irgendwie dann ja doch nicht, denn ich wusste genau, dass er es nicht zulassen würde, wenn Daniel und ich das alleine machten.

Und so zogen wir jeder einen Teil des Rauches in uns hinein, woraufhin wir alle – einschließlich Lorena - anfingen lautstark zu husten. Sie war nun wieder in der Lage, wenn auch nur schwach, zu reden: »Warum habt ihr mir das Leben gerettet?«

Doch anstatt zu antworten hielt ich Daniel meinen gelben Stein entgegen. »Diese Steine waren schon immer zu mächtig. Sie hätten nie existieren sollen. Denn Macht bringt nun Mal oft Krieg mit sich, weshalb die Vampire die Liebe in Vellance vergessen.« Und auch Daniel streckte mir die braune Hälfte entgegen, um sie mit meiner zu verbinden. Das nun rote Herz in unseren Händen leuchtete nur kurz auf, ehe es sich auch wieder auflöste.

Jetzt war es an einem Ort, wo es schon die ganze Zeit hätte hingehört – nämlich in unserem Herzen. Es dauerte noch einige Augenblicke, bis wir uns alle wieder vollständig erholt hatten. Lorena war die erste, die das Wort ergriff: »Der Hass in mir… er ist endlich weg.« Auch wenn ich in den Jahren gelernt hatte gegen diesen Hass anzukämpfen, wusste ich genau wovon Lorena sprach.

»Dann hoffen wir doch jetzt mal, dass deine Freundin Alissa auch von diesem Hass geheilt ist«, sagte Jared. Daniel und ich fingen beide gleichzeitig an zu lachen. Oh je, das konnte ja noch was werden. Jared hatte anscheinend noch keine Ahnung von Alis Gefühlen für ihn. Und dann war da ja auch noch seine von-den-Toten-zurückgekehrt Fast-Ehefrau Jamie. Zum Glück musste ich mich jetzt nicht mehr mit Liebesproblemen rumschlagen. Denn jetzt war unsere Liebe endlich vollkommen legal.