Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 21 von 46

PDF-Seiten

Alea Reeves, vampire princess lost

Nacht 6 | Magie hat Schuld?

 

[erzählt von Alissa Lester]

Noch einmal, los Ali! Verdammt… wieder nicht. So ging das jetzt schon eine ganze Weile lang. Ich wollte unbedingt aus diesem Zelt raus und aufstehen, doch es wollte mir einfach nicht gelingen. Irgendwann gelang es mir zumindest mich hinzusetzten, aber Aufstehen… keine Chance.

Ich dachte schon, ich müsste vor Langeweile sterben, bis schließlich Daniel ins Zelt schlüpfte. »Warum bist du nicht draußen beim Essen zubereiten?« Er zuckte mit den Schultern. »Naja, außer beim Feuerholz suchen bin ich da echt nicht zu gebrauchen. Das ist inzwischen aber bereits erledigt.«

»Gut. Ich gehe hier drinnen nämlich ein. Ich brauche Gesellschaft.« »Tja, dann sind meine miserablen Kochkünste doch noch für was gut.« »Es scheint so.«

Seine dunklen Augen suchten den Boden. »Ich denke, ich sollte mich bei dir entschuldigen. Deinen kritischen Zustand hast du mir zu verdanken. Ich hätte den Orkan früher zu dir lenken sollen.« »Ach Quatsch. Wenn hier jemand Schuld hat, dann sind es diese langen Pflanzen, die voll auf mich eingeschlagen haben.« »Trotzdem fühle ich mich schuldig. Und du kannst dir nicht vorstellen wie ich mich gefühlt habe, als ich dachte du seiest tot.«

Bei diesen Worten wurde mir plötzlich ganz warm. »Warum bist du so, obwohl du zu den Casses gehörst?« Er musste lachen. »So? Denkst du, nur weil wir Casses uns nicht an Regeln halten haben wir kein Herz? Außer meinem Dad hast du wohl noch nicht viele Casses kennengelernt. Jeder von uns hat natürlich, wie auch bei den Feences einen unterschiedlichen Charakter.«

»Aha. Dein Charakter gefällt mir jedenfalls.« Danach passierte alles so plötzlich, dass ich es gar nicht richtig realisieren konnte. Daniel hatte sich zu mir rüber gebeugt und mir einen Kuss auf den Mund gedrückt. »Was zur Hölle…«, murmelte ich und drückte ihn sachte von mir weg.

»Siehst du. Das kam jetzt, weil ich zu den Casses gehöre. Ich hätte es nicht tun sollen, habe es aber trotzdem.« »Und warum bitte? Warum, nachdem ich dir im betrunkenen Zustand über meine Probleme in Sachen Liebe erzählt habe?« »Vielleicht weil’s mir genauso geht. Ich gehörte immer zu der Sorte, die hoffnungsvoll auf die Eine warten wollten, wo man beim ersten Anblick weiß, dass man sein Leben mit ihr verbringen will.«

»Komm endlich zum Punkt.« »Möglicherweise kommt dieses Gefühl aber erst dann, wenn man jemanden länger kennt.« »Und warum dann gerade ich, wo ich dir doch von meinen idiotischen Gefühlen für deinen Vater erzählt habe?« »Weil ich es satt habe ein hoffnungsloser Fall zu sein. Außerdem wäre ich sicherlich eine bessere Wahl als mein Vater, der nie länger als eine Nacht bei einer Frau bleibt. Was ich sagen will… vielleicht sollten wir anfangen zusammen statt allein ein hoffnungsloser Fall zu sein.«

Ich wusste es auch nicht… irgendwie waren seine Worte total gut gewählt und irgendwie auch süß. Allerdings… auch wenn er vom Charakter her besser als Jared war, ist er immer noch ein Casses, die wir vernichten wollten. Aber… was soll’s? Es musste ja nichts ernstes sein. Ich meine, ich war jung. Ein bisschen Vergnügung stand mir doch auch zu, oder?

Während ich Daniels Kuss nun auch erwiderte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass ich vielleicht wegen der Casses Magie in mir, so dachte. Jemanden so auszunutzen und anschließend seine komplette Rasse aussterben zu lassen, war bestimmt gegen die Regeln. Egal, aber das Wichtigste würde ich nicht aus den Augen verlieren: Ich würde diese Mission durchziehen – für Alea. Das hatte ich mir Versprochen. Egal was das hier jetzt mit Daniel wurde.

»Wir können Essen-« Als ich Aleas Stimme hörte, stieß ich Daniel so schnell wie möglich von mir weg. Doch natürlich hatte sie den Eingang des Zeltes bereits betreten gehabt. Sie schaute uns an, als hätte sie Außerirdische gesehen. Ihre nächsten Worte brachte sie nur in Bruchstücke hervor: »Sorry… ich… wollte nicht… ich gehe dann mal wieder.« Panisch rief ich: »Nein, warte! Ich muss mit dir reden, Alea.« Dabei bedachte ich Daniel mit einem Blick, der sagen sollte: Geh bitte jetzt. Glücklicherweise hatte er meinen Blick gedeutet und fügte hinzu: »Ich wollte sowieso gerade gehen.«

Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Alea nur wegen meiner misslichen Lage blieb. Aber auch das war egal. Hauptsache sie blieb. Kaum war Daniel außer Hörweite, pustete sie auch schon los: »Ich habe mich in dir wohl doch geirrt. Du kannst doch nicht einfach jemanden küssen, den wir planen in Kürze auszulöschen.« Auszulöschen – ja, das hörte sich schöner an und passte eher zu den Feences. Töten war ein Wort für die Casses.

»Ich weiß und ich werde deshalb auch nicht irgendwie plötzlich nicht mehr mitmachen. Es ist nur so zum Spaß. Es ist nicht so, dass er mir viel bedeutet. Klar, er ist ganz nett. Mehr aber nicht.« »Hörst du dich eigentlich selber sprechen? Du willst ihn ausnutzen? Ist das nicht eher Casses-like?«

Ich seufzte. »Ich weiß. Es liegt bestimmt an meiner Casses Magie. Sie macht mich zwar stärker, aber auch gefährlicher. Ich bin nicht so stark wie du, Alea – keine Vampirprinzessin. Ich kann diese Magie nicht kontrollieren. Aber wenn wir diesen Stein vernichtet haben, dann wird dieser Teil meiner Magie ja auch verschwunden sein. Das wird schon wieder.«

Sie wusste eindeutig immer noch nicht, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Trotzdem sagte sie schließlich: »Ali, du bist meine beste Freundin und ich vertraue dir. Aber trotzdem … Auch wenn es dir mit Daniel nicht ernst ist, zeig es ihm bitte nicht und behandle ihn gut. Denn obwohl er gefährlich ist, hat er einen netten Charakter, der mir das Leben gerettet hat.« »Verrate es bitte nicht den anderen beiden«, fiel mir plötzlich ein. »Werde ich nicht.«

Mit den Worten »Ich bringe dir gleich dein Essen ins Zelt« ging sie wieder zu den anderen.