Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 3 | Familiendate?
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mein Vater Jasper am wenigsten damit klar kam, dass ich meine Erinnerungen verloren hatte. Und das mochte schon was heißen, da ich Dana nicht ausklammerte. Die Dana, die deswegen sogar Tränen geweint hatte. Okay, er zeigte es nicht so sehr nach außen. Aber man merkte, dass es ihn innerlich zerbrach. Ständig sprach er Ereignisse aus meiner Vergangenheit an und wollte meine Meinung dazu hören, die ich ihm natürlich nicht geben konnte.
»Schatz, irgendwann erinnert sich Alea schon wieder. Du musst Geduld haben. Bestimmt hilft das Date mit Jayden heute«, versuchte ihn meine Mutter zu beruhigen. »Apropos Date – du hast doch sicher nichts gegen ein Doppeldate, oder?«, fragte mich plötzlich Max. Ich verschluckte mich beinahe an meinem Essen. »Entschuldige?« »Ich meine, du musst mich ja auch wieder kennenlernen, um deine vollständige Macht zu erlangen.« Er grinste mich breit an. »Und Justine kennst du eigentlich auch schon… also meine Freundin. Das wäre ein klasse Familiendate.«
Ich musste mich verhört haben. »Familiendate?« Ich wusste inzwischen ja schon, dass Max oft ziemlich komisch drauf war. »Dazu musst du wissen, dass Justine Jaydens Cousine ist. Und da wir Geschwister sind… ein Familiendate halt.« »Ich bin jetzt eigentlich davon ausgegangen, dass Jayden und ich alleine wären.«
Max verdrehte die Augen, woraufhin Dana vom anderen Ende des Tisches lachen musste. »Das könnt ihr ja danach noch. Aber vorher…. Das haben wir früher ständig gemacht – und jetzt wäre es wegen deines Gedächtnisverlusts ein perfekter Zeitpunkt.« Von da an wusste ich, dass es eh schon beschlossene Sache in Max Kopf war. Und… außerdem, warum auch nicht? Je mehr Leute da waren, desto mehr konnte ich auch erneut kennenlernen.
Justine war eine blonde Vampirin, die so sehr strahlte, dass ich sie sofort ans Herz geschlossen hatte. Ich freute mich für meinen Bruder, dass er so eine tolle Freundin abbekommen hatte.
Das Eiscafé, das wir aufgesucht hatten, erinnerte mich irgendwie an ein Eiscafé, das ich auch immer in New York aufgesucht hatte. Ja, das New York, das es gar nicht gab… ganz toll, Alea. Aber könnte das bedeuten, dass Erinnerungen existierten, die real waren?
»Hier waren wir übrigens auch bei unserem ersten Date… also, unser richtiges erstes Date«, erklärte Jayden. »Und bei unzähligen Doppeldates«, ergänzte Max. »Das ist quasi sowas wie unser Stammlokal.« »Macht euch jetzt keine falschen Hoffnungen, aber mir kommt das Café irgendwie bekannt vor.« Jayden lächelte mir zu – na super. Natürlich machte er sich gleich falsche Hoffnungen. »Ich wusste doch, dass nicht alle deine Erinnerungen weg sein können.« »Nein, bitte nicht, Jayden. Das ist genau das, was ich meine. Jetzt hoffst du auf etwas… und wirst am Ende doch enttäuscht werden.«
»Ich glaube nicht, dass Jayden sich falsche Hoffnungen macht, Alea. Er ist nur optimistisch, so wie ich. Daran ist nichts verkehrt«, meinte Justine. Oh Mann, sie mussten diese Alea ohne ihre Erinnerungen sicherlich hassen. Ich gab Jayden ja gar keine Chance… dabei war er mein Freund.
»Es tut mir echt leid«, murmelte ich gerade dann, als mein Eisbecher serviert wurde – ein echt großer Erdbeereisbecher. »Dein Geschmack hat sich anscheinend auch nicht geändert«, bemerkte Max, als er sah wie ich mit Freude meinen Erdbeereisbecher verschlang.
»Nö, anscheinend nicht. Gestern habe ich es ja sogar schon geschafft etwas Magie zu praktizieren.« »Echt jetzt? Wow, Alea, das ist ja fantastisch!«, kreischte Justine und fiel mir in die Arme. Okay, ich verstand mich mit der Freundin meines Bruders wohl ziemlich gut.
»Zeig uns Mal was«, schlug mir Max vor und ich versuchte das mit der Flamme, was ich auch bei Ali gemacht hatte. Es funktionierte erneut und ich brachte das Erdbeereis zum Schmelzen.
»Flüssiges Eis?«, lachte Jayden. »Schmeckt das denn?« »Klar, flüssiges Eis ist das beste Eis«, entgegnete ich grinsend. »Ah, wie ich dieses Grinsen liebe«, sagte Jayden, woraufhin ich rot anlief. Mensch, warum musste das auch immer passieren?
Ich mit meinem flüssigen Eis brauchte beinahe noch am längsten, obwohl Max Eis eindeutig am größten gewesen war. Aber Suppe zu löffeln dauerte nun Mal länger als gefrorenes Eis, das ging besser auf den Löffel. Jayden und Max – ganz die Gentlemans – bezahlten am Ende für uns mit, als wir alle unser Eis aufgegessen hatten. Die frische Luft, die mir um die Nase wehte als wir nach draußen gingen, tat meinem Kopf ganz gut. Im Eiscafé war es dann doch etwas stickig gewesen.
»Wir wollten jetzt noch runter zu den Wiesen gehen. Trennen sich dann hier unsere Wege?«, wollte Max von uns, speziell mir, wissen. Da sonst niemand antwortete, lag es wohl an mir. »Einverstanden«, sagte ich und nickte.
Als wir dann alleine waren, kam Jayden einige Schritte auf mich zu, was mich irgendwie nervös machte. Ich konnte hören, wie das Herz in meiner Brust schneller schlug. »Alea, wenn du nichts dagegen hast, würde ich gerne etwas testen. Ein Versuch, der vielleicht Teile deiner Erinnerungen zurückbringt.«
Ich konnte mir schon denken, was er damit meinen könnte. Doch Zeit zum Antworten blieb mir nicht. Er zog mich an sich heran, nicht so fest, dass ich nicht von ihm weichen könnte. Hätte ich diesen Kuss von vornerein nicht gewollt, hätte ich ihn beenden können.
Doch plötzlich wurde es ganz eigenartig, denn eigentlich wollte ich ihn gar nicht beenden. Als seine Lippen auf meine trafen, regte sich in meinem Inneren tatsächlich etwas. Nicht, dass ich mich an irgendwelche Momente aus unserer Beziehung erinnern könnte. Nein, das war eher der Moment wo mir klar wurde, dass ich ihn wirklich geliebt hatte. Klar, jeder hat mir zuvor immer einreden wollen, was für ein süßes Paar wir doch waren. Aber es waren immerhin nur Worte gewesen, mit denen ich nichts anfangen konnte.
Doch jetzt konnte ich damit etwas anfangen, denn meine Gefühle für ihn waren echt. Ab diesen Moment wusste ich sofort, dass ich mir nicht nur über meine Gefühle für ihn klar geworden bin. Ich spürte auch, dass ein weiterer Teil meiner Magie zurückgekehrt war.
Als ich meine Hände um seinen Hals legen wollte, kam in mir plötzlich noch ein weiteres Gefühl hoch. Ein Gefühl, welches ich nicht deuten konnte. Ich wusste nur, dass es mich plötzlich unendlich traurig machte.