Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 16 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 5 | Die Elemente?

 

Der erste Eindruck dieser Gegend war besser als ich es erwartet hatte. Zumindest sah es jetzt noch alles vollkommen friedlich aus. Der einzige Weg, der sich uns bot, war zwar ziemlich schmal, denn große Felswände rangen an beiden Seiten hervor. Allerdings waren die vielen Pflanzen rund um uns ziemlich schön anzusehen. Die Atmosphäre ließ mich die drohende Gefahr beinahe vergessen.

»Hat Ähnlichkeit mit einem Wald, findet ihr nicht?«, bemerkte auch Max und ich konnte ihm nur zustimmen. Aber nicht dieser unheimliche, finstere Wald aus Horrorfilmen – eher der Wald mit zwitschernden Vögeln zum Pilze suchen.

»Lasst euch aber nicht täuschen. Auch wenn es hier friedlich scheint, auch die Erde hat ihre Gefahren«, versicherte uns Daniel. »Die Erde?«, fragte ich verwundert. »Ja, dieser Ort ist wie der Kreis der Elemente aufgebaut. Wir müssen alle vier durchqueren, um wieder zum Ausgang zu gelangen. Hoffen wir, dass Alea auf diesem Weg ihre Erinnerungen zurückbekommt«, gab er zur Erklärung.

Puh, Kreis der Elemente. Das hörte sich ziemlich abgedroschen an. Erde, Luft, Feuer und Wasser – das waren ja bekannter Maßen die vier Elemente. Mit Erde sollte unsere Reise wohl beginnen. Auf Erde zugehen, konnte ich mir ja noch ziemlich gut vorstellen. Aber der Rest? Der schien mehr oder weniger unmöglich, auch wenn ich noch nicht wusste, was mich genau dort erwarten würde.

Während ich samt Koffer weiter ging und mir doch immer mulmiger zumute wurde, versuchte ich ein Gespräch auszubauen, um die bedrückende Stille zu vertreiben. »Wer hat denn jetzt alles an ein Zelt gedacht?« »Ich habe eins mit«, erwiderte Jayden stolz. Bei den anderen herrschte weiterhin Stille.

»Wie? Heißt das jetzt wir haben nur zwei Zelte?«, fragte ich. »Reicht das nicht?«, meinte Max. »Von mir aus. Machen wir dann ein Mädchen und ein Jungenzelt?« Jayden schien meinen Vorschlag alles andere als gut zu heißen, was ich mir eigentlich auch schon gedacht hatte. Immerhin erinnerte ich mich noch deutlich daran, dass er alles andere als begeistert gewesen ist, als er hörte, dass einer von den Casses uns begleiten würde. Auch Ali schien Jaydens Blick deuten zu können und bevor der etwas sagen konnte, fuhr Ali dazwischen: »Das ist hier ja schlimmer als im Kindergarten. Daniel, du schläfst jetzt bei uns Mädels mit im Zelt. Platz ist da immerhin reichlich drin… das Zelt stammt ja von der Königsfamilie.«

Ali hatte im Grunde Recht – es war total egal. Daniel gehörte bestimmt nicht zu der Sorte Casses, die uns in der Nacht gefährlich werden würden. Immerhin half er mir bei der Suche nach dem Stein… auch wenn er es nur tat, weil er Schuldgefühle hatte oder einfach nur, weil es Zuhause total langweilig war.

Plötzlich hörte ich hinter einem Baum ein leises Rascheln, woraufhin ich sofort verharrte. »Habt ihr das auch gehört?« »Was?«, fragte Ali mich. »Das Rascheln. Ich denke, dass unser Abenteuer jetzt wohl losgehen soll. Ali, Daniel? Seid ihr gegebenenfalls bereit Magie einzusetzen?« Beide nickten und drehten ihre Köpfe in Richtung des Geräusches, das nun wieder zu hören war.

»Was kann das nur sein?«, fragte ich, eigentlich eher an mich selbst gerichtet, doch Max gab mir trotzdem eine Antwort: »Naja, ist ja nicht so, dass es in Vellance nur Vampire gibt. Da sind auch noch andere Wesen.« Ach, auch mal gut zu wissen. Die taten alle echt noch so, als wäre mein Gedächtnis nicht zu Brei gemanscht worden.

»Was für andere Wesen?«, fragte ich.

»Na ganz unterschiedliche gibt es… beispielsweise Kobolde, obwohl die extrem selten sind und ich noch nie einem persönlich begegnet bin. Aber hier ist ja alles ein bisschen anders«, sagte Max. Kobolde? Klar, ich kannte Kobolde aus meiner falschen Vergangenheit – ebenso wie ich ja auch Vampire gekannt habe. Konnte es tatsächlich sein, dass alle Wesen, die ich für ein Märchen gehalten hatte, in Wahrheit in Vellance existierten? Das Wesen kam nun vorsichtig und ein wenig schüchtern hinter dem Baum hervor. Es war ein kleines Wesen mit unfassbar großen Ohren. Am Körper trug es nur eine Unterhose mit Stiefeln und Mütze. Aber Mal abgesehen davon, wirkte es für meine Augen unfassbar menschlich… oder eigentlich vampirlich. Menschen gibt es nicht, Alea!

Und tatsächlich: Mit einem Satz sprang es zu uns herunter und begann sogar zu sprechen. »Vampire habe ich in dieser Gegend schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.« Die Stimme klang total normal.

»Ein Gnom!«, rief Jayden atemlos auf. Klar, ein Gnom – was sonst? Die gab es natürlich auch. »Oh, wie süß. Dürfen wir ihn behalten?«, fragte Max scherzhaft. »Junger Mann, ich bin kein Gegenstand, den man einfach besitzen kann. Aber da ich nur selten auf Vampire treffe, würde ich mich geehrt fühlen, wenn ich mich euch anschließen dürfte.«

Konnte es noch merkwürdiger werden? »Und der kann uns nicht gefährlich werden? Meine Erinnerungen an Gnome sind zwar vorhanden, aber nur noch flüchtig.« Daniel grinste. »Nein, Gnome sind friedliche Wesen. Sie tun keiner Seele etwas zu leide – anders als sogar wir Vampire.«

Jayden schnaufte. »Du meinst wohl wir Casses. Feences halten sich an die Regeln.« Wieder ein Diskussionsthema, das zwar in der Luft lag, jedoch nicht angeschnitten wurde, da man eh nie zu einer Lösung kommen würde.

»Hast du eigentlich einen Namen?«, fragte ich den Gnom jetzt einfach, um die Spannung zwischen Jayden und Daniel weg zu wischen. »Mir wurden schon ganz unterschiedliche Namen gegeben, aber wenn ihr so höfflich seid und fragt, am liebsten heiße ich Herish.«

An den Namen musste ich mich wohl erst noch gewöhnen. Aber Herish wurde mir auf jeden Fall immer sympathischer. Er könnte uns bei manchen Gefahren vielleicht sogar zur Seite stehen und helfen. Herish zog seine Mütze, die sowieso schon ziemlich tief saß, noch ein kleines Stückchen tiefer. »Lasst mich raten, ihr nehmt den Kreis der Elemente? Gut, denn einen anderen Weg gibt es nicht – bedauerlicher Weise«, sagte Herish und marschierte dann voraus, wir folgten.