Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 23 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 7 | Hinterhalt?

In dieser Nacht… okay eigentlich war es ja Tag… hatte ich wieder einen meiner besagten Träume. Würde das jetzt jeden Tag passieren? Eigentlich ja etwas Gutes, wenn ich Einblicke aus meiner Vergangenheit bekam. Allerdings waren es nicht wirklich Erinnerungen… weil ich mich schlicht und einfach nicht erinnerte. Es fühlte sich eher wie der Traum von jemand anderen an.

Anders als der letzte war dieser eindeutig heiterer und wirkte nicht so düster. Allerdings täuschte der erste Eindruck ja oftmals. Ich befand mich auf irgendeiner Feier, wie es den Anschein hatte. Ich wirkte eindeutig jünger und konnte noch nicht ausgewachsen sein. Allerdings auch nicht so jung wie meine kleine Schwester Dana. Möglicherweise fünfzehn oder sechszehn Jahre alt. Natürlich trug ich ein Kleid, was ich ja selbst tragen würde, wenn keine Feier anstand. Aber dieses Kleid… es war einfach atemberaubend.

Es ging bis zum Boden und ab der Taille, mit einem rosafarbenen Band abgetrennt, fing es unglaublich schön zu glitzern an. Wenn man meine Frisur mal ganz außer Acht lässt, denn die müsste dem Frisör sicher den halben Tag gekostet haben.

»Und? Wie gefällt dir das Königreich?«, fragte mich jemand, den ich erkannte. Es war König Lian McGowan! »König Lian!«, ich verbeugte mich tief vor ihm. »Es ist atemberaubend.« Er grinste mich an. »Das freut mich. Wie ist denn dein Name?« »Alea Reeves. Ich wohne zusammen mit meiner Familie südlich dieses Schlosses. Ich dachte schon immer, dass wir ein großes Schloss haben, aber gegen dieses ist das echt nichts. Okay, wahrscheinlich verständlich. Immerhin leben hier der König und die Königin.« Ich verbeugte mich noch einmal. »Wie gesagt… es ist mir eine unglaublich große Ehre, dass sie mich ansprechen.«

Er winkte ab. »Ach, ich bin gar nicht so wie du mich gerade darstellst. Du weißt ja sicher, dass ich nur wegen Lorena König geworden bin. Sie ist diejenige mit den atemberaubenden Fähigkeiten. Nur unsere Ehe machte mich zum König.« »Ich habe aber trotzdem schon extrem coole Geschichten über Sie gehört.«

Eine kleine Pause entstand, in der er an seinem Getränk nippte. »Alea Reeves… woher kenne ich diesen Namen nur? Aber natürlich! Ist dein Vater vielleicht Jasper Reeves? Ich kenne ihn aus Kindheitstagen. Zusammen mit Taylor haben wir damals schon im Sandkasten gespielt. Bis zu meinem achten Lebensjahr waren die beiden echt meine besten Freunde. Schade, dass wir irgendwie den Kontakt verloren haben. Aber grüß ihn bitte von mir.«

»Warte… Taylor, so wie meine Mutter Taylor?«, fragte ich, was ich mir übrigens auch gerade gefragt habe. »Oh, das kann ich nicht sagen. Früher waren die beiden ja noch Kinder… allerdings hatte Jasper glaube ich schon immer etwas für Taylor übrig gehabt. Um deine Frage zu beantworten… wahrscheinlich schon.« »Hm… okay. Irgendwie gruselig wie wenig meine Eltern mir über ihre Vergangenheit erzählen. Aber… warum habt ihr den Kontakt abgebrochen? Warum hat er mir nie etwas darüber erzählt, dass er mit dem König befreundet gewesen ist – oder meine Mama?«

Sein Blick war gesenkt. »Genau kann ich dir das leider nicht sagen. Ich weiß nur, warum der Kontakt abbrach. Ich musste wegziehen. Als ich als König dann wieder zurückkehrte war mein Leben leider ziemlich stressig, weshalb ich keine Zeit hatte, nach Jasper oder auch Taylor zu suchen.«

»Naja, ich werde ihn Zuhause einfach selber fragen.« Verdammt! Bitte lass diesen Traum weiter gehen und mir die Unterhaltung Zuhause mit meinen Eltern zeigen. Ich wollte unbedingt wissen, was es mit den dreien auf sich hatte. Doch zu meinem Pech spielte der Traum weiterhin in diesem Saal ab. Auch wenn sich König Lian nun wieder von mir entfernte.

Die junge Alea setzte sich nun auf irgendeine Sitzgelegenheit im Schloss, die ziemlich prachtvoll wirkte. Gedankenverloren betrachtete ich den Saal und die tanzenden Vampire. Das ertönende Lied kannte ich leider nicht, auch wenn ich es mochte. Es war nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell.

Als die Zeilen »I’m thinking out loud, maybe we found love right where we are« kam ein Vampir auf mich zu, der mich zum Tanzen aufforderte. Endlich, denn ich konnte förmlich spüren, wie sich meine Füße zu der Musik bewegen wollten. Ich ergriff dankbar seine Hand und legte meine andere auf seine Schulter.

»Ich heiße Alea Reeves und du?«, fragte ich und schaute dem Vampir mir gegenüber das erste Mal an. Das Gesicht der jungen Alea blieb bei seinem Anblick zwar unverändert, doch in mir schrie alles. Vor mir stand kein anderer als Daniel Wyler, der Daniel Wyler, den ich angeblich noch nie zuvor in meiner Vergangenheit begegnet bin.

»Ich bin Daniel Wyler. Ziemlich beeindruckendes Schloss, findest du nicht?« Ich nickte. »Besuchst du oft solche Veranstaltungen?« »Ne, das ist meine erste. Wäre mir auch gar nicht möglich. Was glaubst du, wie schwierig es war in diese hier herein zu kommen?« »Wieso schwierig? Jeder kann kommen, wenn er möchte.« »Nein, nicht jeder. Jeder von den Feences kann kommen, aber wenn du zu den Casses gehörst sieht das anders aus.«

Abrupt löste ich mich von ihm und hörte auf zu tanzen. »Du gehörst du den Casses?« »Ja, und wenn du möchtest, dass das hier für dich gut ausgeht, dass deinen Freunden und deiner Familie nichts passiert, tanzt du weiter mit mir.« Seine Worte trafen mich auf einen Schlag. Der Daniel Wyler, wie ich ihn kannte, existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Wenn er denn je existiert hatte. Ich hatte ja bereits dieses komische Gefühl wegen ihm und Ali gehabt. Vielleicht war er einfach ein unglaublich guter Schauspieler.

Ungewollt fing ich wieder mit unserem Tanz an bei »Maybe just the touch of a hand« - welche Ironie. »Was willst du von mir?«, fragte ich nun sichtlich nervös. »Mein Vater hat kürzlich einen Zauber gelegt, der ihm die Zukunft zeigt.« »Ich muss mich wohl verhört haben. Ein Zauber, der die Zukunft zeigt? Das geht nicht. Solche starke Zauber kann niemand wirken – egal wer dein Vater ist.«

»Naja, nicht ohne Unterstützung. Es gibt mächtige Gegenstände, die euch bürgerlichen Feences wahrscheinlich nicht bekannt sind, weil eure Regierung es für sicherer hält euch im Dunkeln zu lassen. Aber bei den Casses ist das anders, wir können sie ohne Probleme benutzen.« »Ja, weil ihr Sachen gegen die Regeln macht. Regeln sind immer besser… seine Zukunft zu kennen kann nie gut sein.«

»Wie auch immer. Jedenfalls sagte uns die Zukunft, dass eine gewisse Alea Reeves eine Gefahr für die Casses darstellen wird.« »Das glaub ich nicht. Ich bin nicht gefährlich – für niemanden. Ich bin doch nur Alea Reeves.« »Tja, der Zauber hat uns aber etwas anderes gesagt.«

Ich atmete langsam aus. »Tollen Vater hast du da. Der seinem Sohn einfach die Arbeit in die Schuhe legt.« Das kannte ich von Jared ja bereits. Er hatte Daniel ja auch geschickt, um mir ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen.

»So ist das nicht. Die Zukunft hat nämlich noch etwas anderes gesagt. Mein Vater hat mir mitgeteilt, dass ich quasi der Held für die Casses sein kann. Durch mich können wir gerettet werden.« »Ein Held also… Dann sag mir, Held, was planst du nun zu unternehmen?« Ich sagte das ziemlich ironisch, weil Daniel jetzt noch ziemlich jung aussah. Aber ich wusste nur zu gut, dass sich das geändert hatte. Ich könnte mir inzwischen sehr gut vorstellen, dass er in der Lage wäre gegen mich vorzugehen.

»Also, ich würde dir ja raten, dass du uns Casses nicht tötest, sonst muss ich Held spielen und dich zur Strecke bringen.« »Um Himmels willen! Ich bin im Moment nicht Mal dazu in der Lage. Wer weiß, was ich in der Zukunft vorhabe. Es heißt nicht ohne Grund Zukunft. Es sollte auch in der Zukunft liegen.« »Ist ja gut. Ich will dich nur schon Mal vorwarnen.«