Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 8 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 2 | Steine?

 

Bevor Ali mir ihre Antwort geben konnte, kam Jared mit unseren Getränken auch schon wieder zurück. Na toll, war der Zug zur Flucht jetzt etwa abgefahren? Was würden sie als nächstes mit uns anstellen? Etwas Schlimmeres als mir falsche Erinnerungen zu geben?

Doch Jared setzte sich lediglich zu uns an den Tisch und grinste uns breit an. »Also, verrate mir wie du darauf gekommen bist, uns einen Besuch abzustatten? Denn deine Erinnerungen sind ganz klar noch nicht zurück… was bin ich froh.« »Ali hat mir davon erzählt«, antwortete ich trocken.

Jared lachte. »Ich habe es doch immer gewusst, dass du nichts für dich behalten kannst.« Ali konnte anscheinend nicht mehr still sitzen, da ihr eine Frage auf der Zunge lag, die ihr brennend interessierte: »Ich verstehe es noch nicht ganz. Wenn Alea wirklich immer hier durch die Vordertür hereinspaziert ist… Bist du etwa ein Vampir mit Todeswunsch?« Jared starrte Ali entgeistert an. »Hätte ich Alea sonst ihre Erinnerungen genommen, wenn ich das hätte?«

Im nächsten Augenblick ging die Tür auf und ein weiterer Vampir betrat die Kneipe. Eigentlich hätte ich es für nichts Besonderes gehalten, hätte sich Jareds Hand nicht verkrampft. War das etwa ein unerwünschter Vampir… ein Feences? Nein, seiner Kleidung nach zu urteilen nicht. Aber vielleicht hatte er sich ja, so wie wir, umgezogen für eine geheime Mission. Allerdings waren wir hier ja auch nicht unerwünscht. Oder … wahrscheinlich doch, wir wussten es nur noch nicht… und würden total in die Falle laufen.

Der Junge kam jetzt einige Schritte auf unseren Tisch zu und mit jedem Schritt schien Jareds Anspannung von ihm zu weichen. Als er vor uns stand, lächelte Jared sogar – ein falsches Lachen? »Daniel! Was machst du denn schon wieder hier?«

»Die Party unten bei den Gesh-Hügeln war total ätzend.« Jetzt bemerkte er erst mich und Ali und fragte anschließend: »Und wer ist das wieder? Neue Freundinnen von dir?« Aha, dieser Daniel schien hier nicht allzu oft abzuhängen, denn er kannte mich nicht – was ein Wunder! Ich hatte das Gefühl, der einzige heute Nacht. »Alea«, stellte ich mich vor.

»Ali«, tat sie es mir nach. Daniel verdrehte genervt seine Augen. »Na fein. Wenn du mich suchst: Ich bin oben.« Hier gab es ein oben? Dann war er ja anscheinend doch öfter hier, als ich vermutet hatte. Vielleicht hielt er sich ja ausschließlich oben auf, während ich vorzugsweise unten war.

Jared, der jetzt wieder seinen Plauderton angeschlagen hatte, fragte: »Und? Wo waren wir stehen geblieben?« Anstatt ihm zu antworten, fragte Ali: »Wer war das gerade?« Total beiläufig erklärte Jared: »Ach, der ist voll das Partytier und jede Nacht woanders. Jetzt aber zurück zum Thema.« Ali hatte anscheinend ebenfalls Jareds Anspannung bemerkt, als Daniel den Raum betreten hatte. Aber ich erkannte schon gleich, dass Jared uns nicht weiteres verraten würde.

Ohne jegliche Vorwarnung sprach Ali ein ziemlich heikles Thema an. Ein Thema, welches Jared bestimmt total wütend machen könnte und er würde schon vorzeitig auf uns losgehen. »Wie ist Alea damals an die ganzen Steine der Casses rangekommen? Die Steine, die euch, wenn Alea sie mit ihrer Magie zerstört, töten würden.«

»Weil ich ihr die Steine gegeben habe«, sagte Jared gerade heraus. Mir stockte der Atem… bitte was? »Ach, und jetzt sag mir noch mal, das wäre keine Selbstmordmission«, pustete Ali sichtlich verärgert. »Ist es nicht, weil sie nicht alle Steine hat. Und sie wird nie alle Steine bekommen.«

Jetzt war ich erst recht verwirrt: »Und warum das du mir dann die anderen Steine gegeben?« »Keine Ahnung… vielleicht damit du deine Hoffnung nicht aufgibst?« »Dann sind wir heute also umsonst gekommen?«, fragte ich Jared.

»Könnte man so sagen. Aber ist ein kleines Gespräch nicht auch viel Wert?« Ali, die ihren Blick nicht von Jared richten konnte, fragte: »Wie viele Steine fehlen Alea noch, damit sie alle besitzt?« »Genau einer. Der Stein, der Aleas Erinnerungen unterdrückt.« Ich schluckte… nur einer! Nur der Stein, der mich wieder zu dem Vampir machen würde, der ich wirklich war. Wir mussten diesen Stein unbedingt finden! Dann könnten wir zwei Fliegen mit einer Klatsche fangen.

Als hätte Jared meine Gedanken gelesen, meinte er: »Aber keine Sorge, der Stein ist so gut versteckt und bewacht… den bekommt ihr niemals in eure kleinen Hände.« Ali grinste: »Ja, nun, wir werden es versuchen. Unterschätze niemals zwei Vampirfreundinnen.« »Uh, da bin ich ja Mal gespannt. Gerade weil ihr Aleas Magie braucht, um ihn überhaupt erst zu finden. Aber warte… sie hat diese Magie ja gar nicht mehr.«

Ich funkelte Jared böse an. »Ich werde sie schon zurück bekommen.« »Nicht vollständig – dafür werde ich persönlich sorgen.« Und das war der Moment, wo ich Ali am Arm packte und sie mit mir nach draußen zog. Lange würde Jared nicht mehr auf freundlich machen – das war klar wie Kloßbrühe.

Draußen an der frischen Luft, fragte ich Ali: »Habe ich dir je erzählt, wo ich diese Steine aufbewahre?« »Nein, das hast du nicht – was mich nach heute Nacht eigentlich auch nicht wundert. Aber keine Sorge: Wir werden diese Steine gemeinsam finden. Wenn wir erstmal den Stein zerstört haben, der für deinen Gedächtnisverlust verantwortlich ist, wird der Rest ein Klacks.«

Ich lächelte sie an. »Da hast du wahrscheinlich Recht. Jetzt muss ich nur noch meine Fähigkeiten wiedererlangen. Tja, vielleicht hilft das Date mit Jayden ja morgen.« »Sicher wird es das, immerhin ist er ein Teil deiner Selbst.« Ali war einfach zu lieb, wie sie immer in allem das Beste sehen wollte. Glücklich zog ich sie an mich und drückte sie einmal kräftig. Eine wunderbare und angenehme Wärme überrollte mich.

»Warte… warst du das gerade?«, fragte mich Ali. »Was soll ich gewesen sein?« Ich hatte echt keinen blassen Schimmer was sie damit meinte. »Diese Wärme, Alea. Ich glaube das war Magie. Mach das noch Mal.« »Ich weiß ja gar nicht wie ich das überhaupt geschafft habe…«

»Konzentriere dich auf unsere Freundschaft und stelle dir das bildlich vor, was du erreichen willst.« Ich dachte an ein gemütliches Lagerfeuer und an Ali und ihre wunderbare Art mich glücklich zu machen. »Wenn du deinen Finger kreist geht es noch besser«, gab sie mir als Rat.

Und Alis Ratschlag half: Ich fühlte nicht nur Wärme in meinem Körper. Nein, von meinen Fingern gingen jetzt sogar kleine Flammen auf. Ich stieß einen Freudenschrei aus. »Wie jetzt? Heißt das, dass ich jetzt schon meine Fähigkeiten wieder habe?«

Betrübt schüttelte Ali den Kopf. »Ich fürchte nicht. Es ist nur ein Teil deiner Kraft. Der Teil, der unsere Freundschaft ausmachte.« Während sie das sagte, grinste sie total breit. »Aber dich machen noch so viele andere Sachen aus, Alea. Aber es ist zumindest ein Anfang.«