Alea Reeves, vampire princess lost

Annika Ha · Kapitel 33 von 46

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Alea Reeves, vampire princess lost

Tag 10 | Geheimnisse?

 

Komisch. Sonst bin ich immer der Langschläfer«, murmelte ich, als ich das Zelt verließ und nur Daniel vorfand. Ich stöhnte und machte mich auf den Weg zu der Wasserstelle, um mir mein Gesicht zu waschen. Zugegeben, so merkwürdig war es gar nicht, dass ich jetzt schon wach war. Ich konnte nämlich überhaupt nicht schlafen, weil ich ständig Albträume von Jaydens Tod hatte.

»Du schon wach?«, fragte mich jetzt auch Daniel von hinten. Toll, den Verräter konnte ich jetzt echt nicht gebrauchen. »Ja«, brummte ich nur. »Wie kommt’s?«, hakte er nach, was meine sowieso schon schlechte Morgenlaune noch etwas anstiegen ließ. Was geht ihn das was an?

»Keine Ahnung, warum bist du denn wach?«

»Albträume«, antwortete er. Ach, na dann Willkommen im Club, wollte ich beinahe sagen, doch ich ließ es. Dann würde er sicher nur unnötige Fragen stellen. Nein, jetzt war ich mal am Zug. »Was denn für Albträume?« »Ach, die üblichen…«, murmelte er nur. Okay, sollte mir ja egal sein, warum er tagsüber nicht schlafen konnte. Auch wenn es mich, zugegeben, schon interessiert hätte.

Doch nach einer kurzen Gedenkpause fuhr er überraschender Weise fort: »Ich sehe mich jedes Mal in dieser Wiege liegen und vor mir diese große und dunkle Gestalt, die mir sagt, dass sie bald zurück kommt.«

Bitte was? Verwirrt schaute ich ihn an. Diese Sorte von Traum konnte man sicher nicht ohne Erklärung verstehen. Zum Glück folgte die in Kürze: »Ich weiß nicht wer meine Mutter ist.« Okay, das wurde noch verwirrender. »Ich dachte, deine Mutter wäre tot.«

»Ja, das stimmt auch. Aber ich weiß trotzdem nicht wer sie ist. Mein Vater hat mir nie ein Foto gezeigt. Auch sonst weiß ich nichts über sie, weil er nie über sie redet. Das einzige was ich weiß ist, dass sie starb. Ende. Mehr Infos lässt mein Vater nicht zu.«

Klar, Daniel hatte uns verraten. Er kannte mich schon vorher und sollte Held für die Casses spielen und mich vernichten. Das war seine Aufgabe… das sagte die Zukunft. Aber war es nicht Jared, der diesen Stein nutze, um die Zukunft zu sehen? Wahrscheinlich wurde er von ihm zu dieser ganzen Sache gezwungen und jetzt war er selber an diesem Ort gefangen – laut Jamie. Toller Vater. Teilte einem nicht mal die Risiken einer Mission mit. »Dein Vater scheint ein ziemlicher Idiot zu sein.« Daniel schaute mich jetzt entsetzt an. »Weil er mir nichts über meine Mutter erzählt? Aber das macht er doch nur, weil es ihm zu sehr weh tut über sie zu reden.« Irgendwie fing ich an auch das in Frage zu stellen.

Mensch, wenn Daniel jetzt endlich zugeben würde, dass er mich schon vorher kannte, könnte ich ihn vielleicht wirklich sympathisch finden… aber so? Man konnte doch nicht so Abhängig von seinem Vater sein. Vielleicht macht er es ja doch gerne. Oder er muss es machen. Wie auch immer… Es war seine Aufgabe, so wie es meine Aufgabe war, die Casses zu vernichten. Wir hatten beide keine andere Wahl.

Glücklicher Weise dauerte es nicht mehr allzu lange bis die anderen wach wurden. So lange mit dem, der quasi mein persönlicher Feind war, alleine zu verbringen, war etwas unbehaglich.

Der Weg durch die Elemente war glücklicherweise vorüber… bis es dann irgendwann wieder mit der Erde losging. Aber dazwischen sollte ja theoretisch noch der Stein sein. Bis jetzt hatte Daniel noch nicht dieses Überraschung-Gesicht aufgesetzt und es war alles nur eine Falle gesagt.

Doch das konnte sich in nur wenigen Minuten ändern, denn wir kamen an einer Höhle an, in der die vermeintlichen Steine versteckt sein könnten. »Vielleicht … okay wahrscheinlich… ist das, was Alea ihre Erinnerungen wieder gibt, hier drin.« Ja, ja, Daniel. Diese Worte kannst du dir wirklich sparen.

Als ich jedoch den Eingang passieren wollte, kam ich nicht weit, denn eine unsichtbare Mauer schien mir den Weg zu versperren. Wenn man genauer hin sah, dann konnte man erkennen, dass die Sicht dort ziemlich verschwommen war. Kurz nach meinem Zusammenstoß mit der unsichtbaren Mauer, erschien eine Schrift vor uns, die sagte: Diese Wand steht für Geheimnisse.

»Hä? Was soll denn das jetzt?«, fragte ich in die Runde. »Also für mich ist das ziemlich einleuchtend«, meinte Jamie. »Wenn die Wand für Geheimnisse steht, bekommen wir sie nur weg, wenn wir ein Geheimnis vernichten.« Ein Geheimnis vernichten? Es nicht mehr länger ein Geheimnis sein lassen? Wow, das passte ja perfekt. Daniel wollte uns in eine Falle führen? Fein, aber ich würde den ersten Zug machen. »Daniel? Willst du uns nicht ein Geheimnis erzählen?«

»Welches Geheimnis meinst du?«, fragte er mich und bedachte mich mit einem bösen Blick. Oh, er dachte, ich würde auf die Sache mit seiner Mutter anspielen. Dann musste ich eben etwas auf die Sprünge helfen. »Erzähl uns doch mal, wo wir beiden uns das erste Mal getroffen haben?«

Jetzt schien er die Welt nicht mehr zu verstehen. Ja, ja, ja. Stell dich ruhig doof, aber diese magische Wand wird all deine tiefsten Gedanken kennen. Die kannst du, anders als uns, nicht belügen. Er versuchte es aber anscheinend trotzdem: »Ich weiß nicht was du meinst. Das ist doch kein Geheimnis. Wir haben uns das erste Mal in der Bar meines Vaters getroffen.« Ha, Lüge! Lüge! Diese Wand würde sich keinen Millimeter auflösen… Sie würde fest-

Moment mal, das kann doch nicht wahr sein! Hier muss ein Fehler vorliegen. Denn die verschwommene Sicht schien nun langsam kristallklar zu werden. Max war der Erste, der testete, ob der Weg wirklich frei war. Und tatsächlich. »Hä? Das war doch kein Geheimnis. Warum ist die Mauer trotzdem weg?«, wunderte sich auch Max.

»Weil es für mich sehr wohl ein Geheimnis war. Ich habe nämlich Träume, laut denen Daniel und ich uns schon vorher kannten.« »Dann müssen diese Träume lügen«, meinte Daniel. Ja, das wäre jetzt wohl das einzige, was Sinn machen würde. Dass auch meine Träume manipuliert wurden.

»Aber wenn dieser Traum eine Lüge war, warum sind die restlichen dann wahr? Zum Beispiel der von König Lian und unseren Eltern?« Ich konnte es immer noch nicht richtig fassen. Ich kannte Daniel wirklich nicht vorher? Aber… es hat vorher alles so gut Sinn gemacht. Jareds Anspannung in der Bar… einfach alles! Jetzt waren meine mühsam erarbeiteten Gedankengänge wieder Käse. Himmel, ich will mich doch einfach nur an meine Vergangenheit erinnern!

»Egal, Alea. Es hat funktioniert. Wir können in die Höhle – zu den Steinen. Bald wirst du die Wahrheit kennen«, sagte Ali… und sie hatte vielleicht Recht. Wenn Daniel mich wirklich nicht kannte… und das keine Falle war, vielleicht warteten da drin wirklich meine verlorengegangenen Erinnerungen auf mich.