Alea Reeves, vampire princess lost
Tag 4 | Happy Birthday?
Der Weg durch den Vorgarten des Schlosses war einfach atemberaubend. Dana hatte das wirklich total toll hingekriegt. Okay, sicherlich hatte sie Hilfe von unseren Eltern erhalten. Aber ich war trotzdem total stolz auf sie. Die Musik war perfekt, ebenso wie die Dekoration. Im Garten standen mehrere Tische unter freiem Himmel. Das Wetter dafür war ja auch total gegeben.
Ich fand es ziemlich merkwürdig, wie mir manche Vampire strahlend in die Arme liefen und mir ein Geschenk in die Hand drückten, obwohl ich die meisten davon zum ersten Mal sah. Wahrscheinlich die Nebenwirkungen, die ein Gedächtnisverlust mit sich brachte.
Plötzlich umarmte mich jemand von hinten und flüsterte mir mit vertrauter Stimme »Happy Birthday!« in mein Ohr – Ali. Endlich mal jemanden, den ich wiedererkannte. »Dankeschön«, entgegnete ich und flüsterte gleich hinterher: »Ich habe diese Steine übrigens gefunden. Sie befinden sich in einem Geheimfach meines Kleiderschrankes. Allerdings sind sie meines Erachtens noch nicht zerstört.«
»Okay, dann sollten wir das bei Gelegenheit machen. Und dann sollten wir uns auf die Suche zu deinem Stein machen, damit du endlich deine Erinnerungen wiederbekommst.« »Ganz deiner Meinung. Nur… bist du dir sicher, dass wir zwei das alleine hinbekommen? Ich könnte mir vorstellen, dass das kein Zuckerschlecken wird«, gab ich zu Bedenken. »Ja, Verstärkung könnte uns gut tun. Wie wäre es mit Max und Jayden? Die sind die einzigen, die sonst noch von dieser Mission wissen.«
»Schon, aber im Endeffekt nützen sie nichts, weil nur du diese Magie hast.« »Ja, aber auch die Magie der Feences kann als Unterstützung sicher nicht schaden. Oder wie-« Doch Ali unterbrach ihren Satz, da sie hinter mir anscheinend etwas oder jemanden entdeckt hatte. Vorsichtig dreht sie mich um. »Kommt dir der Typ auch bekannt vor?«
Es war nicht schwer zu erraten welchen sie damit meinte. Er war der einzige hier, der nicht im Anzug erschienen war. Obwohl ich zugeben musste, dass er bessere Kleidung trug als bei unserer letzten Begegnung. »Ist das nicht der Typ, der zu Jared neulich an den Tisch gekommen war?«
Ali überlegte. »Hieß er nicht Daniel?«
»Keine Ahnung. Ich glaube schon. Aber was macht der bitte hier?«, fragte ich mich. Er kam jetzt direkt auf uns zu. In seiner Hand hielt er ein Geschenk. »Wer von euch beiden ist denn jetzt das Geburtstagskind hier?«, fragte er, während seine Blicke zwischen mir und Ali hin und her huschten. Ali schupste mich ein wenig nach vorne, um Daniel klar zu machen, dass ich Geburtstag hatte.
»Alles Gute«, murmelte er, während er mir das Geschenk überreichte. »Das Geschenk ist von meinem Vater. Ich sollte es dir übergeben.« »Jared ist dein Vater?«, fragte Ali entgeistert, woraufhin Daniel völlig desinteressiert nickte. »Aha, und warum kommt er dann nicht einfach selber her?«, wollte ich von ihm wissen, doch genau schien er das auch nicht beantworten zu können.
»Also er ist nicht so das Partytier und ich … naja, schon eher. Deshalb meinte er, ich sollte es vorbei bringen.« Irgendwie wurde ich jetzt total wütend auf Jared. Unvorstellbar, dass ich noch wütender auf ihn werden konnte. »Da hat Jared aber übersehen, dass das hier eine private Party ist und nur geladene Gäste erwünscht sind.« Ich weiß es klang hart, aber es war fair.
Doch Ali zog mich kurz nach hinten weg, während sie »Einen Augenblick« sagte. Was zum Teufel hatte sie jetzt wieder vor. »Das ist unsere Chance, Alea!«, rief sie mir im Flüsterton entgegen. »Chance wofür?«, fragte ich total ahnungslos.
Ali verdrehte die Augen. »Na, für unsere geheime Mission. Wir brauchen noch jemanden mit Casses Magie für unsere Reise.« »Toller Plan. Er wird sicher mitkommen, um sich selber umzubringen… ganz sicher.«
»Das müssen wir doch nicht verraten. Wir sagen ihm einfach so, dass Jareds Geschenk nichts wert ist, da er dir deine Erinnerungen genommen hat – und es könnte dich nur glücklich machen, wenn du diese zurückbekommst. Wenn er immer noch kein Mitleid hat, drohen wir ihm halt damit, dass er sonst nicht auf der Party bleiben darf. Wir würden dann ja auch nicht lügen… wir verschweigen nur einen Teil der Wahrheit.« Wahrscheinlich hatte Ali mal wieder nicht ganz Unrecht. Wir brauchten dringend noch Unterstützung von jemand mit Casses Magie. Wir mussten nur noch Jayden und Max verklickern, dass sie ja dicht halten müssen, was den Teil mit der Vernichtung der Casses angeht.
Schließlich drehten wir uns wieder zu Daniel hin. Mir war klar, dass es jetzt an mir lag, die richtigen Worte zu finden: »Weißt du, dass Geschenk von Jared ist scheiße. Kann ich dir jetzt schon sagen, ohne dass ich es überhaupt geöffnet habe. Denn weißt du was, wie soll man ein Geschenk von jemanden gut finden, der die Schuld daran trägt, dass man jegliche Erinnerungen an seine Vergangenheit verloren hat?«
Daniel starrte mich perplex an. »Warum sollte er das getan haben?« Ali lachte spöttisch. »Vielleicht weil ihr Casses euch nicht um Regeln kümmert?« »Also was mein Vater dir angetan hat, tut mir leid. Das ist sicher nicht schön…« Ich schnaubte. »Nein, ganz sicher nicht. Und wegen ihm müssen wir uns jetzt auf die Suche nach diesem Stein machen, der dafür verantwortlich ist. Ali meinte, es gibt irgendwo einen Ort, wo man nur mithilfe der Casses Magie hinkommt.«
»Bei den Guel-Hügeln? Seid ihr verrückt? Da kommt ihr doch nicht lebend wieder heraus.« »Nicht ohne deine Hilfe«, brachte Ali es auf dem Punkt. »Wir bräuchten Zelte… keine Ahnung… Proviant. Da ist man länger als ein Tag unterwegs«, meinte er, um eine klare Antwort zu vermeiden. Ich konnte merken, dass ich ihm Leid tat. Allerdings merkte ich auch, dass er eigentlich überhaupt keine Lust hatte, mitzukommen… vielleicht auch Angst.
»Ich denke Zelte und Proviant könnten wir besorgen. Das wäre das kleinere Problem.« Ali machte eine kleine Pause und fügte hinzu: »Komm schon. Stell dir vor, man hätte das mit dir gemacht. Das würdest du doch auch nicht schön finden, oder?«
»Ich finde ja, mein Vater sollte euch helfen. Immerhin hat er euch den Bockmist eingebrockt.« »Das Problem ist nur, dein Vater möchte nicht, dass ich meine Erinnerungen wieder bekomme«, erklärte ich. »Komm schon. Ein Ausflug gegen den Willen deines Vaters, gegen die Regeln… das dürfte doch was für dich sein. Dann darfst du auch auf meiner Party bleiben.«
Daniel seufzte. »Na schön. Aber nur, weil mein Leben zur Zeit total langweilig ist und ich ein Abenteuer gut wieder gebrauchen könnte.«